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Essen : Else Beitz gestorben

Gleichberechtigt: Else und Berthold Beitz im Jahr 2003 im Park der Villa Hügel in Essen. Bild: Barbara Klemm

Die Witwe des im vergangenen Jahr verstorbenen Berthold Beitz ist tot. An der Lebensleistung ihres Mannes hatte auch sie ihren Anteil. Vor einer Woche starb Else Beitz im Alter von 94 Jahren in Essen.

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          An den Heldentaten, welche die Lebensleistung von Berthold Beitz so außerordentlich machen, hatte sie gleichberechtigten Anteil. Else Beitz, geborene Hochheim, lernte den späteren Generalbevollmächtigten von Krupp 1938 in ihrer Heimatstadt Hamburg kennen und heiratete ihn mit 19 Jahren.

          Andreas Rossmann
          Freier Autor im Feuilleton.

          Ihren Mann bestärkte sie, als er, damals kaufmännischer Direktor der Karpaten-Öl AG in Boryslaw, von 1942 an mehrere hundert jüdische Zwangsarbeiter vor dem Vernichtungslager bewahrte, und versteckte jüdische Kinder in der Dienstvilla. Das mutige Verhalten wurde einer größeren Öffentlichkeit erst 1973 bekannt, als die israelische Gedenkstätte Yad Vashem den Manager, der seit 1953 an der Spitze des Essener Stahlkonzerns stand, in die Liste der „Gerechten unter den Völkern“ aufnahm.

          Erst 2008 wurde auch seiner Frau diese Ehre zuteil. Da hatte die Tochter eines aktiven Gewerkschaftlers längst begonnen, ihren Bildungshunger zu stillen, und nachgeholt, wofür ihr die Erziehung der drei Töchter und das rege gesellschaftliche Leben keine Zeit gelassen hatten.

          Im Alter von 58 Jahren machte sie 1978 ihr Abitur, studierte zunächst Psychologie in Bochum und nach ein paar Semestern Erziehungswissenschaften in Essen, legte 1985 das Diplom ab und wurde 1993 über ein Thema promoviert, das nahelag und zugleich ihre Selbständigkeit betonte: „Industriepädagogik in den Großbetrieben des 19. und beginnenden 20.Jahrhunderts, dargestellt am Beispiel der Firma Fried. Krupp“. Privilegien hat die späte Studentin entschieden abgelehnt. Ihren jungen Kommilitonen versuchte sie zu verheimlichen, wer sie ist. Ihre Promotionsurkunde bekam sie dennoch nicht vom Dekan, sondern vom Rektor überreicht, weil sie die älteste Doktorandin in der Geschichte der Universität Essen war.

          Schon am 14.September, etwas mehr als ein Jahr nach ihrem Mann, der am 30.Juli 2013 starb, ist Else Beitz, wie erst jetzt bekannt wurde, im Alter von 94 Jahren in Essen gestorben.

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