https://www.faz.net/-gum-8fycs

Deutscher Adel : Was macht der Prinz heute?

Junger Mann in alten Gemäuern: Erbprinz Ernst August von Hannover im Schloss Marienburg, dem Familienstammsitz. Bild: Daniel Pilar

Ein sündhaft teures Schloss, ein streitbarer Vater, ein unklares Geschäftsmodell und nun auch noch Panama-Gerüchte: Wie Ernst August von Hannover trotz allerlei Schwierigkeiten sein Haus zu neuem Glanz führen will.

          10 Min.

          Die Monarchie ist weg, die meisten Güter im Osten sind ebenfalls weg, und den Unterschied zwischen einem Großherzog und einem Landgrafen kennt mit Ausnahme von Historikern auch kaum jemand mehr. Vermutlich weiß nicht einmal der Adel selbst, was es heutzutage heißt, adelig zu sein. Hat man einen Siegelring zu tragen? Sollte man regelmäßig in den Klatschspalten der Boulevardpresse auftauchen? Oder reicht es, in einer Trachtenjoppe durch einen Wald zu laufen, der möglichst der eigene ist?

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Dem Erbprinzen Ernst August von Hannover bleibt zumindest die Frage erspart, ob er sich zum Adel zählen darf. Seine Familie, die Welfen, gelten als das älteste Adelsgeschlecht Europas. Sie stellten in ihrer langen Geschichte Kaiser, Könige, Herzöge und Fürsten. Die Welfen herrschten über das Heilige Römische Reich, über Griechenland und zwei Jahrhunderte lang über das britische Empire. Das „Haus Hannover“ zählt zur Crème des europäischen Hochadels. Nur: Was heißt das heute?

          Aneinanderreihung schmerzhafter Nackenschläge

          Die Unsicherheit darüber ist dem 32 Jahre alten Erbprinzen Ernst August anzumerken. Er empfängt seine Gäste auf der Marienburg, dem einige Kilometer südlich von Hannover gelegenen Stammsitz der Familie. Mit seinen unzähligen Türmchen, Spitzen und Giebeln erhebt sich das Schloss aus der Ferne eindrucksvoll über dem Tal der Leine. Kein echtes Mittelalter natürlich, sondern eine neogotische Suggestion: Neuschwanstein-Effekt in Niedersachsen.

          Die Spannung, in der sich die Welfen bewegen, wird bereits auf dem Hof augenfällig: Die Schlossgastronomie wurde von einem Automatenhersteller angemietet, der vor der malerischen Burgkulisse seine bunt blinkenden Geldschlucker präsentiert. Der Erbprinz schaut verlegen.

          Ernst August ist nicht weit von hier, in Hildesheim, geboren worden. Aufgewachsen ist er allerdings in London, wo er auch heute noch die meiste Zeit des Jahres verbringt. Von dort pendelt er alle paar Tage nach Hannover und ab und an nach Österreich, wo seine Familie ebenfalls ein Schloss besitzt. Der junge Mann, der ein Internat in Worcestershire besucht hat und in New York Volkswirtschaft studiert hat, kümmert sich um die Besitzungen der Welfen und versucht, die Erlöse aus Ackerland, Forstbesitz und den alten Immobilien zu steigern. Dem Augenschein nach zu urteilen verfügen die verschwiegenen Welfen noch immer über ein beträchtliches Vermögen. Jedoch ist es gemessen an dem, was sie einst hatten, sehr wenig. Denn die vergangenen 150 Jahre waren für die Welfen eine Aneinanderreihung schmerzhafter Nackenschläge.

