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Elyas M’Barek im Interview : „Hätte auch blöd laufen können“

Schaffte sein Abitur selbst nur über Umwege - Schauspieler Elyas M’Barek Bild: Kühfuss, Patricia

Die Lehrerrolle in „Fack ju Göhte“ machte ihn zum Superstar. Dabei hat er selbst nur nach Umwegen das Abitur geschafft. Jetzt kehrt Elyas M’Barek an seine alte Schule zurück – für ein Gespräch über das Versagen, Nacktfotos und den Rausch des Ruhms.

          11 Min.

          Und?“, fragt Elyas M’Barek und lacht das gewinnende, freche Kracherlachen, das sein Markenzeichen geworden ist. „Wie läuft’s hier so an der Schule ohne mich? Alles unter Kontrolle?“ Ein Donnerstag in den Sommerferien, der Schauspieler steht im gleißenden Sonnenlicht vor der Robert-Bosch-Fachoberschule in München. „Schlecht“, witzelt Schulleiter Johann Denk, der extra für dieses Interview das Gebäude aufschließt: „Wir hatten so ein paar Tricks nicht drauf.“ Seit das Kollegium aber „Fack ju Göhte“ gesehen habe, ergänzt Christopher Andres, Lehrer für Deutsch und Sozialkunde, seien Disziplinschwierigkeiten vom Tisch: „Wir haben uns so Farbpistolen angeschafft.“

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Eine Anspielung auf den Film, in dem M’Barek als Hilfslehrer Zeki Müller mit unkonventionellen Methoden eine Chaotenklasse bändigt. Die Komödie hat ihn 2013 zum Superstar gemacht: 7,3 Millionen Zuschauer im Kino, 2,3 Millionen Freunde bei Facebook. Der Dreiunddreißigjährige ziert das Cover von Frauenzeitschriften und Kindermagazinen. Wo er über den roten Teppich geht, herrscht Kreischalarm. Am Donnerstag startet „Fack ju Göhte 2“.

          Jetzt läuft der Filmlehrer alias M’Barek durch die Flure der Schule, an der er 2004 nach Umwegen sein Fachabitur gemacht hat. „Ich hätte mir das alles sparen können“, scherzt er, „ich habe mein Zeugnis seitdem nie wieder gebraucht.“ Dann erzählt er, dass Deutsch sein Lieblingsfach gewesen sei und er sich in Mathe beim Schulleiter von einer 6 auf eine 2 hochgearbeitet habe. Christopher Andres sagt, dass er sich gut an seinen einstigen Schüler erinnere, den er als offenen und nachdenklichen Menschen kennengelernt habe. M’Barek habe gelegentlich auch noch nach dem Unterricht Fragen gestellt und die Diskussion gesucht. „Das fand ich gut. So was gefällt mir.“ Auch im Vieraugengespräch in seinem ehemaligen Klassenzimmer zeigt sich der Schauspieler mit dem Kracherlachen ungewohnt ernst.

          Und, Herr M’Barek? Wie finden Sie das jetzt, wieder in Ihrer alten Schule zu sein?

          Es ist ja nicht so, dass ich hier meine Jugend verbracht hätte. Ich bin öfter sitzengeblieben und war auf mehreren Schulen. Insofern werde ich da nicht besonders emotional. Das war eine Episode. Und ich bin froh, nicht mehr zur Schule gehen zu müssen.

          Hier haben Sie immerhin Ihren Abschluss geschafft. War das keine besondere Zeit?

          Nö. Ich habe auch hier ein Jahr lang nichts gemacht und dann wiederholt. Dabei bin ich immer wieder gern zur Schule gegangen. Wenn es lief, wenn ich mich angestrengt habe, hat es auch Spaß gemacht. Ich habe bloß relativ schnell die Lust verloren und hatte Besseres zu tun. Das war so ein Auf und Ab.

          Sie sind vom Gymnasium geflogen, vom katholischen Internat geflüchtet, auf der Realschule sitzengeblieben. Am Ende wollte Sie nicht einmal mehr die Hauptschule nehmen.

