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Fahrlehrer im Gespräch : „Die Prüfungen sind schwieriger geworden“

  • -Aktualisiert am

Fahrschule in Berlin Bild: dpa

Die Anforderungen im Straßenverkehr sind extrem gestiegen, sagt Gerhard von Bressensdorf im Interview. Auch am Theorie-Test habe sich einiges geändert.

          2 Min.

          Herr von Bressensdorf, in Deutschland scheitern immer mehr Fahrschüler an den Theorie- und Praxisprüfungen. Woran liegt das?

          Vor allem daran, dass wir einen großen Anteil an Fahrschülern haben, die kein Deutsch sprechen. Und die tun sich sehr schwer, unsere Prüfung zu bestehen. Sie brauchen dafür teilweise mehrere Anläufe. Deswegen ist es auch nicht richtig zu sagen, dass jeder Fünfte durchfällt. Wenn unter hundert Schülern ein fremdsprachiger dabei ist, der fünf Anläufe braucht, dann ist das eine Person, die nicht besteht. Und nicht fünf Prozent, die nicht bestehen.

          Welche Gründe könnte es noch geben?

          Das ist der absolute Hauptgrund. Insgesamt ist die Prüfung in den letzten Jahren aber auch nicht leichter geworden. Sie hat durch dynamische Szenen im Gegenteil an Schwierigkeit gewonnen. Wir haben kleine Filmchen eingebaut, die man auswerten muss. Sie sind eine Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis. Das ist schon anspruchsvoller geworden, früher gab es ja nur die Multiple-Choice-Fragen und gelegentlich musste man auch mal eine Antwort hinschreiben, eine Kilometerangabe oder so etwas.

          Neben der theoretischen Prüfung wird auch die praktische Prüfung immer öfter zum Stolperstein. Hat sich im Straßenverkehr so viel verändert?

          Die Anforderungen, die der moderne Straßenverkehr an die Schüler richtet, ist extrem gestiegen. Wo sie früher immer wieder kleine Erholungsphasen hatten, folgt heute Entscheidungsgrund auf Entscheidungsgrund, weil es heute viel mehr Verkehr gibt. Die Anforderungen der Prüfung sind dadurch ganz gewaltig gestiegen.

          Das hat sich so schnell verändert?

          Ja. Und hinzu kommt, dass wir wieder das gleiche Problem haben: Wir haben viele Schüler, die aus ganz anderen Verkehrskulturen kommen und denen es schwer fällt, sich in unserem Straßenverkehr zurechtzufinden. Sie kommen teilweise mit dem dichten und rasanten Verkehr, den wir in Deutschland haben, nicht so leicht klar und brauchen dadurch mehrere Anläufe. Wir stellen fest, dass die fremdsprachigen Bewerber, weil man es ihnen auch nicht so exakt und so gut erklären kann wie einem deutschsprachigen Schüler, mehr gefordert sind und deswegen die Erfolgsaussichten etwas geringer sind.

          Was ist der Grund dafür, dass Hessen mit 31,4 Prozent bei der Theorie und 23 Prozent bei der praktischen Prüfung die niedrigste Durchfallquote Deutschlands hat?

          Wir beobachten seit vielen Jahren, dass Hessen bei den Prüfungen den absoluten positiven Spitzenplatz einnimmt und haben keine exakte Erklärung hierfür. Ich denke, dass es ganz schwierig ist, hier einen richtigen Grund zu finden. Es könnte sein, dass einfach die Bevölkerungsstruktur in Hessen um so vieles günstiger ist. Aber genau kann ich es Ihnen nicht sagen.

          Gerhard von Bressensdorf ist Vorsitzender der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände

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