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Fliegerbombe in Augsburg : „Zusammen stehen wir das durch“

  • -Aktualisiert am

Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) organisiert die Evakuierung in Augsburg. Bild: dpa

Fast 60.000 Augsburger müssen am ersten Weihnachtsfeiertag ihre Häuser verlassen. Oberbürgermeister Kurt Gribl erklärt, warum die Bombe nur dann entschärft werden kann.

          Herr Oberbürgermeister Gribl, darf ich kurz stören?

          Ja, kurz – das geht in Ordnung.

          Ausgerechnet an Weihnachten müssen 57.000 Augsburger im Radius von eineinhalb Kilometern rund um eine Weltkriegsbombe ihre Häuser verlassen. Warum rückte der Kampfmittelräumdienst nicht noch vor Heiligabend an?

          Wir haben ein extrem großes Gebiet zu evakuieren und benötigen daher die Zeit. Wir müssen ein Krankenhaus verlagern. Ein Pflege- und Seniorenwohnheim liegt in dem Gebiet. Die gesamte Verkehrsstruktur muss für den Kampfmittelräumdienst umgestaltet werden.

          Wie wurde die Bombe entdeckt?

          Die Fliegerbombe, 1,8 Tonnen schwer, wurde bei den Bauarbeiten an einer Tiefgarage an der Jakoberwallstraße entdeckt – direkt im Zentrum.

          Wie wird die Evakuierung ablaufen?

          Von acht Uhr an stehen die Einrichtungen den Anwohnern offen, bis zehn Uhr wird das gesamte Gebiet frei von Menschen sein. Viele verlassen schon vorher den Bereich, weil sie in Urlaub fahren oder von Verwandten eingeladen wurden.

          Was sind die Herausforderungen?

          Krankentransporte müssen organisiert und Kapazitäten für die Betroffenen in anderen Wohnheimen geschaffen werden – für Hunderte Personen.

          Bekommen Sie Unterstützung?

          Ja. Dafür gibt es Kontingente. Die brauchen wir auch, für die Fahrdienste für Gehbehinderte und für die Bettlägerigen. Wir bekommen auch Unterstützung von Feuerwehrleuten aus dem Umland.

          Sie selbst waren bei der Freiwilligen Feuerwehr Augsburg-Kriegshaber.

          Hat sich das also herumgesprochen? Als Zugführer eines Einsatzzugs bin ich mit den Aufgaben des Katastrophenschutzes vertraut. Das kommt mir jetzt zugute. Wir haben einen Krisenstab gebildet, den ich leite. Aber es braucht bei diesem Ausmaß viele Beteiligte mit Fachkenntnissen. Ohne die Helfer ginge es nicht.

          Können sich die Anwohner im Zentrum an Heiligabend noch sicher fühlen?

          Ja. Laut Räumdienst geht von der Bombe derzeit keine Gefahr aus. Das Grundstück wird rund um die Uhr bewacht.

          Was werden Sie den Anwohnern bieten?

          In den Notunterkünften kann man sich im Warmen aufhalten. Auch für Essen und Trinken ist gesorgt. Wir bitten aber die Menschen, eine Decke und gegebenenfalls ihre Medikamente mitzunehmen und den Personalausweis mit sich zu führen.

          Hätte man die Aktion nicht auf nach Weihnachten legen können?

          Es wurde alles erwogen. Der Räumdienst empfahl, die Bombe schnell zu entschärfen. Da haben wir uns für den ersten Weihnachtsfeiertag entschieden.

          Was machen Sie an Heiligabend?

          Die Organisation läuft auf Hochtouren, so dass ich auch dann in der Einsatzzentrale bin. Aber ein wenig Zeit bleibt mir, um die Geburt Christi zu feiern.

          Haben Sie noch ein Wort an Augsburg?

          Ich wünsche den Augsburgern trotz der Umstände frohe und gesegnete Weihnachten. Zusammen stehen wir das durch.

          Die Fragen stellte Matthias Hertle.

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