          Ich hätte gar keinen Schulabschluss gehabt, weil meine Pflichtschulzeit vorbei war. Aber meine Mutter hat die Direktorin einer Hauptschule bekniet, dass sie mir eine letzte Chance gibt. Daraufhin habe ich mich zusammengerissen. Es war mir fast peinlich, mich auf der Hauptschule wiederzufinden.

          Warum?

          Als Gymnasiast war man an der Spitze. Hauptschüler sind ganz unten. Das war ein Moment, wo ich aufgewacht bin und dachte: Gas geben. Sonst wird es übel. Aber es hat mir gutgetan zu sehen, dass man sich wieder hocharbeiten kann. Wenn man vorher Algebra hatte, ist Bruchrechnen nicht schwierig. Dann habe ich die Realschule gemacht und hier mein Abitur nachgeholt. Ich habe gelernt, dass man sich nicht aufgeben darf.

          Warum hat die Schule Sie so wenig interessiert?

          Wahrscheinlich die Pubertät. Ich war ein Rebell und wollte immer das tun, was am meisten provoziert. Und das hieß damals: schlechte Noten. Und Ärger machen.

          Ärger?

          Ich war 15, 16 und hatte Freunde, die auch nichts anderes wollten. Alle trugen Goldketten, Lederjacken, Ohrringe, so Brillis mussten das sein. Die Haare nach hinten gegelt. Und dann am besten mit 15 Leuten rumlaufen und mit anderen Ärger anfangen. Hier und da eine Prügelei. Man fühlte sich sehr stark. Das war eine schlimme Zeit. Viele von den Jungs sind später abgeschoben worden oder im Gefängnis gelandet. Hätte auch blöd laufen können, das Ganze.

          Haben Sie damals für Ihr heutiges Film-Image als schlagfertiger Proll und Macho geübt?

          Sagen wir es so: Diese Alphatierwelt, diese Machowelt ist mir nicht völlig fremd. So war die Zeit damals, das schien cool. Und es hat auch Spaß gemacht. Das waren wirkliche Freunde, Zusammenhalt und Loyalität waren extrem. Ich wusste, wenn ich die Jungs nachts um drei anrufe, kommen die sofort vorbei. Aber wie gesagt: Wir waren Halbstarke. Die einen gehen skaten, wenn sie 16 sind, die anderen gehen auf die Straße und pöbeln rum. Man probiert sich aus, testet Grenzen. Mit 18, 19 hat das aufgehört. Da hatte ich einen anderen Freundeskreis und ein ganz anderes Leben.

          Wie haben Ihre Eltern reagiert?

          Für die war das ein Schock, weil sie mir ganz andere Werte mitgegeben hatten. Rückblickend merke ich ja selbst: Das passte eigentlich nicht zu mir. Meine Eltern haben sich damals viele Sorgen gemacht und gedacht, der gerät auf die schiefe Bahn, wenn das so weitergeht.

          Wie würden Sie Ihr Elternhaus beschreiben?

          Liberal. Liebevoll. Mittelständisch. Mein Vater war Programmierer. Meine Mutter ist Krankenschwester. Ich bin nicht in einem sozialen Brennpunkt groß geworden, sondern in einer total bürgerlichen Gegend.

          Haben Sie eine Erklärung, warum diese andere Welt Sie so fasziniert hat?

          Ich glaube, dass ich zu dieser Zeit einfach nicht wusste, wo mein Platz ist. Auf der einen Seite war da meine österreichische Mutter, die nie verstanden hat, wenn ich nach Hause kam und sagte: „Mich hat gerade wieder jemand als ,Scheiß-Ausländer‘ beschimpft.“ „Wieso?“, fragte sie. „Du bist doch Österreicher!“ Für meinen Vater auf der anderen Seite war seine Rolle klar. Der wusste, er ist aus Tunesien nach Deutschland gekommen, hat sich hier innerhalb von ein paar Wochen Deutsch beigebracht, programmieren gelernt und wirklich Karriere gemacht. Er wusste um seine Herkunft. Ich war zwischen den Stühlen. Ich sah aus wie jemand, der Migrationshintergrund hat, und wurde entsprechend als „Scheiß-Türke“ behandelt. Ich hatte aber keinen Zugang zu dieser Kultur, ich war ja total deutsch erzogen worden. Ich sprach kein Arabisch, wir feierten Weihnachten und so. Ich glaube, dass dadurch eine Zerrissenheit entstand. Und auf einmal waren da Jungs, die sahen aus wie ich. Plötzlich war es cool, einen tunesischen Vater zu haben. Das war eine Art Bestätigung.

