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Extrembergsteiger Simone Moro : Unter der Lawine am Gasherbrum II

  • -Aktualisiert am

In Innsbruck: Simone Moro trifft Karl Gabl Bild: Jan Roeder

Achttausender im Winter zu besteigen ist fast unmöglich. Simone Moro, der Extrembergsteiger, hat es wieder mal geschafft - dank dem Meteorologen und Lebensretter Karl Gabl. Er sei trotzdem kein Held, sagt Moro, „aber jemand, der seine Träume realisiert“.

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          Es waren Minuten voller Verzweiflung, Augenblicke der Todesangst. Zum ersten Mal war es Bergsteigern im Winter gelungen, den Gipfel eines Karakorum-Achttausenders zu erreichen. Und dann wäre es beim Abstieg vom 8034 Meter hohen Gasherbrum II fast zu einem tödlichen Unglück gekommen. Als der Italiener Simone Moro, der Kasache Denis Urubko und der Amerikaner Cory Richards eine gefährliche Zone unter dem Gasherbrum V querten, brach über ihnen ein Sérac in sich zusammen. Der Turm aus Gletschereis löste eine Lawine aus, die ungebremst ins Tal donnerte. Die Nacht hatte hohen Neuschnee gebracht. An eine schnelle Flucht war nicht zu denken. Knapp entkamen sie dem Tod: Simone Moro wurde nur wenig verschüttet. Er grub die anderen mit bloßen Händen aus.

          Wer in die Annalen der Bergsteigergeschichte eingehen will, der muss sich etwas Besonderes überlegen: eine neue Route oder Erstbegehungen weniger prominenter Gipfel. Simone Moro hat sich für Winterbesteigungen entschieden. Er war der erste, der in der kalten Jahreszeit auf den Gipfeln von Shishapangma (8027 Meter) und Makalu (8463 Meter) stand. So wie Christoph Kolumbus oder Leonardo da Vinci wolle er etwas tun, was vorher noch niemandem gelungen war. „Ich bin kein Held, aber jemand, der seine Träume realisiert“, sagt Moro. „Ich bereite mich intensiv vor, erkenne meine Fehler und versuche so, immer besser zu werden.“

          Durchtrainiert bis in die Fingerspitzen

          Wenn der Extrembergsteiger von seinen Erlebnissen im Karakorum erzählt, dann spürt man den Stolz über die eigene Leistung, die Ehrfurcht vor den Gefahren der Natur, aber auch das Wissen um die eigenen Grenzen. Simone Moro ist 43 Jahre alt, fester Händedruck, die Unterarme so muskulös, dass die Adern hervortreten, durchtrainiert bis in die Fingerspitzen. Mit Klettern bereitet er sich auf seine Expeditionen vor. Er klettert den zehnten Schwierigkeitsgrad, war Trainer der italienischen Kletternationalmannschaft. Und Moro läuft. Zwischen 100 und 140 Kilometer pro Woche. Zwischendurch hält er Vorträge, spricht vor Managern in Motivationsseminaren und bereitet eine Reise nach Nepal vor. Moro, selbst Pilot, will in den nächsten Wochen damit beginnen, im Himalaja eine Hubschrauberstaffel aufzubauen. Sie soll Bergsteiger retten und der Bevölkerung im Notfall helfen. Erst im nächsten Winter will Moro wieder sein Gipfelglück versuchen. Er plant eine Winterbesteigung des 8051 Meter hohen Broad Peak. Zweimal hat Simone Moro dort schon den Rückzug antreten müssen, weil das Wetter zu schlecht war.

          In eisigen Höhen: Simone Moro auf 7800 Metern am Gasherbrum II
          In eisigen Höhen: Simone Moro auf 7800 Metern am Gasherbrum II : Bild: Stephanie Geiger

          Heute ist Simone Moro nach Innsbruck gekommen, um Karl Gabl von seinen Erfahrungen im pakistanischen Winter zu berichten. Seit seiner Expedition auf den Nanga Parbat im Jahr 2003 geht Moro erst auf einen Berg, nachdem er sich mit dem Meteorologen über die Wetteraussichten verständigt hat. Gabl betreut rund 70 Expeditionen pro Jahr. Darunter auch regelmäßig die österreichische Extrembergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner. „Karl Gabl“, sagt Moro, „war am Gasherbrum unser vierter Seilpartner.“

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