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Eurovision Song Contest : Our sweet Lady Jane

Pop-Dozentin mit Grand-Prix-Ambitionen: Jane Comerford Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Nur noch wenige Tage bis zum Grand Prix. Deutschland setzt seine Hoffnungen auf „Texas Lightning“ mit Comedian Olli Dittrich am Schlagzeug. Der echte Clou aber ist Frontfrau Jane Comerford.

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          Links geht's zur Evangelischen Kirchenmusik. Rechts zur Bewegungserziehung II. Am Ende des Gangs steht eine Tür offen, die nach draußen führt, zwei Studenten rauchen. „Hi guys“, sagt Jane. „Hallo Jane“, sagen die Guys. Jane lächelt und betritt ihr Arbeitszimmer. Der Raum erinnert an eine Turnhalle. Oder einen Ballettsaal: Eine Wand ist verspiegelt. Jane Comerford weiß, was sie will. Das Xylophon muß weg, die Trommeln kommen in eine Ecke, und der Flügel, an den sich die Komponistin setzen möchte, wird in die Mitte geschoben. Damit sie sich, wie sie sagt, in den Spiegeln sehen kann, während sie fotografiert wird. Sie achtet darauf, daß die schwarze Lederjacke die Cowboyschnalle nicht verdeckt (auf den Fotos hält Jane dann doch ihren Arm davor), und sie zupft die Jeans zurecht, damit sich obenrum keine Falten bilden und untenrum die Cowboystiefel hervorschauen. Eitel aber wirkt sie dennoch nicht. Die an ihr ungewohnte rote Hornbrille behält sie auf. Vielleicht vergißt sie die Brille auch einfach, denn in der Hamburger Hochschule für Musik und Theater ist sie ja nicht die Sängerin der Countryband „Texas Lightning“, hier ist sie Dozentin - für den „Kontaktstudiengang Popularmusik“.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Ihr Weg schien vorgezeichnet: Jane Comerford, die Australierin, die schon als Kind im Rindermist stand, während ihr Vater, der Viehauktionator, auf die Geheimzeichen der Rancher achtgab, wenn sie ihre Bestände auffrischten, wollte Musikerin werden und singt heute - was sonst? - Country. An diesem Sonntag fährt sie mit „ihren“ vier Cowboys zur Endausscheidung des „Eurovision Song Contest“ (ESC) nach Athen. Das Besondere an der Band aus Hamburg: Am Schlagzeug sitzt Olli Dittrich, seit Anfang der Neunziger als Comedian und - unter anderen zusammen mit Wigald Boning - als Liedermacher bekannt (“Mief! Nimm mich jetzt, auch wenn ich stinke“). Doch mit Gunter Gabriel oder Dolly Parton verbindet Jane Comerford kaum etwas. Und die eigentliche Sensation an „Texas Lightning“ ist ausnahmsweise nicht Olli „Dittsche“ Dittrich, der für viele berühmte Fernsehstar, sondern die gut zwei Jahre jüngere und den meisten bis vor wenigen Wochen noch nicht vertraute Frontfrau der Hamburger Band.

          Klavier und Geige Teil der Erziehung

          Vater Comerford war kein Rancher. Der Bruder hingegen hat mittlerweile im australischen Bundesstaat Queensland eine Rinderfarm, die so groß ist, daß das Vieh mit Hubschraubern zusammengetrieben werden muß. Jane Comerford, die aus der Hafenstadt Newcastle in New South Wales stammt, hat vier Geschwister. Chopin, Bach, aber auch der vom Vater geliebte Jazz hätten damals in der Luft gelegen, sagt Comerford. Zur Kindererziehung gehörte nicht etwa Bullenreiten und Lassowerfen, sondern - und das war für australische Familien zumindest in den fünfziger Jahren nicht ungewöhnlich - regelmäßiger Klavier- und Geigenunterricht. Schon mit drei Jahren improvisierten Vater Comerford und Tochter Jane Songs von Doris Day und Louis Armstrong. Später stritten sich die fünf Geschwister um das eine für alle verfügbare Piano und darum, wer schon vor der Schule üben durfte. Nicht etwa, weil es ihnen immer so viel Spaß gemacht hätte. Nachmittags aber ging es oft zum Strand.

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