https://www.faz.net/-gum-9zh2v

Fanny Ardant im Interview : „Fürs Kino fand ich mich nicht hübsch genug“

  • -Aktualisiert am

"Filme drehen ist zwar phantastisch, aber nicht wichtig“: Ardant 2018 in Moskau bei einer Premiere. Bild: Imago

Fanny Ardant ist eine der Grandes Dames des Films. Im Interview spricht sie über ihren Weg auf die Leinwand, ihre Liebe fürs Italienische und die Erinnerung an schmerzhafte Zeiten.

          7 Min.

          Normalerweise hat Fanny Ardant für Interviews nicht mehr Zeit als unbedingt nötig. Obwohl sie im März ihren 71. Geburtstag feierte, ist sie als eine der Grandes Dames des französischen Kinos ungebrochen umtriebig, dreht Filme, spielt Theater oder inszeniert – wie im vergangenen Jahr – auch mal selbst eine Oper. Erst im Februar wurde sie, zum zweiten Mal in ihrer Karriere, mit dem französischen Filmpreis César ausgezeichnet, für ihre Nebenrolle in der nostalgischen Komödie „Die schönste Zeit unseres Lebens“, die dieser Tage in Deutschland als Video-on-Demand zum Streamen und Anfang Juni auch als DVD zu haben ist.

          Zurzeit allerdings hat sie, Corona-Lockdown sei dank, eigentlich „nichts zu tun“, wie sie lachend berichtet. Wir sprechen am Telefon, sie ruft aus ihrer Pariser Wohnung südlich der Seine an, im Hintergrund hört man hin und wieder die Sirenen von vorbeifahrenden Polizeiautos oder Krankenwagen. Ardants nur gelegentlich von muttersprachlichen Einwürfen unterbrochenes Englisch hat nicht die typisch französische Einfärbung, sondern einen fast griechischen Akzent. Womöglich ein Überbleibsel ihrer Hauptrolle in Zeffirellis „Callas Forever“, in dem sie 2001 die legendäre Operndiva gab?

          Madame Ardant, Sie haben vorab gesagt, dass Sie keine Lust haben, über Corona zu sprechen. Aber gestatten Sie die Frage, ob Sie es aktuell besonders vermissen, ins Kino zu gehen?

          Oh ja, sehr sogar. Denn Filme auf DVD oder im Internet zu gucken, das ist einfach nicht das gleiche wie auf einer Leinwand. Ich wohne hier in Paris im 5. Arrondissement, da gibt es viele kleine Kinos, in denen ich Filme aus der ganzen Welt sehen kann. Ich sehe mir alles an, Filme aus der Türkei genauso wie aus Korea. Und weil ich keine Kritiken lese, weiß ich nie, was mich erwartet, sondern tauche einfach in die Dunkelheit dieser kleinen Säle ab und lasse mich überraschen. Kino ist für mich wie Spaghetti: etwas, das ich seit meiner Kindheit liebe und immer lieben werde.

          Wie oft gehen Sie denn – unter normalen Umständen – ins Kino?

          Mindestens zweimal die Woche. Und am liebsten allein. Denn ich habe immer Angst vor dem Moment, in dem andere Leute etwas lieben, was ich nicht mag. Wenn ich einen Film phantastisch finde, aber meine Freunde mit ihm nichts anfangen können, stört mich das kein bisschen. Doch wenn ich einen Film wirklich grauenvoll fand und jemand anderes liebt ihn über alles, dann könnte ich ihn oder sie umbringen (lacht). Also gehe ich lieber ohne Begleitung. Sehr gerne vor allem tagsüber, wenn alle vernünftigen Menschen arbeiten. Das ist immer so, als gönne man sich ein verbotenes Vergnügen.

          Ausgezeichnet: Fanny Ardant bei der Verleihung des César 2020. Den Preis erhielt sie für ihre Rolle der Marianne in „Die schönste Zeit unseres Lebens„La Belle Epoque“.

          Haben Sie bestimmte Vorlieben, was Sie sich ansehen?

          Nein, ich bin offen für alles und auch keine intellektuelle Cineastin. Ich liebe anspruchsvolle Dramen und experimentelle Filme genauso wie spannende Thriller oder alberne Komödien.

          Auch amerikanisches Mainstream-Kino?

          Nicht allzu oft. Natürlich liebe ich die großen Regisseure des amerikanischen Kinos. Aber Superhelden-Filme sehe ich mir nicht an. Überhaupt stört mich an der Hollywood-Industrie, dass sie keinen Raum lässt für Filme aus dem Rest der Welt. In so vielen Ländern leidet die örtliche Filmbranche unter der Übermacht aus den Vereinigten Staaten, das ist doch sicher in Deutschland auch so, oder?

          Da ist sicher was dran. Aber natürlich gibt es wunderbare amerikanische Filme – heute genauso wie früher?

          Selbstverständlich, das würde ich nicht bestreiten. Und die besten wurden früher nicht ohne Grund von eingewanderten Filmemachern gemacht. Womit ich schon als Kind wenig anfangen konnte, waren Western. Dass die Indianer immer die Bösen waren, hat mich bereits damals gestört; außerdem fand ich, dass John Wayne dümmlich aussieht (lacht). Dann entdeckte ich aber zum Glück Ernst Lubitsch, der mich mit dem amerikanischen Kino versöhnte. Seine Filme waren absolut perfekt!

          Weitere Themen

          Elegie des Wiedersehens

          „Die schönsten Jahre“ im Kino : Elegie des Wiedersehens

          Claude Lelouch bringt Jean-Louis Trintignant und Anouk Aimée vor der Kamera wieder zusammen. „Die schönsten Jahre eines Lebens“ erzählt von einer Begegnung zwischen gealterten Liebenden nach mehr als fünfzig Jahren.

          Topmeldungen

          Christian Sewing und Martin Zielke (rechts)

          Nach Zielkes Rückzug : Sewing, übernehmen Sie!

          Es darf bezweifelt werden, dass die Commerzbank den Weg aus ihrer schwersten Krise alleine findet. Und so dürfte es mit Blick auf den Chef der Deutschen Bank bald heißen: Herr Sewing, übernehmen Sie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.