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Eva Herman über ihr neues Buch : „Eigentlich kann ich dankbar sein“

„Es war richtig und wichtig, zu Kerner zu gehen”: Eva Herman bereut nichts Bild: Florian Sonntag

Auf 281 Seiten erzählt die einst brave Moderatorin, wie sie vom Fernsehliebling zur Skandalfigur wurde. Sie sieht sich als Medienopfer. Man muss ihr Weltbild nicht teilen, um zuzugeben: Ganz falsch ist das nicht.

          Die Terrasse des Fünf-Sterne-Hotels an der Elbchaussee ist verwaist, nur eine blonde Frau im dunklen Mantel lehnt am Geländer und posiert für das Foto. Der Himmel über Hamburg ist bewölkt, aber das ist ihr ganz recht: Sie sei, sagt sie, sehr lichtempfindlich. Das ist ungewöhnlich für jemanden, der mehr als zwanzig Berufsjahre im Scheinwerferlicht des Fernsehens verbracht hat - aber gewöhnlich ist an der Karriere Eva Hermans schon lange nichts mehr.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Eva Herman hat ein neues Buch geschrieben. Vor gar nicht langer Zeit war das noch eine Nachricht, welche die Medien elektrisierte. Wenn Eva Herman ein Buch vorstellte, drängten sich die Journalisten im Raume und harrten der saftigen Sequenzen, die die Autorin ihnen verlässlich lieferte. Zumindest, seit sie keine Frauenromane mehr schrieb, sondern antifeministische Abhandlungen, die Aufsehen erregten, weil die prominente Verfasserin als klassische Karrierefrau galt. Dass gerade sie nun eine neue Weiblichkeit forderte, womit im Grunde eine ganz alte gemeint war, garantierte Schlagzeilen mit Empörungspotential. Die einst brave, allseits beliebte „Tagesschau“- Sprecherin und Moderatorin hatte ihr zweites öffentliches Leben als umstrittene Bestseller-Autorin begonnen. Das dritte sollte sich nahtlos anschließen: als Skandalfigur.

          Binnen Tagen verlor sie fast alles

          Am 7. September 2007 begann, was Herman „eine der traumatischsten Phasen meines Lebens“ nennt. Am Tag zuvor hatte sie auf einer Pressekonferenz in Berlin ihr Buch „Das Prinzip Arche Noah“ vorgestellt, was in den Medien kritisch bis spöttisch kommentiert wurde. Alles ganz normal also, wäre da nicht der Artikel im „Hamburger Abendblatt“ gewesen. Dessen Berichterstatterin wies auf Hermans „Schlenker zum Dritten Reich“ hin: „Da sei vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler, aber einiges eben auch sehr gut. Zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter.“ Es brach die Hölle los. „Ist Eva Herman braun oder nur doof?“, titelte „Bild“, Kolumnist Franz Josef Wagner schimpfte sie „dumme Kuh“.

          Was Herman heute als „eine der traumatischsten Phasen meines Lebens” bezeichnet, begann mit der Vorstellung ihres Buches „Das Prinzip Arche Noah”

          Ein Interview in der „Bild am Sonntag“ machte alles nur noch schlimmer; die Achtundsechziger, klagte Herman da, hätten Werte „wie Familie, Kinder und das Mutterdasein, die auch im Dritten Reich gefördert wurden“, abgeschafft. Solche Aussagen sind unerträglich, weshalb Herman trotz aller Dementis binnen Tagen fast alles verlor: ihren Job beim NDR, etliche Verträge und ihren seinerzeit noch halbwegs guten Ruf. Was noch folgte, war der 9. Oktober 2007, der Fernsehgeschichte schreiben sollte: als der Tag, an dem der Beichtvater Johannes B. Kerner die gar nicht reumütige Sünderin Eva Herman aus seiner Talkshow hinauswarf.

          Will man das alles lesen? Durchaus

          Gut zweieinhalb Jahre später sitzt die freischaffende Publizistin Eva Herman, 51, auf der Hotelterrasse, trotzt der Hamburger Frische und spricht über ihr neues Buch. „Die Wahrheit und ihr Preis“ heißt es und soll helfen, „den hässlichen Makel, der mit drückender Ungerechtigkeit mir und meinen Anverwandten auferlegt wurde, nach teilweise unerträglicher und leidensreicher Zeit wegzureißen und zu vernichten“. Auf 281 Seiten schreibt Herman darüber, wie sie zur Persona non grata wurde, knapp hundert allein über die Kerner-Sendung. Will man das alles lesen, diese epische Litanei über Vorfälle, die lange zurückliegen? Die Antwort, überraschend vor allem dann, wenn man Hermans Weltbild in weiten Teilen ablehnt, lautet: durchaus. Und vor allem jene, die sich für Medien interessieren oder selbst in ihnen arbeiten, sollten es tun. Denn auch wenn Herman abermals befremdliche Theorien aufstellt und selbst alles andere als ein hilf- und schuldloses Opfer ist, muss man doch konstatieren, dass ihr viel Unrecht geschehen ist.

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