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Eva Longoria : „Was gerade in Alabama passiert ist verrückt, archaisch, nicht amerikanisch“

Schauspielerin, Regisseurin, Produzentin und Mutter: Eva Longoria beim 72. Cannes Film Festival Bild: EPA

Die ehemalige „Desperate Housewives“-Darstellerin spricht in Cannes darüber, wie sie es geschafft hat, als Produzentin und Mutter Filme zu machen und welche neuen Pläne die „Times up“-Bewegung hat.

          Eva Longoria sollte man nicht unterschätzen. Wer am Donnerstagmorgen beim „Women in Motion“-Gespräch in Cannes - wo Schauspielerinnen und Filmemacherinnen von ihrer Arbeit erzählen – erwartete, eine Frau zu treffen, die sich seit ihrer Rolle in der TV-Serie „Desperate Housewives“ nicht weiterentwickelt hat, wurde eines Besseren belehrt. Auch wenn einige Journalisten sich Fragen zu Desperate Housewives nicht verkneifen konnten.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Welche Dinge sie denn vom Set behalten habe und wie das mit dem Serien-Ruhm für sie war, fragte etwa ein Journalist. Und weil Longoria ein Profi ist, antwortete sie darauf mit gelassenem Lächeln: „Ich habe ein paar Kleider behalten, aber die passen mir nicht mehr. Und ich erinnere mich, wie wir das erste Mal auf Pressetour mit dem Housewives-Team in Großbritannien waren und dort schreiende Menschen das Hotel belagerten. Ich dachte, Bono oder irgendein Star sei hier. Dann erklärte man uns, dass die alle wegen uns da waren.“ 

          Von solchen kurzen Ausflügen in die Vergangenheit (das Serienfinale lief immerhin schon 2012) einmal abgesehen, sollte es bei diesem Gespräch um die Arbeitsbedingungen als Frau im Filmgeschäft gehen. Wie weit Longoria seit den Auftritten als Schauspielerin der TV-Serie gekommen ist, stellte schon die Begrüßung des Moderators heraus: „Sie sind heute Regisseurin und Produzentin und Schauspielerin“, sagte er, als Longoria in der Suite des Majestic Hotels vor einem großen Balkonfenster mit Blick über die Strandpromenade und den Festivalpalast in Cannes Platz nahm.

          Action mit Baby an der Brust

          „Naja, und Mutter bin ich auch noch“, sagte Longoria schlagfertig und erzählte dann bestens gelaunt, wie sie es geschafft hat, all diese Rollen miteinander zu verbinden. „Ich habe das Baby einfach mit ans Set genommen. Es gibt tolle Bilder von mir, wie ich als Regisseurin ‚Action‘ rufe und meinen Sohn währenddessen an der Brust habe, um ihn zu stillen.“ Und warum sei sie überhaupt Produzentin geworden? „Ich bin sehr gut darin, Leuten zu sagen, was sie machen sollen“, sagt Longoria und lacht wieder. Dann erzählt sie, dass sie sich als Schauspielerin am Set von „Desperate Housewives“ unterfordert gefühlt habe, ihre Arbeit aber dazu nutzte, um alles über Filmproduktion, Kameraarbeit und Beleuchtung zu lernen. 

          Heute produziert sie selbst Filme und legt dabei großen Wert darauf, weitere Frauen in der Filmbranche für ihre Projekte heranzuholen. „Diversität ist bislang nur eine Box, die alle gern abhaken wollen. Die Gatekeeper in Hollywood sind noch immer männlich, das ist eine patriarchale Hierarchie.“ Und in der sei es schwer als Frau in hohe Positionen zu gelangen und dort direkt etwas zu ändern. „Wenn man als Frau einen Fehler macht, wenn ein Projekt schiefgeht, dann ist man weg vom Fenster, dann wird man keine zweite Chance bekommen. Männern passiert das nicht.“  

          Gleiche Arbeitsbedingungen noch weit entfernt

          Longoria hatte sich früh für die „MeToo“- und „Times Up“-Bewegung engagiert. Heute könne sie Natalie Portman oder Reese Witherspoon anrufen, wenn sie wissen will, wie die Arbeit mit einem bestimmten Studio ablief. „Das ist das Großartige an dieser Bewegung, die Frauen reden jetzt miteinander.“ Von gleichen Arbeitsbedingungen sei man aber noch weit entfernt. „Ich habe vor kurzem wieder herausgefunden, dass ich bei einem Filmprojekt nicht gleich bezahlt wurde wie meine männlichen Kollegen. Aber das betrifft nicht nur die Schauspielbranche, sondern alle Berufe von der Krankenschwester bis zur Anwältin“, so Longoria. 

          Derzeit überlege sie mit anderen „Times Up“-Aktivistinnen, wie man sich mit Blick auf die nächsten Wahlen in Amerika weiter politisch engagieren könne. „Was gerade in Alabama passiert ist verrückt, archaisch, nicht amerikanisch“, so Longoria über ein neues Gesetz, das seit Mittwoch in dem Bundesstaat Abtreibung jeglicher Art verbietet. Man überlege daher, ein Ranking der Senatoren und politischen Kandidaten bezüglich ihrer Positionen zu Themen wie Abtreibung oder gleicher Bezahlung für Frauen und Männer aufzustellen. „Was genau wir tun werden, diskutieren wir gerade noch“, so Longoria. 

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