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„F.A.Z.-Leser helfen“ : Vom ersten und letzten Mutter-Tochter-Moment

Die Geburt sei entspannt gewesen, sagt sie. „Aber Juno hat gemacht, als wäre es die beschissenste Idee der Welt, da jetzt raus zu müssen“, sagt ihr Vater. Sie habe gemeckert, wirkte unzufrieden. Der damals vier Jahre alte Jakob schnitt die Nabelschnur durch, die Hebamme untersuchte Mutter und Kind. Keine Auffälligkeiten. „Ich hatte das Gefühl, dass sie viel Dampf hat“, erinnert sich Joshua Hefner an seine Tochter, die nicht schlafen wollte. Eine Stunde lief er mit ihr in der Wohnung auf und ab. Irgendwann, der Arm war taub, legte er sie zurück ins Ehebett. Juno meckerte weiter. Inzwischen war es hell geworden, die Sonne schien ins Zimmer. Juno blickte ihre Mutter Jessica direkt an, beruhigte sich. Die machte ein Foto. Vom ersten Mutter-Tochter-Moment. Vom letzten Mutter-Tochter-Moment. „Jetzt ist sie endlich angekommen“, flüsterte sie ihrem Mann zu.

Dabei war sie gerade heimlich gegangen. Juno atmete nicht mehr. Die Hefners schrien. Nicht schon wieder, nicht ihr Kind! Der Notarzt kam. Reanimationsversuche auf dem Wohnzimmertisch, eine Blaulichtfahrt, an die sich Jessica Hefner kaum noch erinnert, Stunden der Ungewissheit. In der Klinik in Offenbach kämpften die Ärzte um das Überleben des Babys: Maximaltherapie, piepende Geräte, Medikamente, Schläuche.

Stunden des Hoffens

„Es war genau die Situation, vor der wir uns bei Jona immer gefürchtet hatten“, sagt Jessica. Ihre Tochter, das ergaben die Untersuchungen, litt unter einem aggressiven bakteriellen Infekt. Nach Stunden des Hoffens sagten die Ärzte in der folgenden Nacht, das Kind werde den Kampf nicht gewinnen. Das Paar entschied sich, die Maschinen abstellen zu lassen, und hielt die Tochter in den Armen, als sie starb. Wo und wann sie sich den Infekt zugezogen hat, ist bis heute nicht geklärt. Schuld habe niemand, so die Ärzte. Bei einer Geburt im Krankenhaus, sagten sie, wäre es genauso verlaufen.

Alles, was danach kam, war erschreckend vertraut. „Es ist doch absurd, dass man in unserem Alter genau weiß, welche Schritte einzuleiten sind, wenn ein Kind gestorben ist“, sagt Jessica Hefner. Das Beerdigungsinstitut anrufen, Erinnerungsfotos machen, sich mit Freunden und der Familie zusammenrotten, bloß nicht alleine bleiben. Und sie riefen zum zweiten Mal in ihrem Leben das Kinder-Palliativteam an.

Diesmal mit einer ganz anderen Bitte. Das Paar wollte Jakob in seiner kindlichen Trauer gerecht werden. Das Team half bei der Suche nach psychologischer Unterstützung. „Ich hatte erst keinen inneren Raum, traurig um Juno zu sein, ich hatte nur Angst um Jakob“, sagt Jessica Hefner. Ihr Jakob, der sich wieder auf ein Geschwisterchen gefreut hatte, der im Kindergarten lieber erzählen wollte, dass seine kleine Schwester gesund sei, der wieder seine Eltern mit dem Kummer teilen musste. „Ich war in den letzten zwei Jahren entweder schwanger oder traurig“, sagt Jessica Hefner.

Nach neun Monaten ist bei Hefners fast so etwas wie Alltag eingekehrt. Beide arbeiten wieder, die Babykleidung ist auf dem Dachboden verschwunden. „Ich habe von meinen Kindern so viel gelernt“, sagt Jessica Hefner. Zum Beispiel, dass man das Leben nicht planen kann.

Halt finden die Hefners bei Freunden, in der Familie oder während der Gespräche in der Selbsthilfegruppe, zu der auch Eltern kommen, die durch das Palliativteam auf die Treffen aufmerksam gemacht werden. Und manchmal, wenn vor lauter Alltag die Erinnerungen an das Geschehene zu verblassen drohen, greifen sie zu den Fotoalben, die sie von ihren drei Kindern gemacht haben. Das von Juno und Jona hat einen Anfang und ein Ende. Das von Jakob wächst Tag um Tag.

Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und die Frankfurter Allgemeine/ Rhein-Main-Zeitung bitten um Spenden für das Kinder-Palliativ-Team Südhessen, um Eltern zu unterstützen, die ein Kind mit lebensverkürzender Behinderung erwarten, und ein Projekt der Christoffel-Blindenmission in Paraguay, das verhindern soll, dass Frühgeborene erblinden.

Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“ bitte auf die Konten:

Bei der Frankfurter Volksbank: IBAN: DE94 5019 0000 0000 1157 11

Bei der Frankfurter Sparkasse: IBAN: DE43 5005 0201 0000 9780 00

Spenden können steuerlich abgesetzt werden. Weitere Informationen zur Spendenaktion im Internet unter der Adresse www.faz-leser-helfen.de.

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