          Bedeutung des welfischen Erbes in der Region

          Bis zum Jahr 1837 war der Chef des Hauses Hannover sowohl König von Hannover als auch Herrscher über das britische Empire. Mit der Auflösung dieser Personalunion setzte für die Welfen ein unaufhaltsamer Niedergang ein. 1866 rissen sich die Preußen das Königreich Hannover unter den Nagel. 1901 lösten die Windsors die Welfen auf dem englischen Thron ab. 1919 wurde in Deutschland der Adel aufgehoben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die umfangreichen Besitztümer der Welfen in der sowjetischen Besatzungszone enteignet. Zum Nachteil sollte den Welfen zudem gereichen, dass sie sich auf ungute Weise mit den Nationalsozialisten eingelassen hatten. Das damalige Familienoberhaupt Herzog Ernst August hofierte Adolf Hitler und profitierte auch finanziell von dessen Politik. Das Haus Hannover soll über eine Firma an der Produktion geplanter Wunderwaffen beteiligt gewesen sein, bei der Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Auch wird Herzog Ernst August vorgeworfen, sich die verbrecherische Verfolgung jüdischer Unternehmer zunutzegemacht haben, indem er deren Firmen unter Wert kaufte. Ein entsprechender Bericht des NDR verursachte in Niedersachsen vor zwei Jahren erheblichen Wirbel. Nicht alle Vorwürfe waren neu. Schon vor 15 Jahren hatte Ernst August senior, der Vater des Erbprinzen und bis heute auf dem Papier Oberhaupt der Welfen, eine historische Aufarbeitung möglicher brauner Verflechtungen der Familie versprochen. Nur löste er diese Zusage niemals ein, was das abermalige Lautwerden der Vorwürfe für seinen Sohn umso unangenehmer machte.

          Es ist beileibe nicht nur untertänige Verehrung, die dem Erbprinzen im Stammland der Welfen begegnet. Wenn Ernst August junior aus England nach Hannover reist, betritt er ein für ihn schwieriges Geläuf. Um zu erkennen, dass das welfische Erbe in der Region an Bedeutung sogar noch hinzugewonnen hat, braucht man in Hannover nur ein paar Schritte aus dem Hauptbahnhof heraustreten auf den Ernst-August-Platz. Dominiert wird die halbrunde Fläche traditionell von einem Reiterstandbild Königs Ernst August I. in Kavallerieuniform. Seit einigen Jahren firmiert jedoch auch die einstige Königliche Eisenbahndirektion zu seiner Linken unter den Namen „Ernst-August-Carrée“. Und zu seiner Rechten steht ein neuerbautes Shoppingcenter, dem man den Namen „Ernst-August-Galerie“ verpasst hat.

          Bis heute übel genommen

          Der geschichtsträchtige Name liegt im historisch sonst eher flachwurzeligen Niedersachsen im Trend. Andererseits wurde im Bezirksrat erst jüngst über eine Entwidmung des Platzes diskutiert. Und in Göttingen wird der dortige Bahnhofsvorplatz seit kurzem von einem Standbild geschmückt, das sich ganz offen als Gegenbild zum Hannoveraner Ernst-August-Standbild zu erkennen gibt. Zu sehen ist ein leerer Sockel ohne Ross und Reiter, auf dem statt des Namens von König Ernst August I. die Namen jener sieben Göttinger Professoren eingraviert sind, die 1837 gegen die Aufhebung der Verfassung durch den Herrscher protestierten und von diesem hart dafür bestraft wurden. Das Erbe der Welfen ist ein zwiespältiges und entzweit die Niedersachsen bis heute.

          Ernst August von Hannover, Vater des Erbprinzen, mit Gattin Caroline von Monaco.
          Ernst August von Hannover, Vater des Erbprinzen, mit Gattin Caroline von Monaco. : Bild: dpa

          Nach dem NDR-Bericht über die braunen Verstrickungen der Welfen wurde in den Leserbriefspalten der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ deshalb auch ausführlich auf jene Vorkommnisse aus der jüngeren Vergangenheit verwiesen, die man dem alten Herrscherhaus bis heute übelnimmt. Etwa die Versteigerung des aus Welfenbesitz angeblich verschwundenen Evangeliars Heinrich des Löwen im Jahr 1983. Damals ersteigerte das Land Niedersachsen mit Hilfe des Bundes, des Freistaats Bayern und Spenden der Bürger diesen herausragenden Kulturschatz aus dem zwölften Jahrhundert für 32,5 Millionen Mark, nachdem er bei Sotheby’s zur Versteigerung angeboten worden war. Schon damals galt die Vermutung als naheliegend, dass hinter den unbekannten Anbietern – zumindest mittelbar – die Welfen standen. Ein bei der Rückholung des Evangeliars an entscheidender Stelle Beteiligter vermutet in der Rückschau, die englischen Royals hätten den Welfen nach dem Krieg finanziell aus der Misere geholfen, aber ihr Geld irgendwann wiedersehen wollen. Aufgeklärt ist die Angelegenheit nicht, auch der Erbprinz sieht auf Nachfrage dafür keine Notwendigkeit: „Ob die Familie involviert war oder nicht, darüber möchte ich nicht spekulieren.“

