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DJ Felix Jaehn : „Es war wie eine Lawine“

  • -Aktualisiert am

Musik? „Das fühlt sich meistens gar nicht an wie Arbeit, sondern wie mein Hobby“, sagt Felix Jaehn. Bild: Jens Gyarmaty

Der DJ Felix Jaehn ist einer der wenigen Deutschen, die schon einen Nummer-Eins-Hit in Amerika hatten. Ein Gespräch über Heimat, Erfolg in jungen Jahren und die Beziehung zu seinem Handy.

          6 Min.

          Herr Jaehn, Ihre Haare sind auf einmal so kurz. Haben Sie eine Wette verloren?

          Das war in Los Angeles. Wir waren dort, um das Musikvideo zu meiner Single „Cool“ zu drehen. Am Abend vorher haben wir den Regisseur getroffen und über das Video gesprochen. Nebenbei hat er gesagt, dass er für das Video endlich einen Schauspieler gefunden hat, der bereit ist, sich vor der Kamera die Haare zu rasieren. Dann habe ich gesagt: Lasst mich das machen.

          Ein Video auf Ihrem Instagram-Konto zeigt Sie mit dem Rasierer.

          Ich habe eine Nacht darüber geschlafen und die Haare dann abrasiert. Mit dem Ergebnis bin ich echt happy.

          Sie sind 23 Jahre alt und international als DJ erfolgreich. Allein bei Instagram haben Sie rund 250.000 Abonnenten. Spüren Sie einen Erwartungsdruck, was Ihre Postings betrifft?

          Wenn überhaupt, ist das ein Druck, den ich mir selbst mache. Bei vielen Sachen habe ich einen sehr perfektionistischen Ansatz. Dann mache ich mich verrückt: Welches Foto nehme ich, welchen Filter, wie kommt das rüber? Ich verbringe manchmal ein, zwei Stunden damit, nur weil ich ein Selfie posten will. Im Nachhinein denke ich mir dann: Okay, das war jetzt echt verschwendete Zeit. Besser einfach posten.

          Halten Sie sich auch mal zurück, im Sinne einer digitalen Diät?

          Live mit DJ und Musiker Felix Jaehn (Archivbild)

          Auf jeden Fall. Heute etwa habe ich seit über 24 Stunden auf keinem Kanal etwas gepostet. Abends schalte ich mein Handy bewusst in den Flugmodus. Wenn ich um sieben aufstehen muss und um elf, zwölf ins Bett gehe, dann mache ich um neun den Flugmodus an, damit der Kopf nach dieser Informationsflut des Tages – Social Media, E-Mails, Whatsapp – runterfahren kann. Wenn du im Bett noch irgendwas checkst, das Handy zur Seite legst und denkst, du kannst jetzt gut schlafen, ist das sehr ungesund. Das funktioniert nicht.

          Wie wichtig ist Ihnen Ihre Zeit?

          Ich muss die Pausen, die ich habe, nutzen oder mir sie nehmen, weil es natürlich wichtig ist, sich auch mal zurückzunehmen und runterzufahren. Ich gucke zum Beispiel so gut wie gar kein Fernsehen und nur wenig Filme und Serien. Die Zeit ist mir einfach zu wertvoll. Eine Serie kann ich genießen, wenn ich einmal krank bin oder wie zuletzt eine Weisheitszahnoperation hatte.

          Wie viel arbeiten Sie an einem Tag?

          Vom Aufstehen bis zum Ins-Bett-Gehen. Ich habe das große Glück, dass mein Hobby auch mein Beruf geworden ist. Ich kann gar nicht anders, als aufzustehen und über einen Song nachzudenken oder ins Studio zu gehen. Mein ganzes Leben ist mit der Musik verknüpft. Das fühlt sich meistens gar nicht an wie Arbeit, sondern wie mein Hobby. Natürlich gibt es auch mal Tage, wo man zu Hause ist, Kumpels trifft, Fußball spielt und mal keine Musik macht. Aber oft sind meine Tage sehr lang.

          Wo sind Sie zu Hause?

          Ich wohne an der Ostsee, in einem ganz kleinen Dorf. An der Lübecker Bucht, in Mecklenburg-Vorpommern. Das ist total ruhig und schön da oben.

          Sie haben keine Wohnung in der großen Stadt, etwa in Berlin?

          Ich denke schon über eine zusätzliche Wohnung in Berlin nach. Jetzt gerade bin ich für eine Woche hier und übernachte im Hotel. Das ist schon ein bisschen unpersönlich. Mein Hauptwohnsitz und meine Heimat bleibt aber hoffentlich noch lange die Ostsee. Dort sind meine Freunde und meine Familie, da kann ich mich erden und zu den Wurzeln zurückkehren. Genau diese Ruhe brauche ich. Wenn ich nach drei Wochen Amerika-Tour in Berlin-Mitte aufwachen und direkt wieder losziehen würde, wäre das ein bisschen viel.

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