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Extremsportler Alexander Polli : „Ich war felsenfest überzeugt, dass ich treffe“

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Gerade einmal sieben Meter breit ist das Nadelöhr am Roca Foradada in der Nähe von Barcelona. Bild: Alexander Polli

Mit 250 Kilometern pro Stunde durchs Nadelöhr: Der Extremsportler Alexander Polli ist in einem „Wingsuit“ durch ein schmales Felsentor geflogen. Ein Gespräch über den Traum vom Fliegen, Höhenangst und ungeübte Nachahmer.

          Herr Polli, haben Sie heute schon etwas Extremes gemacht?

          Ich bin um vier Uhr morgens aufgestanden, von Mailand aus in die Berge gefahren und fünf Stunden gewandert, um einen neuen Standort zum Fliegen anzusehen. Dann bin schnell zurückgefahren, um die Liebe meines Lebens zu treffen. Insofern hatte ich einen erfüllten Tag.

          Sie sind mit dem Flug durch die Roca-Foradada-Höhle zur Internet-Berühmtheit geworden. Was bedeutet dieser Flug für Sie persönlich?

          Jeder Flug ist für mich ein Akt der Selbstverwirklichung. Die Leute mögen vielleicht glauben, dass ich diesen Höhlenflug als eine Art Stunt lange geplant habe. Das war nicht der Fall. Ich hatte beim Fliegen nie die Öffentlichkeit im Sinn, sondern betreibe es für mich selbst. Der Höhlenflug war eine kleine persönliche Herausforderung. Ich wollte sehen, wie zielgenau ich fliegen kann.

          Aber wie fühlt es sich an, die Treffsicherheit auch einem Millionenpublikum bewiesen zu haben?

          Es ist toll, wenn sich nun viele Menschen davon inspirieren lassen. Ich bin berührt von der großen Resonanz und den vielen positiven Zuschriften.

          Wie ist das Projekt entstanden?

          Freunde haben mir vom Montserrat vorgeschwärmt. Zum Jahreswechsel waren wir dort. Da haben wir auch das Banner mit der Aufschrift „2013“ als Ziel für Präzisionsflüge genutzt.

          Der Flug durchs Banner wurde ebenfalls zum Video-Hit.

          Die Stangen des zwei Meter breiten Banners waren jeweils zehn Zentimeter von meinen Händen entfernt. Ein so kleines Ziel so treffsicher anzufliegen, hat mir viel Zuversicht gegeben. Dann sah ich die Höhle dort im Berg. Ich bin ein paarmal zu ihr hinaufgestiegen und habe sie mir immer wieder angesehen. Sie hatte den richtigen Winkel, um hindurchzufliegen!



          Die Möglichkeit einer tödlichen Kollision hat Sie nicht nervös gemacht?

          Na klar. Doch nachdem ich die Höhle eingehend studiert hatte, wusste ich, dass ich sie meistern kann. Das einzige Hindernis waren meine eigenen Bedenken. Es sind häufig nur unsere Ängste, die uns davon abhalten, etwas zu tun, was wir gerne tun würden und könnten. Das gilt auch für emotionale Herausforderungen, wie zum Beispiel, sich zu verlieben. Viele Menschen werden von ihren Ängsten unter ihren Möglichkeiten gehalten. Diese Hürden wieder mal überwinden zu können war die Erfüllung eines Traums.

          Wie überwinden Sie Ihre Ängste?

          Ich meditiere und mache viele Atemübungen. Wenn ich fliege, atme ich sehr bewusst durch die Nase. Ich nehme jeden einzelnen Atemzug genau wahr und habe dadurch einen intensiveren Kontakt zu meinem Körper.

          Ist da noch ein Rest an Zweifel, wenn sie sich im Hubschrauber zum Absprung bereitmachen?

          Nein. Mit den Testflügen legen sich die Zweifel. In dem Moment, in dem ich in den Hubschrauber steige, bin ich felsenfest davon überzeugt, dass ich es schaffen kann. Das Gefühl von Nervosität oder sogar Angst kommt immer einige Wochen vor dem eigentlichen Flug auf. So wie heute in den Bergen, als ich eine neue Flugstrecke ausschaute. Da kamen sofort diese Gefühle auf. Aber ich werde mich nun mindestens einen Monat lang vorbereiten und die Nervosität überwinden. Den Arbeitsprozess bis dahin genieße ich sehr.

          Wie haben Sie sich auf den bisher größten Flug ihres Lebens vorbereitet?

          Ich mache viel Yoga und Stretching - und fliege dauernd. Ich trainiere seit fast einem Jahr, Ziele möglichst genau anzusteuern, zum Beispiel Slalom zwischen Bäumen zu fliegen.

          Wie können Sie sich sicher sein, nicht an einem Baum hängen zu bleiben?

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