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Das Jahrzehnt der DJs : Ain’t Nobody Loves Me Better

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Mit neuem Sound in die Charts: Robin Schulz beim Sputnik SpringBreak Festival 2015 auf der Halbinsel Pouch bei Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) Bild: Imago

Es ist noch nicht lange her, dass elektronische Tanzmusik belächelt wurde. DJs waren Stars nur in der Szene. Inzwischen geben sie in den Top Ten den Ton an. So wie die zwei Deutschen Felix Jaehn und Robin Schulz.

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          Früher kam man blutjung in die Charts, wenn man einen super Song geschrieben hatte oder supergut singen konnte. Heute schaffen junge Männer den Sprung in die Hitlisten, die weder singen noch tanzen können - aber eine gute Hand für Musikproduktionen haben.

          Sechs Titel in den aktuellen deutschen Top Ten stammen von DJs. Platz eins belegt Felix Jaehn mit „Ain’t Nobody“. Wie seine erfolgreichen DJ-Kollegen steht er für eine neue Form elektronischer Musik, die lässig daherkommt und sich schwer nach Pop anhört. Auch deshalb klingt die neue DJ-Generation nicht nach Klischees.

          Es ist noch nicht lange her, dass elektronische Tanzmusik belächelt wurde. DJs waren Stars nur in der Szene. Heute haben sie sich in die Mitte der Gesellschaft gespielt. Der DJ-Musik ging es wie vielen Trends: Sie wurde in der Nische geboren, doch von der Masse ignoriert. Dann wandelte sich die Ablehnung in Interesse, und die Außenseiter machten plötzlich Geschäfte. Erste Idole hießen Westbam oder Sven Väth.

          Kamen zur Loveparade Mitte der neunziger Jahre eine halbe Million Menschen, waren es Ende des Jahrzehnts schon 1,5 Millionen. Nach der Jahrtausendwende eroberte die elektronische Tanzmusik Film und Werbung. Doch erst jetzt ist das goldene DJ-Jahrzehnt angebrochen.

          „Mama, das Ding ist für dich“

          Was die Apostel für das Christentum waren - David Guetta ist es für die tanzbaren Elektroklänge. Mitte 2009 schubste er den ewigen Beat der Nacht ins Tageslicht - mit der Single „When Love Takes Over“, deren Piano-Melodie an den Coldplay-Ohrwurm „Clocks“ erinnert. Es sang Kelly Rowland, die mit Destiny’s Child prominent wurde. Eine perfekte Paarung, denn „When Love Takes Over“ ist letztlich elektronische Musik für Leute, die keine elektronische Musik hören. Plötzlich hörten alle Guetta. An Silvester 2011 legte er in Rio de Janeiro vor zwei Millionen Menschen auf. Es war eine Art Mauerfall der elektronischen Musik.

          Obwohl Techno nirgendwo stärker geprägt wurde als in Deutschland, hatten hiesige DJs das Nachsehen. Die Konkurrenz aus Frankreich, Schweden und Großbritannien war einfach rasanter.

          Dann kam Robin Schulz. Er kleidete gute Songs ins elektronische Gewand. Sein simpler Kniff beim langsamen Gitarrensong „Waves“ von Mr Probz: Tempo rauf, Beat drunter, Effekte drüber. Sein Remix verkaufte sich mehr als drei Millionen Mal. Er stieg in Deutschland und Großbritannien auf Platz eins, in den Vereinigten Staaten bis auf Platz 14. Plötzlich waren auch deutsche DJs da. Und dann auch noch das: Sie sind ziemlich normal und ziemlich jung. Robin Schulz ist 28 und stammt aus Osnabrück. Markenzeichen: schwarze Sonnenbrille und Schirmmütze, verkehrt herum getragen. Bei der Echo-Verleihung kam er mit Bierflasche in der Hand backstage. „Mama, das Ding ist für dich“, rief er, als er den Preis entgegennahm.

          Schon sein Vater war DJ. Auch Robin Schulz’ Remixe waren für die Tanzfläche bestimmt, aber sie kamen ohne Promotion in die Charts. Der neue DJ-Sound klingt weicher als früher und durchweg melodisch. Die Stücke von Schulz und Jaehn pluckern luftig daher. Strophe, Refrain, Strophe. Alles etwas langsamer und moderater als früher, alles maximal anschlussfähig.

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