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Elyas M’Barek im Interview : „Hätte auch blöd laufen können“

Wie meinen Sie das?

Diese Diskrepanz ist lustig: In Zeitschriften liest man, man sei ein Superstar. Und dann kommt man nach Hause, und die Nachbarn im Flur grüßen nicht einmal. Oder ein Nachbar kommt hoch und beschwert sich, die Musik sei zu laut. Wenn man zur Post muss, steigt man wie früher auch aufs Fahrrad. Die Fans sehen mich dann und fragen: „Wieso fährst du Fahrrad?“ Als müsste ich im Hubschrauber unterwegs sein. Ich hatte mir das auch irgendwie anders vorgestellt. (lacht)

Weniger profan?

Ich habe tatsächlich gedacht, wenn man erfolgreich ist oder berühmt, dann ist alles toll. Super Leben, hast keine Sorgen mehr, jeden Tag wachst du auf mit einem Smile. Aber das ist Quatsch. Ich habe gelernt, dass Ruhm, Erfolg, auch Geld nicht zwangsläufig glücklich machen. Das ist ein kurzer Rausch. Aber darum geht es nicht im Leben. Und die Gefahr, dass es kippt, ist sogar viel größer. Deshalb driften ja viele Prominente nach ihrer Karriere ab. Manchmal fürchte ich mich fast davor, irgendwann einmal unglücklich zu sein.

Haben Sie Angst, den Höhepunkt Ihrer Karriere schon erreicht zu haben?

Nee. Das glaube ich auch nicht. Ich werde zwar vermutlich in Deutschland nie wieder einen Film drehen, der so viele Zuschauer hat. Aber die Zahl der verkauften Kinokarten, die Zahl der Facebook-Likes sind ja nicht der Höhepunkt der Karriere. Eher die Gesamtsumme der Filme, die man im Lauf der Zeit gemacht hat und auf die man besonders stolz ist. Da ist noch viel Luft nach oben. Dieses Posterboy-Image wird mir nicht gerecht, glaube ich, das ist nicht alles. Ich wurde vor kurzem in einem Interview gefragt, was eigentlich von mir übrig bliebe, wenn ich mein legendäres Sixpack nicht hätte. Natürlich habe ich irgendwie geantwortet. Aber ich fand das schon sehr beleidigend.

Heißt das, Sie wappnen sich für eine Zeit „danach“?

Der Erfolg, den ich momentan habe, ist vermutlich nicht langfristig. Es wird dann einen anderen Typen und andere Filme geben, die angesagt sind. Wichtig ist, und darauf arbeite ich hin: Ich will zufrieden sein. Das Geschäft muss gestimmt haben. Ich möchte nicht in zehn Jahren dasitzen und denken, ich wurde über den Tisch gezogen, das war eine schlechte Nummer.

Können Sie heute so auch auf Ihre Jugend zurückblicken und diese Zeit, in der Sie immer nur Ärger wollten?

Das hatte auch einen Sinn irgendwo. Ich weiß, ich hätte mir viele Dinge einfacher machen können. Ich hätte von Anfang an lernen können, das wäre easier gewesen. Habe ich aber nicht. Und das war auch okay.

Nach dem Interview lässt sich der Deutschlehrer Christopher Andres von dem Filmlehrer Elyas M’Barek, der mal sein Schüler war, ein Autogramm geben und nimmt ihm das Versprechen ab, ihn bei Gelegenheit im Unterricht zu besuchen. Der Schauspieler hat inzwischen wieder auf Kracherlachen umgeschaltet. Er erzählt von der Tagesbar, die er im Oktober in München eröffnen und mit zwei Freunden betreiben will, gerade sei der Fußboden verlegt und das Spirituosenregal montiert worden. Er zeigt ein paar Handyfotos in die Runde. Dann erzählt er, dass er für die Konzession einen Sieben-Stunden-Lehrgang der Industrie- und Handelskammer absolvieren musste: „Ich bin direkt eingeschlafen. Es war wie früher in der Schule.“

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