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Kurt Diemberger wird 90 : Auf dem Gipfel des Lebens

Leben und Überleben in Schnee und Eis: Der Extrembergsteiger Kurt Diemberger hat an den Bergen der Welt große Erfolge und schreckliche Tragödien erlebt. Bild: Picture Alliance

Der Österreicher ist der einzige lebende Alpinist, dem zwei Erstbesteigungen von Achttausendern gelungen sind. Zum Geburtstag hat er einen Wunsch an die nächste Generation.

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          Es ist ein gängiger Satz im Alpinismus: Es ist viel leichter, ein guter Bergsteiger zu werden, als ein alter Bergsteiger. Der Österreicher Kurt Diemberger hat beides geschafft. Der Mann, dem als Einzigem neben Hermann Buhl zwei Erstbesteigungen von Achttausendern gelungen sind, ist am Mittwoch 90 Jahre alt geworden.

          Bernd Steinle
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Am 9. Juni 1957 hatte Diemberger mit Buhl, Fritz Wintersteller und Marcus Schmuck als Erster den Gipfel des Broad Peak (8051 m) erreicht, drei Jahre später folgte die erste Besteigung des Dhaulagiri (8167 Meter). Doch Diemberger machte sich nicht nur durch extreme Klettertouren, unter anderem an den großen Nordwänden der Alpen, einen Namen, sondern immer wieder auch als Bergfilmer. So machte er etwa unter gewaltigen Strapazen mit einer Filmkamera die erste 360-Grad-Panoramafahrt auf dem Mount Everest (8848 Meter), dem höchsten Berg der Welt.

          Diemberger lernte aber auch die dunklen Seiten des Extrembergsteigens kennen. 1957, kurz nach dem Erfolg am Broad Peak, stürzte sein Tiroler Bergpartner Buhl an der Chogolisa (7654 Meter) im Karakorum tödlich ab, als eine Wechte brach. Wären sie zu diesem Zeitpunkt angeseilt gewesen, sagte Diemberger später, hätte ihn der Sturz wohl ebenfalls mit in den Tod gerissen.

          „Die wohl schwerste Zeit meines Lebens“

          1986 überlebte Diemberger eine der schlimmsten Katastrophen am zweithöchsten Berg der Welt, dem K2 (8611 Meter). Diemberger, damals 54 Jahre alt, schaffte mit seiner Partnerin, der Engländerin Julie Tullis, mit der er „das höchste Filmteam der Welt“ gegründet hatte, zunächst den Aufstieg zum Gipfel, ohne Flaschensauerstoff. Auf dem Abstieg überlebten sie einen Sturz und ein Notbiwak, fanden dann aber im höchsten Lager auf knapp 8000 Meter noch fünf weitere Bergsteiger vor. Sie alle wurden von einem schweren Schneesturm tagelang im Zelt festgehalten. Die Vorräte schwanden, doch ein Abstieg war unmöglich, zumal in dem geschwächten Zustand, in dem sie waren. Julie Tullis starb schließlich an Erschöpfung.

          Als sich endlich eine Chance zum Aufbruch bot, kam sie für einen weiteren Bergsteiger zu spät, drei andere kamen beim Abstieg ums Leben. Nur Diemberger und der Österreicher Willi Bauer erreichten das Basislager, mit schweren Erfrierungen. Mit diesem Trauma hatte Diemberger jahrelang zu kämpfen. „Nach der K2-Tragödie“, schrieb er in seinem Buch „Der siebte Sinn“, „folgte die wohl schwerste Zeit meines Lebens“.

          Alpin-Oscar für sein Lebenswerk

          Über die Jahre erhielt der gebürtige Kärntner für seine außergewöhnlichen Leistungen zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2013 den Piolet d’Or für sein Lebenswerk, den Oscar des Alpinismus. Seine Bücher gehören zu den Standardwerken der alpinistischen Literatur, vor allem in „K2 – Traum und Schicksal“ schildert er auf berührende und erschütternd eindringliche Weise die furchtbaren Erlebnisse am K2, dem Berg, der auf ihn immer „einen unerklärlichen Zauber“ ausübte, der für ihn das größte Ziel war und zum schlimmsten Albtraum wurde.

          „Ich denke, am Berg brauchst du unbedingt einen Schutzengel“, sagte Kurt Diemberger unlängst dem Bayerischen Rundfunk. Den scheint er gehabt zu haben. Viele Weggefährten waren beeindruckt von der Ruhe, die Diemberger am Berg ausstrahlte, auch in extremen Situationen, und die im Kontrast steht zum oft von Geschwindigkeit bestimmten Treiben aktueller Bergsteiger, sei es, was das Klettern selbst betrifft oder die Berichte und Bilder dazu.

          Kurt Diemberger, der seit vielen Jahren bei Bologna in Italien zu Hause ist, entstammt einer anderen Zeit des Bergsports, er fuhr einst noch mit dem Fahrrad zum Klettern am Matterhorn. Den folgenden Generationen legt er vor allem eines ans Herz: die Berge zu bewahren, die Natur zu schützen. Und: „Wir dürfen es nicht so weit kommen lassen, dass Berge nur noch Meilensteine für Höhenrennen werden“, sagte er dem BR.

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