          Sonst sagen Sie in Interviews oft, dieses Migrationsthema habe für Sie nie eine Rolle gespielt.

          Kommt darauf an, mit wem ich darüber spreche. Bei der „Bravo“ zum Beispiel wüsste ich, was sie für Schlagzeilen daraus machen. Dafür ist mir das Thema erstens zu wichtig. Zweitens kann man so etwas nicht in zwei, drei Gossip-Sätzen erklären. Deshalb versuche ich, das eher wegzuhalten. Es ist auch nicht mehr Bestandteil meines Lebens.

          Umso cooler, dass Sie nach dem Proll-Türken in „Türkisch für Anfänger“ inzwischen Figuren spielen, die Müller heißen oder Max oder Joseph - und damit deutsch sind, ganz gleich, wie sie aussehen. Herkunft ist dabei kein Thema.

          Ich finde das schön, aber das war Zufall. Und mittlerweile ist es mir wichtiger, eine Identifikationsfigur zu sein für Jungs und Mädchen, die einen ähnlichen Hintergrund haben wie ich.

          Gut, dass Sie Ihren Namen nie geändert haben.

          Darüber bin ich mittlerweile sehr froh. Weil mir das wirklich von allen Leuten empfohlen wurde: Ändere sofort deinen Namen! So wirst du nie Erfolg haben! Jetzt lese ich auf Filmplakaten: Karoline Herfurth. Matthias Schweighöfer. Elyas M’Barek. Und denke mir: Cool. Wenn ich 13 wäre und einen komplizierten ausländischen Namen hätte, würde mir das Mut machen.

          „Aus dir wird nie was werden“, sagt ein Lehrer in „Fack ju Göhte“ zu Zeki Müller als Kind. Haben Sie sowas auch gehört?

          Ich habe in meiner Schullaufbahn oft erlebt, dass Lehrer relativ routiniert mit Leuten umgehen, die versagen. Da ist dann niemand, der motiviert oder versucht zu erörtern, woran es liegt. Wer sich einen Patzer erlaubt und nicht in der Reihe tanzt, wird aussortiert. Natürlich gibt es Lehrer, die versuchen, Talente herauszukitzeln und nicht nur Schwächen zu finden. Ich finde es gut, wenn Lehrer ihre Schüler auffangen. Aber ich habe oft gehört: „Aus dir wird nichts. Du landest auf der Straße!“

          Was hat das mit Ihnen gemacht?

          Ich hab das ein bisschen geglaubt. Und irgendwann hat man keine Lust mehr. Man sieht die Streber und sieht, wie reibungslos das bei denen läuft. Und man merkt, man ist anders und kriegt das nicht hin. Man wird diesem Ideal nie entsprechen. Heute weiß ich das. Ich habe ja mal versucht zu studieren, das hat auch nicht funktioniert. Und das liegt nicht daran, dass ich es nicht könnte, ich bin ja nicht dumm. Aber ich habe meiner Mutter schon als Jugendlicher gesagt, ich werde niemals einen Job machen, wo ich von Montag bis Freitag im Büro sitze und mich schon früh um acht auf den Feierabend freue. Irgendwann spürt man, dass man nicht für die Leistungsgesellschaft in dieser Form geschaffen ist und vielleicht besser nicht BWL studiert.

          Lustig, dass ausgerechnet Sie der Top-Star dieser Leistungsgesellschaft geworden sind.

          Aber in einer anderen Branche. Das ist ja Kunst. Kein Tag gleicht dem anderen. Seit Jahren habe ich keinen klassischen Alltag, man kann gar nicht beschreiben, was ich wirklich tue. Ich meine: Heute treffen wir uns in meiner alten Schule, und ich gebe Ihnen ein Interview.

          Und das ist Arbeit.

          Sozusagen. Ich weiß nicht, ob ich das so bezeichnen würde.

