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Die letzten Tage von Epstein : Eine Mischung aus Wegsehen und Versagen

  • -Aktualisiert am

Anwesen von Eppstein in der Karibik. Bild: Reuters

Das FBI durchsucht Jeffrey Epsteins Anwesen in der Karibik. Derweil kommen nach seinem Tod immer mehr Hinweise auf Nachlässigkeiten im Gefängnis ans Tageslicht. Auch in Frankreich soll jetzt ermittelt werden.

          Die Berichte über die letzten Tage von Jeffrey Epstein lesen sich wie eine Mischung aus Wegsehen und Versagen. Der Sechsundsechzigjährige, der am Samstagmorgen bewusstlos in einer Zelle des Metropolitan Correctional Center (MCC) entdeckt wurde und auf dem Weg ins Krankenhaus starb, wurde nicht nur stundenlang alleine gelassen. Er hatte in der hochgesicherten Special Housing Unit der Haftanstalt auch Gelegenheit, sich aus einem Bettlaken einen Strick zu basteln. Die beiden Wärter, die alle 30 Minuten nach Epstein sehen sollten, waren nach mehreren Schichten angeblich zu erschöpft für die vorgeschriebenen Kontrollen.

          Laut „New York Times“ verfügte einer der beiden zudem über keine Ausbildung als Vollzugsbeamter. Entgegen der Vorschrift befand Epstein sich vor seinem Tod zudem allein in der Zelle. Wie das „Wall Street Journal“ recherchierte, wurde Epsteins Zellengenosse unter bislang ungeklärten Umständen unerwartet verlegt. Auch die Gründe, warum Epstein nach einem vermuteten früheren Suizidversuch nicht länger unter Beobachtung stand, blieben offen. Angeblich hatten seine Anwälte verlangt, die sogenannte „Suicide Watch“ aufzuheben.

          Nach den bisherigen Ermittlungen war das Programm für Suizidprävention des MCC, das üblicherweise zustimmen muss, an der Entscheidung nicht beteiligt. „Es gab schwerwiegende Unregelmäßigkeiten. Wir werden bis ins Kleinste darlegen, was passiert ist“, kündigte der amerikanische Justizminister William Barr am Montag an. Bei einer Rede vor dem Berufsverband amerikanischer Polizisten in New Orleans (Louisiana) versprach der Politiker auch, mögliche Mittäter Epsteins zu verfolgen. „Vorerst sollte kein Komplize ruhig schlafen. Die Opfer verdienen Gerechtigkeit und werden sie bekommen.“

          Nach verschiedenen Artikeln des „Miami Herald“ hatte die Bundesstaatsstaatsanwalt vor einigen Monaten abermals Ermittlungen wegen Missbrauchs von Minderjährigen und Sexhandels gegen Epstein aufgenommen. Der Millionär war schon im Jahr 2008 wegen Vergewaltigung einer Dreizehnjährigen zu 18 Monaten Haft verurteilt worden. Epstein, der Prominente aus Politik und Wirtschaft wie den amerikanischen Präsidenten Donald Trump, dessen Vorgänger Bill Clinton, Prinz Andrew sowie den Anwalt Alan Dershowitz zu seinen Freunden zählte, soll immer wieder Mädchen vergewaltigt und sie für sexuelle Übergriffe verliehen haben. Nach der Festnahme am 6. Juli wurde Epstein in das Metropolitan Correctional Center in Manhattan gebracht, wo er sich vor vier Tagen das Leben genommen haben soll. Das Ergebnis der Obduktion, die am Sonntag in Anwesenheit eines von Epsteins Anwälten beauftragten Mediziners stattfand, steht weiterhin aus.

          Wie von Justizminister Barr angekündigt, wurden die Ermittlungen derweil fortgesetzt. Am Montag durchsuchten Beamte der amerikanischen Bundespolizei (FBI) Epsteins Karibikinsel Little Saint James. Wie in seinen Villen in Manhattan und Palm Beach soll der Finanzberater auch auf der Insel immer wieder Partys mit minderjährigen Sexsklavinnen veranstaltet haben. Angeblich flog er die Mädchen an Bord seines Privatjets nach Saint Thomas und ließ sie von der amerikanischen Jungferninsel per Boot nach Little Saint James bringen.

          Das Boot soll nach Epsteins früherer Lebensgefährtin Ghislaine Maxwell, der Tochter des Verlegers Robert Maxwell, benannt worden sein. Wie am Tag vor Epsteins Tod durch die Offenlegung der Akten eines Verleumdungsprozesses aus dem Jahr 2016 gegen die britisch-französische Unternehmerin bekannt wurde, soll sie vor Schulen und Schönheitssalons wiederholt Mädchen angeworben haben. Angeblich stellte Maxwell Epstein auch ihre Bekannten Bill Clinton und Prinz Andrew, den Sohn der britischen Königin Elisabeth II., vor. Nach Ende des Verleumdungsprozesses hatte die Siebenundfünfzigjährige ihr Haus in Manhattan verkauft, bevor sie die Vereinigten Staaten verließ.

          Nachdem jetzt bekannt wurde, dass Epstein auch ein Haus an der Avenue Foch in Paris besaß, forderten französische Politiker die Bundesstaatsanwaltschaft am Montag auf, die Untersuchungen auszuweiten. „Für die Opfer ist es wichtig, dass auch in Frankreich ermittelt wird. Auch hier muss Licht ins Dunkel gebracht werden“, teilten die Staatssekretäre Marlène Schiappa und Adrien Taquet mit. Auch die französische Kinderschutzorganisation Innocence en Danger wurde inzwischen auf Epsteins Verbindung zu Franzosen wie Jean-Luc Brunel, dem Mitgründer der Modellagentur MC2, aufmerksam: „Einige Opfer von Epsteins Prostitutionsring sind französische Staatsbürger. Wir müssen Druck auf die Staatsanwälte ausüben.“ Brunel soll immer wieder junge Models nach New York gebracht haben. Wie Virginia Roberts Giuffre, ein mutmaßliches Opfer Epsteins, während des Verleumdungsprozesses gegen Maxwell aussagte, verfügte der Franzose angeblich über ein „Arrangement mit der amerikanischen Regierung“, durch das er Reisedokumente für die Mädchen erhielt.

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