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Eine Million Euro Preisgeld : 1800 Zweifel an der Existenz Bielefelds

Bielefeld gibt es nicht. Bild: obs

Wer beweisen kann, dass es Bielefeld nicht gibt, erhält von der Stadt eine Million Euro. Die Resonanz auf den Wettbewerb ist gewaltig – und mancher Beweis richtig gut.

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          Wer auf einer Party sagt, dass er aus Bielefeld kommt, erhält so gut wie immer als Antwort „Bielefeld gibt es doch gar nicht“. Viele Bielefelder können über diesen immer gleichen Dialog nicht mehr lachen, die meisten Nicht-Bielefelder finden ihn trotzdem lustig. Wiederum andere nehmen die Verschwörungstheorie für bare Münze. Die Stadt Bielefeld zum Beispiel. Sie hat eine Million Euro für den ersten Einsender ausgelobt, der beweisen kann, dass die Theorie stimmt. In den offiziellen Wettbewerbsbedingungen heißt es: „Der Teilnehmer muss die Nichtexistenz Bielefelds beweisen. Hierzu ist eine erschöpfende Beweisführung erforderlich, die durch nichts und niemanden zu erschüttern ist.“ Zudem beteiligten sich weitere Bielefelder Unternehmen und selbst Sportvereine an der Aktion: So will der Oetker-Konzern im Falle des Beweises eine Million Puddingtütchen sponsern. Und der Fußballklub Arminia Bielefeld verspricht gar einen Platz im Kader für ein Spiel des Vereins in der zweiten Bundesliga.

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Die Resonanz ist enorm. „Die Zahl der Einreichungen sprengt unsere kühnsten Erwartungen“, sagt Jens Franzke, der Leiter des Teams Stadtwerbung und Kommunikation. Kurz vor Ende der Einreichungsfrist an diesem Mittwoch um Mitternacht haben bereits 1800 Menschen mitgemacht. Die meisten von ihnen kommen aus Deutschland, jeder fünfte Beweis aber wurde per Mail aus dem Ausland abgeschickt. Unter den Einsendern sind Menschen aus Weißrussland, Japan und Neuseeland, aus Kanada, Australien und Südamerika.

          Die englische BBC hat über den Wettbewerb berichtet und das amerikanische Magazin Newsweek, auch eine indische Regionalzeitung. Die globale Durchschlagskraft des Wettbewerbs ist der größte Erfolg in der Geschichte des Marketings der Stadt, die Stimme des Teamleiters überschlägt sich am Telefon fast vor Freude. „Die Bandbreite der Beweise ist riesig“, berichtet Franzke. Und einige seien „richtig gut gemacht“.

          „Als Laie haben Sie da keine Chance“

          Die aussichtsreichsten Bewerber argumentierten mit der Erkenntnistheorie, die auf philosophischer Basis die Voraussetzungen für Erkenntnisgewinn hinterfragt. Andere Einreicher bemühten die Quantenphysik. Ein Mathematiker wiederum schickte eine zweiseitige Herleitung voller komplizierter Formeln. „Am Anfang hat er Bielefeld als Variable eingesetzt, die am Ende herausgekürzt wird und somit wegfällt“, erklärt Franzke. „Als Laie haben Sie da keine Chance, Sie wissen nicht, wo er den Trick eingebaut hat.“

          Um diesen und andere Beweise zu verstehen und im nächsten Schritt zu prüfen, wird die Marketingabteilung der Stadt in den nächsten Tagen und Wochen wissenschaftliche Experten hinzuziehen. Anschließend entscheidet ein dreiköpfiges Gremium. „Sollte es jemandem gelingen, die Nichtexistenz zu beweisen, benachrichtigen wir schriftlich nach Beendigung der Auslobung“, versichern die Teilnahmebedingungen, in denen der Rechtsweg ausdrücklich ausgeschlossen wird.

          Gerichtsfeste Teilnahmebedingungen

          Was aber, wenn sich jemand damit nicht zufrieden gibt, und mit seiner „erschöpfenden Beweisführung“ vor ein real existierendes Gericht zieht, um das Preisgeld zu erstreiten? Um das zu verhindern, hatte die Marketingabteilung der Stadt bereits im Vorfeld eine Anwaltskanzlei beauftragt, den Ausschreibungstext zu verfassen. „Wir gehen davon aus, dass unsere Teilnahmebedingungen gerichtsfest sind und wir nichts zu befürchten haben“, erklärt Franzke.

          Doch auch an den Fall der Fälle hat er gedacht: Sollte ein Gericht einen eingeschickten Beweis anerkennen und die Stadt anweisen, die Million auszuzahlen, ist das Geld vorhanden. Die Stadt hat nämlich 56 Sponsoren wie beispielsweise den Oetker-Konzern, die ihr jedes Jahr zusammen 330.000 Euro für Werbeaktivitäten spenden. Sollte die Million also ausgezahlt werden müssen, wäre „nur“ der Werbe-Etat für drei Jahre weg, nicht aber das Geld der Steuerzahler.

          „Das Preisgeld steht zur Verfügung“, beteuert Franzke. Mit einer Einschränkung: „Wenn jemand beweisen kann, dass es uns nicht gibt – wer soll dann das Preisgeld zahlen?“

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