          Wissen Sie, was mich überrascht? Wir reden jetzt schon eine halbe Stunde, und Sie haben noch keinen einzigen Spruch rausgehauen.

          Was für einen Spruch? Was meinen Sie denn?

          Zeki Müller macht doch einen coolen Spruch nach dem anderen!

          Aber das ist doch ein Film!

          Ja. Aber wenn ich Interviews mit Ihnen lese, habe ich den Eindruck, oft ist das nur eine Bühne, auf der Elyas M’Barek lustige Sprüche raushaut.

          Das ist meine einzige Möglichkeit, mir ein bisschen Spaß zu bewahren, wenn ich zum 500. Mal beantworten soll, ob ich eine Freundin habe oder wie die Traumfrau aussehen muss. Wenn die Fragen mich langweilen, fange ich an, das nicht mehr ernst zu nehmen und Quatsch zu machen.

          Ich musste über Ihre neue Auto-Werbung lachen: Sie bezeichnen einen Geländewagen als sexy, wild, cool und individuell.

          Klingt doch gut, oder?

          Ist das eine Selbstbeschreibung?

          Nö. Natürlich soll diese Assoziation erweckt werden. Aber ich würde niemals von mir selbst behaupten, sexy zu sein. Das wäre mir peinlich. Aber ich glaube schon, dass ich eine wilde und eine coole Seite habe.

          Bitte vier Adjektive über Sie selbst, die nichts mit Autos zu tun haben!

          Loyal. Ehrlich. Humorvoll. Und zuverlässig, wobei das natürlich super in eine Autowerbung passt.

          Gibt es Elyas M’Barek auch in Nicht-gut-drauf?

          Natürlich. Das ist doch wichtig. Im Leben geht es hoch und runter.

          Auf Ihren Facebook-Fotos lachen Sie immer.

          Aber ich kann doch kein Foto hochladen, auf dem ich doof gucke! Wenn ich ein Foto poste, auf dem ich die Augenbraue falsch halte, heißt es sofort: „Warum ist deine Augenbraue so doof?“ Oder: „Deine Haare gefallen mir heute nicht!“ Man muss sich so viel anhören. Wenn ich jetzt noch anfange, traurig zu gucken, gibt es 5000 Kommentare, was denn los sei mit mir. Und die „Popcorn“ schreibt, Elyas M’Barek sei suizidgefährdet.

          Grundsätzlich sind Sie aber ein positiver, optimistischer Mensch, oder?

          Das kommt durch meine Mutter. Die ist so ein Wirbelwind, sehr, sehr witzig und lebensfroh und eigentlich immer gut gelaunt.

          Was haben Sie von Ihrem Vater?

          Das Überlegte. Ich habe auch eine nachdenkliche, konservative Seite, besonders, was Pläne angeht. Mein Vater war immer so ein Zahlenmensch. Und auch ich übernehme mich nicht, sondern agiere relativ vernünftig. Dazu kommt ein gewisser Ehrgeiz, Zielstrebigkeit. In mir steckt beides: der kleine Punker. Und der kleine Streber.

          Als der Rummel mit „Fack ju Göhte“ anfing, haben Sie Matthias Schweighöfer gefragt, wie man am besten mit Prominenz umgeht. Danach sagten Sie in einem Interview: „Ich will weiter U-Bahn fahren, ich will weiter Bier trinken, ich will weiter rumknutschen, ohne dass die ganze Welt darüber redet. Ich kriege das hin.“ Hat’s geklappt?

          Leider nicht. U-Bahn-Fahren geht nicht mehr. Öffentlich rumknutschen geht nicht mehr, ohne dass es jeder mitbekommt. Was war das dritte? Biertrinken. Das kann ich noch. Das ist mir geblieben . . . (lacht)

          Vermissen Sie die Anonymität?

          Ja. Total. Aber das hört sich gleich so negativ an. Diese Öffentlichkeit, dass man eben nicht mehr ungestört irgendwo hingehen oder allein rumsitzen kann, ist ein Preis, den ich zahle. Allerdings bekomme ich dafür so immens viel an Privilegien, Erfahrungen, Möglichkeiten - das ist es wert. Noch jedenfalls. Ich weiß nicht, wie ich das in zwei Jahren sehe. Aber momentan ist es ein gutes Geschäft. Ich darf dafür ein einzigartiges Leben führen.

