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Expedition zum Mount Everest : Tod am Berg

Beim Abstieg auf 8800 Metern Höhe starb Eberhard Schaaf – wahrscheinlich an einem Höhen-Hirn-Ödem. Bild: AFP

Ein deutscher Arzt, der im Rahmen der Eco Everest Expedition den Mount Everest vom Müll befreien wollte, ist beim Abstieg ums Leben gekommen. Offenbar erlag er einem Ödem.

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          Heil herunterkommen – das war der Wunsch, den Eberhard Schaaf und Paul Thelen hatten. Obwohl sich die beiden gut vorbereitet hatten auf den Mount Everest, ist dieser Wunsch am Sonntag für Eberhard Schaaf nicht in Erfüllung gegangen: Der 61 Jahre alte Arzt aus Herzogenrath bei Aachen, ein Ausdauersportler, der Strecken von bis zu 200 Kilometern läuft, starb beim Abstieg vom Gipfel an der Höhenkrankheit.

          Oliver Kühn

          Redakteur in der Politik.

          Die beiden Bergsteiger hatten sich Anfang April der Eco Everest Expedition angeschlossen. Sie wollten den 8848 Meter hohen Berg besteigen und auf Umwelt- und Müllprobleme am Berg hinweisen. Schon kurz nach dem Start der Expedition machten sich in der Gruppe, der noch 13 weitere Bergsteiger angehören, Symptome der Höhenkrankheit bemerkbar, wie Paul Thelen am 13. April in seinem Blog berichtete. Die nächsten Tage akklimatisierten sich die Alpinisten am Berg und sammelten Müll. Am 27. April stürzte Thelen auf losem Geröll und prellte sich eine Rippe. Immer wieder behinderte schlechtes Wetter den weiteren Aufstieg. Am Samstag war es endlich so weit: Die erste Gruppe mit Schaaf brach auf und erreichte den Gipfel um kurz nach elf Uhr. Beim Abstieg, im Gebiet des Hillary-Steps, auf 8800 Metern Höhe, starb Schaaf in kurzer Zeit. Ärzte der Himalayan Rescue Association stellten fest, dass der Grund wahrscheinlich ein Höhen-Hirn-Ödem war.

          Peter Bärtsch, ärztlicher Direktor der Sportmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg, beschreibt das Höhen-Hirn-Ödem als typisches Risiko von Everest-Expeditionen, weil eine Akklimatisation über 7000 Metern, in der „Todeszone“, nicht mehr möglich sei. Symptome sind unter anderem Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit und Müdigkeit. Im Gehirn tritt Flüssigkeit aus, und es schwillt an. Da im Schädel keine Ausbreitung möglich ist, werden wichtige Teile eingeklemmt. Die Einklemmung des Atemzentrums führt dazu, dass man zu atmen aufhört.

          Eberhard Schaaf ist also wahrscheinlich einfach zusammengebrochen und liegen geblieben. Seine Begleiter mussten ihn zunächst einmal am Berg liegen lassen. Ang Tshering Sherpa, der Chef der Eco Everest Expedition, sagte jedoch, das Unternehmen werde alles unternehmen, Schaaf zu bergen, wenn die Familie das wolle. Aus dieser Höhe sei das allerdings schwierig. Die Saison, die von April bis Ende Mai geht, weil in dieser Zeit mit gutem Wetter zu rechnen ist, geht bald zu Ende.

          Mehr als 300 Bergsteiger sollen zur Zeit noch in den Camps am höchsten Berg der Welt sein. Einer von ihnen ist Ralf Dujmovits, der vielleicht beste deutsche Bergsteiger. Wegen schwerer Erschöpfung und Übelkeit – Symptomen der Bergkrankheit – gab er am Samstag seinen Versuch auf, den Gipfel ohne künstlichen Sauerstoff zu erreichen. Der Schweizer Ueli Steck hingegen stand am Freitag auf dem Dach der Welt. Dujmovits schreibt in seinem Tagebuch, am Samstag seien ihm bei seinem Abstieg viele Leute entgegengekommen. Und er dachte daran, dass einige von ihnen nicht wieder zurückkehren werden.

          Mit seiner Ahnung sollte er recht behalten. Auch eine Kanadierin und ein Südkoreaner kamen ums Leben. Ein Chinese und sein nepalischer Bergführer werden noch vermisst. Somit sind nun mindestens 236 Menschen bei dem Versuch umgekommen, den Everest zu besteigen.

          Eberhard Schaaf wurde in Sachsen geboren, studierte in Leipzig und arbeitete in Hoyerswerda, bevor er 1989 über Ungarn in die Bundesrepublik flüchtete. Mit dem Klettern hatte er einst im Elbsandsteingebirge angefangen. Sein Bergkamerad Thelen will nun vorzeitig nach Katmandu zurückkehren.

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