          „Ich bin kein Sprachmensch, das weiß ich“

          Verstört ist man in Niedersachsen bis heute noch über eine weitere Auktion. 2005 ließen die Welfen auf der Marienburg von Sotheby’s mehr als 20.000 Objekte aus ihrem Besitz versteigern und erlösten dabei rund 44 Millionen Euro. Der Onkel des Erbprinzen, Prinz Heinrich, der in Göttingen einen historischen Verlag betreibt, prangerte die Auktion öffentlich als „Ausverkauf des kulturellen Erbes“ an. Einlieferer der Auktionsgegenstände war damals schon der junge Erbprinz. Der einem breiten Publikum vor allem durch seine zweite Ehe mit Caroline von Monaco sowie diverse Eskapaden bekannte Vater hatte dem Sohn aus erster Ehe im Jahr zuvor die deutschen Besitzungen übertragen.

          Ein schwieriges Erbe für den Erbprinzen, auch in finanzieller Hinsicht. Aus den verbliebenen Besitztümern muss nicht nur der Erhalt historischer Gemäuer bestritten werden, der Erbprinz muss auch zum Unterhalt seiner weitläufigen Verwandtschaft beitragen. Wie es um die innerfamiliären Beziehungen der Welfen atmosphärisch wie finanziell bestellt ist, dazu möchte der Erbprinz sich nicht öffentlich auslassen. Die Beziehung zum Vater beschreibt er nur mit den dürren Worten: „Völlig in Ordnung.“ Den bunten Blättern möchte er keinen Stoff für Schlagzeilen bieten.

          Prachtbau mit hohen Heizkosten: Schloss Marienburg.
          Prachtbau mit hohen Heizkosten: Schloss Marienburg. : Bild: dpa

          In den vergangenen Jahren hat der Erbprinz gleichwohl verstärkt den Weg in die Öffentlichkeit gesucht. Ernst August junior, der unter seinem dichten Schopf bis heute in manchen Momenten ein wenig schüchtern wirkt, möchte aus dem Schatten des Vaters heraustreten und den Welfen in ihrem Stammland wieder zu mehr Ansehen verhelfen. Bei gesellschaftlichen Anlässen in Hannover ist der hochgewachsene junge Mann mittlerweile regelmäßiger Gast. Die Sprache war anfänglich ein großes Hindernis, doch das Deutsch des Erbprinzen hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verbessert. Ab und an muss Ernst August allerdings noch nach der passenden Vokabel suchen. „Ich bin kein Sprachmensch, das weiß ich“, sagt er. „Es ist sogar so, dass sich mein Englisch verschlechtert hat, seit ich Deutsch spreche.“

          Pendeln zwischen London und Hannover

          Mit solcher Bescheidenheit und Distanz zu sich selbst kommt der Welfe gut an in Niedersachsen. Bis hinauf zum Ministerpräsidenten wird gewürdigt, mit welch angenehmer Zurückhaltung der Erbprinz auftritt. Seinem Vater wurde der Satz zugeschrieben, die Welfen seien nicht adelig – sie hätten geadelt. Solche großspurigen Äußerungen dürfte man von Sohn niemals vernehmen. „Ich wache nicht morgens auf und frage mich: Was macht der Prinz heute?“, erklärt Ernst August bei einer Tasse Kaffee im holzgetäfelten Besprechungsraum. Über die fortwährende Bedeutsamkeit der Welfen im einstigen Königreich Hannover sei er sich erst allmählich klargeworden: „Allein schon die Anrede ist ein Riesenthema.“ Bis heute wird der Erbprinz von manchen in Niedersachsen als „Königliche Hoheit“ angesprochen. Andere sind von solchen Fragen der Etikette vor allem verunsichert. Auch der Erbprinz selbst rechnet sich zu dieser Gruppe. „In England war ich einfach nur ‚Ernst‘.“