          Erzählen Sie, bitte!

          Vor kurzem erst wieder, als „Fack ju Göhte 2“ abgedreht war. Ein Nachtdreh in den Straßen von Bangkok, und anschließend gab es noch eine Art Umtrunk, die Korken knallten. Als ich ins Hotel kam, war es so fünf Uhr morgens. Die Sonne ging gerade auf, und ich stand auf der Terrasse. Viele von meinen Freunden können es sich nicht einmal leisten, in so ein weit entferntes Land zu fliegen. Und ich dachte: Du stehst in einer fetten Suite über den Dächern dieser Riesenstadt und hast hier zwei Monate mit einem guten Freund als Regisseur einen Film gedreht, in dem du die Hauptrolle spielst. Vielleicht klingt das jetzt oberflächlich, aber . . .

          Nein, tut es nicht.

          Es muss auch nicht die Luxus-Suite sein. Erst gestern wieder: Ich komme aus einem Café, und da sind zwei Mädchen: „Hey, Elyas.“ Allein, dass die deinen Namen kennen! Dann stehen die da mit zitternden Beinen und fragen nach einem Foto. Und wenn du das Bild mit denen machst, fangen sie fast an zu heulen. Ich meine: Wir kennen uns gar nicht. Und die sind so berührt. Das ist schon krass. Man guckt ja nicht in den Spiegel und hält sich für besonders besonders. Man ist ja derselbe Mensch.

          Keinerlei Größenwahn?

          Überhaupt nicht. Ich habe sehr viel Glück gehabt. Eine Form von Talent. Und wahrscheinlich, wenn man den Bogen gehen will, meinen Platz gefunden. Das, wonach ich früher gesucht habe.

          Sie heizen den Hype um sich allerdings an, wenn Sie auf Facebook eine Filmvorschau posten und dazu schreiben: „Wer diesen Teaser liked, darf bei mir im Zelt pennen (ich schlafe nackt).“

          Das war Bora.

          Ihr Regisseur und Freund, Bora Dagtekin.

          Wir brainstormen oft gemeinsam: Wie kriegt man viele Likes? Was klingt nicht total bescheuert? Wie verpackt man Filmwerbung lustig? Da hat er meistens die besseren Ideen.

          Neulich gab es für Oben-ohne-Fotos 175.000 Likes. Da ist Kalkül bei, oder?

          Logisch, das ist ein billiger Trick. Natürlich ist das nicht ernst gemeint. Und die Leute, denen meine Seite gefällt, verstehen diese Art von Selbstironie ganz gut. Zwei Wochen später poste ich ein Foto, auf dem ich ein Croissant esse, und schreibe: „Sixpack ist wieder weg.“ Das ist ein Spiel.

          Zeit für Erinnerungen: M’Bareks ehemaliger Deutschlehrer Christopher Andres hat das Jahrbuch 2004 dabei. Bilderstrecke

          Wie hart ist die Zeki-Müller-Diät?

          Es geht darum, dass man strikt vier Mahlzeiten am Tag zu sich nimmt, die aber alle sehr klein sind, und von morgens bis abends werden es immer weniger Kohlehydrate. Abends sitzt man da und hat richtig Hunger, gerade nach dem Sport. Aber dann gibt es nur zwei Scheiben Reiswaffeln und einen Apfel. Aber das hat ja einen Sinn. Es ist nicht das normale Leben.

          Haben Sie überhaupt noch ein normales Leben?

          Absolut, Gott sei Dank. Ich bin sehr froh, dass ich privat einen intakten Freundeskreis habe. Da bin ich der Elyas, dem man auch sagen kann: „Halt die Klappe, du nervst.“ Es wird kurz gefragt, was ich als Nächstes drehe. Und dann: Abgehakt. Nächstes Thema. Wo gehen wir essen? Gehen wir an die Isar, Schlauchboot fahren?

          Welchen Luxus des Starseins genießen Sie am meisten?

