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Fabian Hinrichs : Das reicht doch nicht, da fehlt doch was

  • -Aktualisiert am

Spezialist für die unkalkulierbaren Figuren: Fabian Hinrichs in einem Berliner Café Bild: Jens Gyarmaty

Fabian Hinrichs weiß genau, was er nicht will: fotografiert werden, autoritäre Regisseure, urbane Reizüberflutung. Über das, was er will, denkt er immer wieder neu nach - auf der Bühne oder als sonderlicher „Tatort“-Assistent.

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          Alle Schauspieler sind ewige Kinder, und dieses Kindhafte ist positiv an ihnen - aber zugleich auch negativ. Sagte einst Friedrich Nietzsche. Ihn zitiert nun Fabian Hinrichs, nicht ohne Ironie, ist er doch selbst seit mehr als zehn Jahren Schauspieler. Doch was heißt das eigentlich, Schauspieler? Hinrichs, der die Dinge nicht einfach so zu nehmen pflegt, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mögen, antwortet mit einem seiner Lieblingssätze: „Darüber müsste man mal nachdenken!“ Dann, weil ihm Genauigkeit im Ausdruck wichtig ist, korrigiert er sich: „Darüber müsste ich mal nachdenken!“

          Über die wundersamen Seiten seines Berufs nachzudenken, dazu hat Fabian Hinrichs gerade erst wieder Gelegenheit bekommen. Ende Dezember war er als Kriminalassistent Gisbert in der hochgelobten Münchner „Tatort“-Folge „Der tiefe Schlaf“ zu sehen - und löste ein Echo aus, das man beinahe mit Nastassja Kinskis Auftritt im „Tatort: Reifezeugnis“ von 1977 vergleichen kann. Hinrichs Profiler ist ein übereifriger, irgendwie hochbegabter Technik-Freak - und liegt zum Ende des Films unerwartet als Mordopfer im Gras. Bei Facebook bildeten sich daraufhin Gruppen, die Gisberts Auferstehung verlangten, in Online-Foren tauschten sich schockierte Menschen aus, „Spiegel online“ schrieb: „Der Sidekick ist tot, es lebe der Sidekick.“

          Von dieser Wahnsinnsresonanz hat Hinrichs zunächst überhaupt nichts mitbekommen, war er doch wieder einmal als für niemanden erreichbarer Fernreisender unterwegs. Weil er jetzt erst aus Burma zurückkam, hat er den umjubelten „Tatort“ noch nicht mal gesehen. Nun wundert er sich über die geballten Interviewwünsche zumal der Boulevardpresse: „Irre, welche Breitenwirkung man mit einem einzigen Fernsehfilm erzielen kann.“ So fühlt er sich beinahe wie ein klassischer Pianist, der ausgerechnet mit einer zwischendurch aufgenommenen Pop-CD zum Star wird.

          Die Facebook-Gruppe „Wir wollen Gisbert Engelhardt zurück“ hat mehrere Tausend Mitglieder.

          Zum Gespräch in einer Kreuzberger Kneipe erscheint Hinrichs leicht verspätet, entschuldigt sich erhitzt und bittet, sich schnell die Hände waschen zu dürfen, an denen Öl und Schmutz kleben; sein Rennrad hatte einen kaputten Reifen, er musste es nach missglückter Reparatur schieben. Beim Mineralwasser erzählt er dann vom Urlaub mit seiner Freundin in Ecuador, wo sie allein herumreisten, im Dschungel wanderten und wenige Fotos schossen; die meisten davon hat das Paar per Selbstauslöser gemacht.

          Sein Hirn braucht ständig neuen Stoff

          Hinrichs wird ansonsten nicht gern fotografiert und schaut ungern direkt in die Kamera - Fotografie, ja, das ist wieder so ein Sujet, über das es viele kluge Theorien gibt, die erklären, warum man die Wahrheit eines Moments oder eines Ausdrucks nicht festhalten kann, bloß weil man ihn technisch fixiert hat - und über die er genauer nachdenken müsste. Ein Schauspieler, der nicht gern fotografiert wird? Hinrichs lächelt und nickt. Er fährt sich verlegen mit der Hand durch die dichten dunkelblonden Haare, als wäre ihm das ein bisschen peinlich. Solche Fragen sind ihm eigentlich zu privat, und seine Privatheit ist ihm außerordentlich wichtig. Natürlich weiß er, dass ihn das besonders interessant macht, aber er scheint es ernst zu meinen.

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