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Konzern ändert Richtlinien : Frau Goldschmidts Sieg gegen Holocaust-Leugner auf Facebook

Zeitzeugin: Aviva Goldschmidt hat schon viele Schulklassen über die Schrecken des Holocaust aufgeklärt. Jetzt auch Facebook. Bild: Claims Conference

Facebook löscht künftig alle Beiträge, die den Holocaust leugnen. Für Aviva Goldschmidt ist das etwas Persönliches: Die Holocaust-Überlebende hatte sich zuvor gemeinsam mit anderen Zeitzeugen an Mark Zuckerberg gewandt.

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          Als Aviva Goldschmidt den Hörer abnimmt, kann sie es kaum glauben. Facebook hat seine Community-Richtlinien geändert. Was zunächst nicht gerade weltbewegend, sondern eher nach einer dieser langen Mails klingt, an deren Ende der Leser ein Häkchen setzt und sich nicht ganz sicher ist, welchen neuen Geschäftsbedingungen er jetzt eigentlich genau zugestimmt hat, ist für Aviva Goldschmidt ein „toller Erfolg“. Denn seit Montag löscht Facebook alle Einträge, die den Holocaust leugnen oder kleinreden – auf der ganzen Welt, nicht nur in Ländern, wo die Leugnung des Holocaust ohnehin strafbar ist. Seitdem ist das Leugnen der Verbrechen der Nationalsozialisten nach den Standards der Plattform Hassrede.

          Theresa Weiß

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für Aviva Goldschmidt ist das etwas Persönliches. Denn Goldschmidt, geboren 1938 als Kind einer jüdischen Familie in Boryslaw im damaligen Polen, heute Ukraine, hat den Holocaust überlebt. Wenn ihr jemand das Leid abspricht, das sie erfahren hat, dann findet sie das verwerflich. Ihr Bruder wurde von Nationalsozialisten ermordet. Ihr Vater, nach schwerer Zwangsarbeit, deportiert und ebenfalls ermordet. Und Aviva selbst lebte als Kind jahrelang versteckt hinter Schränken, unter Treppen, im Wald, um den Nazi-Häschern zu entgehen, die nach dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 jüdische Menschen verschleppten und ermordeten. Als Goldschmidt befreit wurde, konnte sie nur noch flüstern. So sehr hatte sie verinnerlicht, dass ein einziges Wort, nur ein Laut, ihren Tod bedeuten könnte.

          Eine Videobotschaft an Mark Zuckerberg

          Aber sie hat ihre Stimme wiedergefunden. Seit Jahren wirkt sie als Zeitzeugin; nach dem Krieg emigrierte sie zunächst nach Israel, lernte dort ihren Mann kennen, einen deutschen Juden, und zog schließlich mit ihm nach Frankfurt. In der dortigen Gemeinde engagierte sie sich 60 Jahre lang. Bis vor einem Jahr war sie im Gemeinderat. Dann zog sie sich zurück, „irgendwann ist Schluss, da müssen die Jüngeren ran“.

          Doch vergangene Woche entschied sie sich, doch noch einmal laut zu werden. Goldschmidt produzierte mit ihrer Tochter eine kurze Videobotschaft an Mark Zuckerberg, den Gründer von Facebook. Darin forderte sie ihn eindringlich auf, Holocaust-Leugnung auf seiner Plattform zu entfernen. Die Jewish Claims Conference, die sich für die Entschädigung von Holocaust-Opfern einsetzt, lud es auf ihrer Facebook-Seite hoch. Goldschmidt arbeitet schon länger eng mit der Organisation zusammen, wirkt über sie als Vermittlerin und Zeitzeugin. Auf der Facebook-Seite steht die Botschaft nun unter dem Hashtag #NoDenyingIt in einer Reihe mit Videos von anderen Überlebenden. Sie alle richten sich direkt an Zuckerberg, der in der Vergangenheit gesagt hatte, dass er nicht glaube, dass Holocaust-Leugner „es mit Absicht falsch machen“.

          Die Lebensgeschichten, die dort erzählt werden, ähneln sich öfter mal, aber zeigen gerade dadurch das unglaubliche Ausmaß der Verbrechen der Nazis. Da spricht etwa Serge Klarsfeld aus Nizza, dessen Vater verschleppt und in Auschwitz ermordet wurde, nachdem er seine Familie noch in einem doppelwandigen Schrank versteckt hatte. „Er hat sich für uns geopfert.“ Ähnlich erging es Eva Schloss, die in Großbritannien lebt. Sie und ihre gesamte Familie wurden nach Auschwitz deportiert; es überlebten nur ihre Mutter und sie.

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