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In den fünfziger Jahren: Fidel Castro, seine Frau Mirta und Sohn Fidel. Bild: Imago

Fidel Castros Sohn gestorben : Der kleine Fidel

Fidel Ángel Castro Díaz-Balart, der älteste Sohn des früheren kubanischen Präsidenten, ist tot. Der 68-Jährige habe seit Monaten unter schweren Depressionen gelitten und sei von mehreren Ärzten behandelt worden. Seine Geschichte.

          2 Min.

          Die Hochzeitsreise von Mirta Díaz-Balart und Fidel Castro dauerte drei Monate. Die junge Philosophiestudentin stammte aus gutem Hause, und obwohl ihre Familie die Beziehung zu dem rebellischen Jurastudenten nicht guthieß, schenkte sie dem Hochzeitspaar eine großzügige Reisekasse. Die beiden verbrachten viel Zeit in New York, reisten von dort nach Miami. Und kein Jahr später, am 1. September 1949, kam in Havanna ihr Sohn zur Welt: Fidel Ángel Castro Díaz-Balart.

          David Klaubert

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Es folgten turbulente Zeiten, in denen „Fidelito“, der kleine Fidel, wohl nicht besonders viel von seinem Vater hatte. Dieser stürzte sich in den Kampf gegen das Regime von Diktator Fulgencio Batista, saß fast zwei Jahre im Gefängnis und floh schließlich ins Exil nach Mexiko. Weil er es zudem nicht allzu ernst nahm mit der Treue zu seiner Ehefrau, ließ sich Mirta Díaz-Balart 1955 von ihm scheiden. Sie erhielt das Sorgerecht für „Fidelito“, was Castro aber nicht davon abhielt, den Jungen eine Zeit lang zu sich nach Mexiko zu holen, wo er die kubanische Revolution vorbereitete.

          Nachdem Castro 1959 die Macht in Kuba übernommen hatte, schickte er seinen Sohn nach Moskau auf die Schule. Mirta Díaz-Balart, die inzwischen mit dem Rechtsanwalt Emilio Núñez Blanco verheiratet war, einem Sohn von Batistas früherem Botschafter bei den Vereinten Nationen, verließ Kuba und zog nach Madrid. Castro, der sein Familienleben in den Jahrzehnten als Staatschef weitgehend geheim hielt, bekam noch mindestens sechs weitere Kinder aus verschiedenen Beziehungen.

          Im Jahr 2007: Fidel Ángel Castro Díaz-Balart in Sankt Petersburg

          Sein Erstgeborener studierte in der Sowjetunion Atomphysik – aus Sicherheitsgründen unter falschem Namen. Von 1980 bis 1992 leitete Castro Díaz-Balart dann das kubanische Atomprogramm. Er vertrat Kuba bei der Internationalen Atomenergie-Organisation und war für den Bau des Atomreaktors Jaraguá bei Cienfuegos verantwortlich, der allerdings nie fertiggestellt wurde. 1992 entließ Fidel Castro seinen Sohn – wegen „Ineffizienz in der Ausführung seiner Funktionen“. Zuletzt war Castro Díaz-Balart wissenschaftlicher Berater der Regierung und Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften in Kuba.

          In einem seiner wenigen Interviews sagte Castro Díaz-Balart 2013: „Wegen meines Namens oder weil ich aussehe, als wäre ich Präsident, wird angenommen, dass ich natürlicherweise auch politische Ambitionen habe. Aber meine ganze Karriere war eine wissenschaftliche. Ich habe keine politischen Ambitionen.“ Einer der letzten öffentlichen Auftritte „Fidelitos“ war die Beerdigung seines Vaters im November 2016.

          Aus seiner Ehe mit Natascha Smirnowa hatte Castro Díaz-Balart drei Kinder. Nach der Scheidung von der Russin hatte er noch einmal geheiratet. Mütterlicherseits war er mit den Brüdern Lincoln und Mario Díaz-Balart verwandt, die als Abgeordnete im amerikanischen Kongress Stimmung gegen die sozialistische Regierung in Havanna machten. Auch sein Stiefvater in Madrid war zu Lebzeiten ein unermüdlicher Kritiker der Gewaltherrschaft der Castros.

          Die Nachricht vom Tod des Castro-Sohns kam für viele Kubaner nun überraschend – zumal die kubanische Regierung üblicherweise keine Details über die Todesumstände von Funktionären bekanntgibt. „Er hat sich heute Morgen das Leben genommen“, sagte eine Nachrichtensprecherin am Donnerstag im Staatsfernsehen. Der 68 Jahre alte Castro Díaz-Balart habe seit Monaten unter schweren Depressionen gelitten und sei von einem Ärzteteam behandelt worden.

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