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Felipe VI. : Ein König spart bei sich

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Sie bekommt mehr, er weniger: König Felipe VI. lässt Sparsamkeit bei sich walten. Bild: dpa

In Spanien herrscht Austerität bei Hofe. König Felipe VI. kürzt sich sein Jahresgehalt um satte zwanzig Prozent – und verteilt das Geld an anderer Stelle. Unter anderem profitiert sein Vater Juan Carlos.

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          In der spanischen Königsfamilie gibt es keine Tarifverhandlungen. Hier bestimmt der König, wer wie viel verdient, er selbst eingeschlossen. Während außerhalb des Zarzuela-Palastes die Arbeitgeber gerade mit den Gewerkschaften darüber streiten, ob die Löhne um ein oder eineinhalb Prozent erhöht werden sollen, kürzte sich Felipe VI. krisen- und austeritätsbewusst sein eigenes Jahresgehalt um saftige zwanzig Prozent von 292 000 Euro im vorigen Jahr auf noch 234 000 Euro in diesem Jahr.

          Dafür erhöhte er die Rente seines Vaters Juan Carlos I. von 146 000 auf 187 000 Euro. Böse Zungen sagen zwar schon, das habe vielleicht etwas mit potentiellen pekuniären Auswirkungen einer Vaterschaftsklage gegen den Altkönig zu tun. In Wirklichkeit dürfte es aber der Lohn für tätige Hilfe des Vaters im diplomatischen Dienst des Landes sein. Dazu gehört, dass Juan Carlos gerade in delikater Mission in Saudi-Arabien bei König Salman intervenierte, um das in Turbulenzen geratene größte spanische Bauprojekt im Ausland - den Hochgeschwindigkeitszug von Mekka nach Medina - wieder auf ein gutes Gleis zu bringen.

          Und es war natürlich eine freundliche Geste gegenüber dem Mann, der im vorigen Sommer zu seinen Gunsten abdankte. Bis dahin hatte Felipe als Kronprinz nur die Hälfte des Gehalts des Vaters zugesprochen bekommen. Dieser erhält nun immerhin achtzig Prozent des Gehalts seines Sohnes.

          Letizias Prinzessinnengehalt wird königlich aufgestockt

          Felipes Mutter Sofía musste auch eine kleine Kürzung von 131.000 auf 128.000 Euro in Kauf nehmen. Dafür erhielt Königin Letizia etwas, was man früher Inflationszulage mit Bonus genannt hätte, wenn es denn in Spanien eine Inflation gegeben hätte. Sie bekommt in diesem Jahr statt ihrem früheren, noch von Schwiegervater Juan Carlos festgelegten, Prinzessinnengehalt von 102.000 Euro königliche 128.000.

          Leer aus gingen hingegen die beiden Schwestern des Königs. Die Infantin Cristina, die zusammen mit ihrem Mann Iñaki Urdangarin in allerlei unerfreuliche Geldaffären verwickelt ist, wurde schon im Jahr 2011 von den offiziellen Funktionen des Hofes ausgeschlossen und daher auch von der Gehaltsliste gestrichen. Das gleiche Schicksal ereilte nun auch die unbescholtene Infantin Elena, die im Vorjahr immerhin noch 25.000 Euro erhalten hatte. Das hat mit einem feinen Unterschied zu tun, welchen der neue König seit seinem Amtsantritt zwischen der bezahlten „königlichen Familie“ und der unbezahlten „Familie des Königs“ macht. Zur Erstgenannten gehören nur noch er, seine Frau, seine Eltern und seine beiden Kinder.

          Die spanische Monarchie ist mit einer gegenüber dem Vorjahr unveränderten staatlichen Gesamtapanage von 7,7 Millionen weiterhin eine der preisgünstigsten der Welt. Felipe, der aus diesem Topf die Familiengehälter bezahlt, beschneidet nun auch ein bisschen die Personalkosten der Hofangestellten und die Repräsentationsausgaben. Dafür will er mehr in moderne Techniken, sprich die medial-elektronische Selbstdarstellung des Hofes nach außen, investieren.

          Obwohl angeblich niemand in Spanien genau weiß, wie groß das Privatvermögen von Altkönig Juan Carlos ist, erscheinen die Bourbonen etwa im Vergleich zu Thailands König Bhumibol (22 Milliarden Euro, laut „Forbes“-Liste), dem Sultan von Brunei (17), den Königen und Scheichs von Saudi-Arabien, Dubai und Abu Dhabi (jeweils rund 15) und sogar dem Fürsten Hans Adam von Liechtenstein (drei) fast wie arme Schlucker.

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