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Webserie „Eva Stories“ : „Was, wenn ein Mädchen im Holocaust Instagram gehabt hätte?“

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Ein Ausschnitt aus den „Eva Stories“: Eva berichtet über das Leben im Ghetto. Bild: Screenshot instagram.com/eva.stories

Wie bringt man jungen Menschen den Holocaust näher? Über soziale Netzwerke, glaubt ein israelischer Regisseur – und hat das Tagebuch eines jungen Mädchens, das 1944 in Ausschwitz ermordet wurde, als Instagram-Story verfilmt.

          Skeptisch betrachtet sich das Mädchen in der Selfie-Kamera, ihre Mutter zupft an ihrem Mantel herum. Schließlich stellt sie das Gerät ab und macht einen Schritt zurück, um sich auf dem Bildschirm fast in voller Größe ansehen zu können. „Nein“, sagt sie. „Das ziehe ich nicht an.“

          Was anmutet wie ein normaler Mutter-Tochter-Streit über Kleidung, den der Teenager in seiner Instagram-Story postet, weil viele das heutzutage eben so machen, ist ein Ausschnitt aus der Instagram-Webserie „Eva Stories“. Sie erzählt die Geschichte der 13 Jahren alten Eva Heymann aus Ungarn, die 1944 im deutschen Vernichtungslager Ausschwitz ermordet wurde. Seit Mittwoch haben die Produzenten die Videos in englischer Sprache auf Instagram hochgeladen. Es ist eine neue Form des Gedenkens an den Holocaust in Israel: Eva möchte ihren Mantel nicht tragen, weil dort nun der gelbe Judenstern prangt.

          Zum Holocaust-Gedenktag in Israel am Donnerstag soll die Webserie an das Leben von Eva Heyman erinnern – und an die rund sechs Millionen im Holocaust ermordeten Juden. Das ungewöhnliche Projekt stößt auf weltweites Interesse. Am Donnerstagmittag hatte der Account schon mehr als 800.000 Abonnenten.

          Die 13 Jahre alte Eva Heymann führte mehrere Monate Tagebuch, die deutsche Übersetzung hat den Titel „Das rote Fahrrad“.

          Die Story basiert auf Evas Tagebuch

          Initiator und Regisseur ist der israelische Geschäftsmann Matti Kochavi, der nach Medienberichten mehrere Millionen Schekel investiert hat. „Eva Stories“ basiert auf dem Tagebuch des jungen Mädchens, das die letzten Monate seines Lebens schildert, und stellt die Frage: „Was, wenn ein Mädchen im Holocaust Instagram gehabt hätte?“

          Die Geschichte wird chronologisch anhand von Evas Tagebucheinträgen erzählt. Sie zeigt den Weg vom glücklichen Leben eines Teenagers mit ihren Freundinnen und ihrer ersten Liebe, bis hin zur Konfrontation mit gesellschaftlichem Antisemitismus, die ersten Deportationen von Freunden und Verwandten in Ghettos und letztlich zur eigenen Deportation. Trotz schrecklicher Erlebnisse verliert Eva ihren Optimismus nicht und hofft bis zuletzt, dass die Russen sie befreien und vor den Nazis schützen werden. Die Art der Dokumentation – Storys, die auf einzelnen Einträgen basieren – gibt besonders jungen Zuschauern einen intimen Einblick in Evas Leben. 

          Eva Heyman war 13 Jahre alt, als sie begann, ihr Tagebuch zu führen, schrieb dieses aber nur einige Monate bis zu ihrer Deportation im Mai 1944 nach Auschwitz, wo sie im Oktober ermordet wurde. Das Mädchen wird von der Schauspielerin Mia Quiney dargestellt.

          „Ich habe das Gefühl bekommen, als sei Eva meine Freundin“

          An der Einfahrt nach Tel Aviv werben riesige Plakate für das Projekt. Die verschiedenen Videos wurden unter anderem im ukrainischen Lwiw aufgenommen. Für die Story wurde etwa eine Szene mit der Ankunft von mehr als 40 deutschen Panzern gefilmt, die Eva in ihrer Heimatstadt miterlebt hatte.

          Ziel des Projekts ist es, auch jüngeren Menschen einen besseren Zugang zur Geschichte des Holocaust zu verschaffen. Eine junge Israelin sagte dem israelischen Fernsehen nach dem Start des Projekts, die Storys hätten sie persönlich berührt. „Ich habe das Gefühl bekommen, als sei Eva meine Freundin.“

          Initiator Kochavi erklärt seine Entscheidung für diese Plattform mit dem aktuellen Trend junger Nutzer zu sozialen Medien. „Die Jugend ist heute auf Instagram, während die Jugend zu meiner Zeit Zeitungen las und Fernsehen schaute“, sagte er dem israelischen Fernsehen.

          „Im digitalen Zeitalter, in dem die Aufmerksamkeitsspanne kurz und das Bedürfnis nach Nervenkitzel hoch ist, ist es extrem wichtig, neue Modelle der Zeugenaussagen und Erinnerung zu finden – auch angesichts der sinkenden Zahl von Holocaust-Überlebenden“, sagte Kochavi. In sozialen Medien sind die Reaktionen aber gemischt. Neben Lob gibt es auch Kritik, die Webserie behandele das Thema Holocaust zu oberflächlich. In der Story werden auch Hashtags, Sticker und Emojis verwendet, die manchmal befremdlich wirken.

          Nach Meinung der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ist die Nutzung sozialer Medien für das Holocaust-Gedenken aber „legitim und effektiv“.

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