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Streit um Geschlecht : J.K. Rowling unterstützt transfeindliche Frau

Erschuf mit „Harry Potter“ eine Welt ohne Grenzen: Joanne K. Rowling Bild: AP

Auf Twitter zeigt sich die Harry Potter-Autorin solidarisch mit einer Frau, die Transmenschen diskriminiert und dafür gekündigt wurde. Dafür erntet Joanne K. Rowling einen Shitstorm. Doch hinter der Debatte steckt viel mehr.

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          In ihren Büchern kämpfen Hauselfen an der Seite von Zauberern, reiten Menschen auf Fabelwesen und werden Außenseiter zu Helden. Die Welt, in der Harry Potter und seine Freunde gegen das Böse vorgehen, scheint grenzenlos. Das macht sie so beliebt. Auch bei Menschen, die in der wirklichen Welt an ihre Grenzen kommen, anecken und Anstoß erregen. Doch die heile Harry Potter-Welt wackelt.

          Natalia Wenzel-Warkentin
          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

          Die britische Autorin Joanne K. Rowling hat auf Twitter ihre Solidarität mit einer Frau bekundet, die sich weigert, Transfrauen als echte Frauen zu sehen. Maya Forstater war Wissenschaftlerin in einem ThinkTank und äußerte sich wiederholt in den sozialen Netzwerken transphob. Dafür wurde sie gekündigt – ein britisches Gericht erachtete die Kündigung als rechtmäßig. Auf Twitter schreibt Fortstater: „Das Geschlecht ist ein biologischer Fakt und kann nicht geändert werden. Es gibt zwei Geschlechter. Männer sind männlich und Frauen sind weiblich.“

          Gegensätzliche feministische Strömungen

          Der Fall hatte in Großbritannien hohe Wellen geschlagen, am Donnerstag schaltete sich schließlich auch die Bestseller-Autorin Rowling ein und schrieb: „Kleide dich, wie du magst. Nenn dich wie du willst. Schlafe mit wem auch immer du willst (sofern derjenige das auch will). Lebe dein bestmögliches Leben in Frieden und Sicherheit. Aber Frauen aus ihren Jobs drängen, weil sie sagen, dass das biologische Geschlecht real ist?“ Für diesen Tweet erntet Rowling einen gewaltigen Shitstorm. Über 34.000 Menschen haben ihr geantwortet, darunter Transaktivistinnen wie die Schauspielerin Indya Moore.

          Hinter dem Streit um das biologische Geschlecht stecken zwei gegensätzliche feministische Strömungen. Frauen wie Maya Forstater – und nun offenbar auch J.K. Rowling – werden als „TERFS“, also „Trans Exclusive Radical Feminists“ bezeichnet. Sie schließen Transmenschen in ihren feministischen Bestrebungen komplett aus, erkennen Transfrauen nicht als vollwertige Frauen an und unterstellen Transmännern aus ihrem Geschlecht flüchten zu wollen. Zeitschriften wie die „Emma“ stehen in der Tradition dieses trans-exklusiven Feminismus. Immer wieder werden unter Herausgeberin Alice Schwarzer Artikel veröffentlicht, die die geschlechtliche Transition kritisieren.

          Dagegen steht der trans-inklusive Feminismus, der zwischen dem biologischen und dem sozialen Geschlecht unterscheidet und maßgeblich von Autorinnen wie Judith Butler geprägt wurde. Demnach ist Geschlecht vor allem etwas, das durch die binäre – also zweigeschlechtliche – Gesellschaft konstruiert wird. Dieser (intersektionale) Feminismus unterstützt nicht bloß Frauen, sondern unterstützt die Rechte aller marginalisierten Gruppen, unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe und gesellschaftlicher Schicht.

          J.K. Rowlings Tweet stößt auch deshalb auf so viel Widerstand, weil sie sich in der Vergangenheit immer wieder öffentlich beispielsweise für die LGBTIQ-Community eingesetzt hatte. Ihre Fans gehören nicht selten genau einer dieser marginalisierten Gruppen an, deren Existenz sie mit ihrer aktuellen Aussage anzweifelt. Das ist vor allem vor dem Hintergrund der sehr hohen Suizidraten unter Transmenschen besonders problematisch. Auf Twitter schreibt ein Nutzer: „Als ein schwuler Mann, der als Kind Sicherheit in Hogwarts fand und jetzt weiß, dass Transmenschen diese Sicherheit nicht mehr haben – das bricht mir mein Herz.“

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