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ESC-Sieger Duncan Laurence : „Ohne Impfstoff kein ESC 2021“

Duncan Laurence, niederländischer Sänger und Gewinner des Eurovision Song Contest 2019 Bild: Jana Mai

Eigentlich hätte er heute wieder auf der ganz großen Bühne des Eurovision Song Contests stehen sollen. Vorjahressieger Duncan Laurence über Zukunftspläne, die Pop-Metropole Los Angeles und sein Treffen mit Königin Máxima.

          3 Min.

          Herr Laurence, was machen Sie an diesem Samstag?

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Ich habe heute Abend einen besonderen Auftritt in der Show „Europe Shine A Light“ und stelle mein neues Lied „Someone Else“ vor. Es ist schön, Teil einer Show zu sein, die alle Teilnehmer und ihre Lieder aus diesem Jahr vorstellt. Und ich bin froh, dass es in Corona-Zeiten wenigstens einen kleinen Ersatz für den Eurovision Song Contest gibt, der Europa, Australien und allen ESC-Fans, die sich auf das diesjährige Finale gefreut haben, ein bisschen Freude und Hoffnung schenkt.

          Findet die Show in Rotterdam statt?

          Nein, in Hilversum, wo die meisten niederländischen Fernsehsender ihren Sitz haben. Ich werde in einem Studio allein an meinen Klavier sitzen und singen. Mehr darf ich aber nicht verraten.

          Eigentlich wäre heute Abend das Finale der größten Fernsehunterhaltungsshow der Welt gewesen. Und Sie wären als Vorjahressieger des ESC aufgetreten.

          Auch dazu darf ich nichts sagen, denn wir hoffen, dass das Finale im nächsten Jahr in Rotterdam stattfinden kann, so wie es jetzt geplant war. Nur so viel: Im ersten Halbfinale, das am Dienstagabend stattgefunden hätte, sollte ich mein Siegerlied „Arcade“ singen und heute im Finale ein neues Lied von mir präsentieren.

          Für nächstes Jahr müssen Sie dann wieder ein neues Lied schreiben.

          Ja, aber das ist kein Problem. Ich will in den nächsten Monaten eine ganze Reihe neuer Lieder veröffentlichen, an denen ich in den vergangenen Monaten gearbeitet habe. Auf meiner neuen EP „Worlds On Fire“ sind fünf Lieder. Und weitere sind schon in Arbeit.

          In der Ahoy-Arena in Rotterdam, in der das ESC-Finale stattfinden sollte, befand sich zuletzt eine Krankenstation für mögliche Corona-Patienten. Waren Sie einmal dort?

          Ich war einige Monate in Los Angeles und kam erst vor kurzem wieder zurück. Ich lebe auch nicht in Rotterdam, sondern in Amsterdam. Bisher sollten wir nicht einfach hinaus auf die Straße. Es war also nicht möglich, die Arena zu besuchen.

          Nach dem Finale im vergangenen Jahr in Tel Aviv rechneten Sie damit, dass das diesjährige Finale in Amsterdam stattfinden würde. Waren Sie enttäuscht, als Rotterdam ausgewählt wurde?

          Überhaupt nicht. Amsterdam ist die größte Stadt in den Niederlanden, deswegen rechnete ich nicht unbedingt mit Rotterdam, wo ich herkomme.

          War das womöglich einer der Gründe, warum es Rotterdam wurde?

          Darauf haben ESC-Gewinner keinen Einfluss. Es gibt aber vieles, was für Rotterdam spricht: Es ist eine junge und moderne Metropole und zählt sicher zu den angesagtesten Städten der Welt. In ihr finden einige der größten Musikfestivals statt – wie etwa das North Sea Jazz Festival. Amsterdam dagegen ist klein, was Infrastruktur, Plätze, Straßen angeht, und hatte zudem viel mit der Rückkehr der Formel 1 nach Zandvoort zu tun. Anfang Mai sollte erstmals nach 35 Jahren wieder der Große Preis der Niederlande vor den Toren Amsterdams ausgetragen werden, wurde aber auch abgesagt und verschoben. Zwei Großereignisse wären wohl zu viel für die Stadt gewesen.

          Findet der ESC 2021 in Rotterdam statt?

          Das hoffe ich, aber ich fürchte, ohne einen Impfstoff wird auch nächstes Jahr kein ESC stattfinden.

          Sie sind der erste ESC-Gewinner, der zwei Jahre lang hintereinander die Krone tragen darf. Bringt das Vorteile?

          Mich können noch mehr Menschen kennenlernen und meine Musik erleben, die ihnen hoffentlich Freude in diesen gruseligen Zeiten bereitet. Schon die vergangenen zwölf Monate waren total verrückt. Ich war ständig unterwegs, habe Konzerte gegeben und bin auf großen Festivals wie dem Pinkpop hier in den Niederlanden aufgetreten. Und ich bekam die Chance, nach Los Angeles zu gehen, wo ich einen Vertrag mit Capitol Records unterschrieben habe und nun mit tollen Leuten zusammenarbeiten kann. Ohne den ESC wäre das alles nicht möglich gewesen.

          Sie waren in Los Angeles, als die Pandemie zum globalen Problem wurde.

          Schon Mitte März gab es in Los Angeles den Lockdown, früher als in den Niederlanden. Ich konnte dennoch meine EP beenden, bevor ich zurückfliegen musste. Danach war ich, wie vorgeschrieben, zwei Wochen in Quarantäne.

          Warum waren Sie in Los Angeles?

          Los Angeles ist für mich die Popmusik-Metropole der Welt – neben Stockholm. Wer gute Popmusik machen will, muss nach Los Angeles oder Stockholm gehen. Los Angeles ist voller kreativer Leute, für mich war das Leben dort eine tägliche Inspiration. Zudem konnte ich dort wegen der Zeitverschiebung in Ruhe arbeiten, ohne von Anrufen oder Mails aus Europa abgelenkt zu sein.

          Wer ist Ihr Produzent? Etwa Timbaland?

          Wir würden wohl nicht zusammenarbeiten, wir kommen musikalisch von zwei unterschiedlichen Planeten. Obwohl es vielleicht ganz lustig wäre, zu sehen, was dabei herauskäme. Ich habe vor allem mit Bram Inscore gearbeitet, der nicht so extrovertiert ist wie Timbaland, und mit Brett „Leland“ McLaughlin, der schon für Künstler wie Selena Gomez, Ariana Grande, Troye Sivan und Martin Garrix Lieder geschrieben hat. Erst gestern haben wir telefoniert und ausgemacht, schon bald wieder an neuen Liedern für ein Album zu arbeiten.

          Hatten Sie in den vergangenen Monaten auch Gelegenheit, ihren berühmtesten Fan zu treffen, König Willem-Alexander?

          Ja. Er und seine Frau Máxima haben mich zum Mittagessen in den Palast eingeladen. Die beiden interessieren sich sehr für Musik und haben mit mir darüber gesprochen, wie der ESC Kinder inspirieren kann. In vielen Schulen in den Niederlanden findet kein Musikunterricht mehr statt. Das will Willem-Alexander ändern, und er bat mich, ihn zu unterstützen.

          Hat der König Ihnen verraten, ob er das Finale im vergangenen Jahr gesehen hat?

          Willem-Alexander und Máxima hatten Freunde eingeladen, um sich das Finale in Tel Aviv zusammen anzusehen. Máxima hat mir gesagt, dass es das erste Mal gewesen sei, dass sie sich das Finale bis zum Schluss angesehen hätten.

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