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Elyas M’Barek im Interview : „Hätte auch blöd laufen können“

Sonst sagen Sie in Interviews oft, dieses Migrationsthema habe für Sie nie eine Rolle gespielt.

Kommt darauf an, mit wem ich darüber spreche. Bei der „Bravo“ zum Beispiel wüsste ich, was sie für Schlagzeilen daraus machen. Dafür ist mir das Thema erstens zu wichtig. Zweitens kann man so etwas nicht in zwei, drei Gossip-Sätzen erklären. Deshalb versuche ich, das eher wegzuhalten. Es ist auch nicht mehr Bestandteil meines Lebens.

Umso cooler, dass Sie nach dem Proll-Türken in „Türkisch für Anfänger“ inzwischen Figuren spielen, die Müller heißen oder Max oder Joseph - und damit deutsch sind, ganz gleich, wie sie aussehen. Herkunft ist dabei kein Thema.

Ich finde das schön, aber das war Zufall. Und mittlerweile ist es mir wichtiger, eine Identifikationsfigur zu sein für Jungs und Mädchen, die einen ähnlichen Hintergrund haben wie ich.

Gut, dass Sie Ihren Namen nie geändert haben.

Darüber bin ich mittlerweile sehr froh. Weil mir das wirklich von allen Leuten empfohlen wurde: Ändere sofort deinen Namen! So wirst du nie Erfolg haben! Jetzt lese ich auf Filmplakaten: Karoline Herfurth. Matthias Schweighöfer. Elyas M’Barek. Und denke mir: Cool. Wenn ich 13 wäre und einen komplizierten ausländischen Namen hätte, würde mir das Mut machen.

„Aus dir wird nie was werden“, sagt ein Lehrer in „Fack ju Göhte“ zu Zeki Müller als Kind. Haben Sie sowas auch gehört?

Ich habe in meiner Schullaufbahn oft erlebt, dass Lehrer relativ routiniert mit Leuten umgehen, die versagen. Da ist dann niemand, der motiviert oder versucht zu erörtern, woran es liegt. Wer sich einen Patzer erlaubt und nicht in der Reihe tanzt, wird aussortiert. Natürlich gibt es Lehrer, die versuchen, Talente herauszukitzeln und nicht nur Schwächen zu finden. Ich finde es gut, wenn Lehrer ihre Schüler auffangen. Aber ich habe oft gehört: „Aus dir wird nichts. Du landest auf der Straße!“

Was hat das mit Ihnen gemacht?

Ich hab das ein bisschen geglaubt. Und irgendwann hat man keine Lust mehr. Man sieht die Streber und sieht, wie reibungslos das bei denen läuft. Und man merkt, man ist anders und kriegt das nicht hin. Man wird diesem Ideal nie entsprechen. Heute weiß ich das. Ich habe ja mal versucht zu studieren, das hat auch nicht funktioniert. Und das liegt nicht daran, dass ich es nicht könnte, ich bin ja nicht dumm. Aber ich habe meiner Mutter schon als Jugendlicher gesagt, ich werde niemals einen Job machen, wo ich von Montag bis Freitag im Büro sitze und mich schon früh um acht auf den Feierabend freue. Irgendwann spürt man, dass man nicht für die Leistungsgesellschaft in dieser Form geschaffen ist und vielleicht besser nicht BWL studiert.

Lustig, dass ausgerechnet Sie der Top-Star dieser Leistungsgesellschaft geworden sind.

Aber in einer anderen Branche. Das ist ja Kunst. Kein Tag gleicht dem anderen. Seit Jahren habe ich keinen klassischen Alltag, man kann gar nicht beschreiben, was ich wirklich tue. Ich meine: Heute treffen wir uns in meiner alten Schule, und ich gebe Ihnen ein Interview.

Und das ist Arbeit.

Sozusagen. Ich weiß nicht, ob ich das so bezeichnen würde.

Wissen Sie, was mich überrascht? Wir reden jetzt schon eine halbe Stunde, und Sie haben noch keinen einzigen Spruch rausgehauen.

Was für einen Spruch? Was meinen Sie denn?

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