          Ich kann reisen, so viel ich will. Und ich gebe viel für gutes Essen aus. Ich gehe gern in Restaurants. Ich habe auch eine ganz schöne Wohnung gerade. Aber alles im Rahmen, nicht ausschweifend. Früher dachte ich, wenn man berühmt ist, wird alles anders. Aber das tut es nicht. Alles ist wie immer.

          Wie meinen Sie das?

          Diese Diskrepanz ist lustig: In Zeitschriften liest man, man sei ein Superstar. Und dann kommt man nach Hause, und die Nachbarn im Flur grüßen nicht einmal. Oder ein Nachbar kommt hoch und beschwert sich, die Musik sei zu laut. Wenn man zur Post muss, steigt man wie früher auch aufs Fahrrad. Die Fans sehen mich dann und fragen: „Wieso fährst du Fahrrad?“ Als müsste ich im Hubschrauber unterwegs sein. Ich hatte mir das auch irgendwie anders vorgestellt. (lacht)

          Weniger profan?

          Ich habe tatsächlich gedacht, wenn man erfolgreich ist oder berühmt, dann ist alles toll. Super Leben, hast keine Sorgen mehr, jeden Tag wachst du auf mit einem Smile. Aber das ist Quatsch. Ich habe gelernt, dass Ruhm, Erfolg, auch Geld nicht zwangsläufig glücklich machen. Das ist ein kurzer Rausch. Aber darum geht es nicht im Leben. Und die Gefahr, dass es kippt, ist sogar viel größer. Deshalb driften ja viele Prominente nach ihrer Karriere ab. Manchmal fürchte ich mich fast davor, irgendwann einmal unglücklich zu sein.

          Haben Sie Angst, den Höhepunkt Ihrer Karriere schon erreicht zu haben?

          Nee. Das glaube ich auch nicht. Ich werde zwar vermutlich in Deutschland nie wieder einen Film drehen, der so viele Zuschauer hat. Aber die Zahl der verkauften Kinokarten, die Zahl der Facebook-Likes sind ja nicht der Höhepunkt der Karriere. Eher die Gesamtsumme der Filme, die man im Lauf der Zeit gemacht hat und auf die man besonders stolz ist. Da ist noch viel Luft nach oben. Dieses Posterboy-Image wird mir nicht gerecht, glaube ich, das ist nicht alles. Ich wurde vor kurzem in einem Interview gefragt, was eigentlich von mir übrig bliebe, wenn ich mein legendäres Sixpack nicht hätte. Natürlich habe ich irgendwie geantwortet. Aber ich fand das schon sehr beleidigend.

          Heißt das, Sie wappnen sich für eine Zeit „danach“?

          Der Erfolg, den ich momentan habe, ist vermutlich nicht langfristig. Es wird dann einen anderen Typen und andere Filme geben, die angesagt sind. Wichtig ist, und darauf arbeite ich hin: Ich will zufrieden sein. Das Geschäft muss gestimmt haben. Ich möchte nicht in zehn Jahren dasitzen und denken, ich wurde über den Tisch gezogen, das war eine schlechte Nummer.

          Können Sie heute so auch auf Ihre Jugend zurückblicken und diese Zeit, in der Sie immer nur Ärger wollten?

          Das hatte auch einen Sinn irgendwo. Ich weiß, ich hätte mir viele Dinge einfacher machen können. Ich hätte von Anfang an lernen können, das wäre easier gewesen. Habe ich aber nicht. Und das war auch okay.

          Nach dem Interview lässt sich der Deutschlehrer Christopher Andres von dem Filmlehrer Elyas M’Barek, der mal sein Schüler war, ein Autogramm geben und nimmt ihm das Versprechen ab, ihn bei Gelegenheit im Unterricht zu besuchen. Der Schauspieler hat inzwischen wieder auf Kracherlachen umgeschaltet. Er erzählt von der Tagesbar, die er im Oktober in München eröffnen und mit zwei Freunden betreiben will, gerade sei der Fußboden verlegt und das Spirituosenregal montiert worden. Er zeigt ein paar Handyfotos in die Runde. Dann erzählt er, dass er für die Konzession einen Sieben-Stunden-Lehrgang der Industrie- und Handelskammer absolvieren musste: „Ich bin direkt eingeschlafen. Es war wie früher in der Schule.“

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