          Der Erbprinz wirkt daher auch nicht wie jemand, der einem die Frage, was Adel eigentlich ist, beantworten könnte. „Meine Mutter ist nicht adelig, meine Freundin ist nicht adelig.“ Auch zur Jagd hat er ein sichtlich distanziertes Verhältnis. Auf eine solche Frage, die man einem Bürgerlichen kaum stellen würde, blickt er nach unten und schüttelt ratlos sein dichtes Haar: „Ich bin kein großer Jäger.“ Viel lieber beschäftigt er sich mit Büchern zu historischen Fragen. Über solche Lektüre hat er auch mehr Gefallen an seinen neuen Aufgaben in Deutschland gefunden. Die verästelte Geschichte der Welfen, über die sein Onkel Prinz Heinrich so farbig zu berichten weiß wie wohl kein Zweiter, hat es auch dem Erbprinzen angetan: „Ich hätte nie gedacht, dass es so spannend ist.“ Nur eine Antwort auf die Frage, wie sich der welfische Erbprinz im Jahr 2016 definieren soll, hat er offenbar noch nicht gefunden. „Ich bin in einer Zwischenphase meines Lebens, in der ich immer hin- und herreise.“

          Das Pendeln zwischen London und Hannover könnte man auch als Schwanken deuten zwischen einer bürgerlichen Existenz in der Metropole London, wo Ernst August im Stadion des FC Fulham unerkannt seinem ewig erfolglosen Lieblingsverein huldigen kann, und dem Leben als Erbprinz im beschaulichen Südniedersachsen, wo als einziges Spektakel weit und breit vornehmlich er selbst in Frage käme. Ganz frei in seiner Entscheidung darüber, wie er die Schwerpunkte in seinem Leben setzt, ist der junge Welfe dabei nicht. Die finanziellen Zwänge, unter denen die Familie steht, sind groß. Der Unterhalt der Marienburg geht mächtig ins Geld, wie die Welfen hervorzuheben nicht müde werden. „Jeder verbindet so ein Schloss mit viel, viel Geld. Kaum einer spricht von der finanziellen Belastung. Vor einiger Zeit ist hier simultan alles kaputtgegangen“, klagt der Erbprinz. „Andere Schlossbesitzer haben mich gewarnt.“ Allein die Heizkosten eines solchen Gemäuers. Auch heute bläst die Heizung hilflos und laut gegen die fröstelnde Kälte in den meisten Räumen an. Bei der Marienburg kommt erschwerend hinzu, dass an umbauter Fläche wahrlich kein Mangel besteht, sich diese aber auf eine Vielzahl kleiner, schwer nutzbarer Räume verteilt.

          Nicht die gewünschte Lösung

          Seit Jahren sind die Welfen auf der Suche nach Möglichkeiten, dennoch Erträge mit der Marienburg zu erwirtschaften. 2014, im Jahr des 300-jährigen Jubiläums der welfischen Personalunion, zog die Ausstellung über die einst engen Bande zwischen Hannover und Britannien Scharen von Besuchern auf das Schloss. Im vergangenen Jahr gingen die Zahlen wieder zurück. „2015 war wieder so ein Jahr, muss ich offen gestehen, wo wir uns wieder selbst nicht tragen konnten“, sagt der Erbprinz. Die Einnahmen aus Ausstellungen, Gastronomie und Events hätten nicht ausgereicht, um den Unterhalt des Schlosses zu finanzieren. Von einer Tourismusberatungsgesellschaft lässt der Erbprinz derzeit ein neues Nutzungskonzept erarbeiten. Es könnte der letzte Versuch der Welfen mit der Marienburg sein. Greifen die neuen Ideen nicht, würde die nächste Maxime lauten: Das Schloss schließen, die Kosten minimieren.

          „In England war ich einfach `Ernst`“: Ernst August im Gespräch
          „In England war ich einfach `Ernst`“: Ernst August im Gespräch : Bild: Daniel Pilar

          Es wäre nicht die Lösung, die sich der Erbprinz wünscht. Vor zwei Jahren, als der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil auf der Marienburg zu Gast war, präsentierte der Erbprinz seine Vision der Marienburg als eines „offenen und lebendigen Schlosses, das Menschen dazu einlädt, hannoverische Kunst, Kultur und vor allem Geschichte zu erleben“. Im Gegenzug schien der SPD-Politiker durchaus zu würdigen, dass sich die Welfen, die über Jahre wenig Verantwortungsbewusstsein an den Tag gelegt hatten, in Person des Erbprinzen nun tatsächlich um die Pflege und die Aufrechterhaltung ihres Erbes kümmern. Weils Bezugnahme auf das „gefestigte Republikanertum“ in Niedersachsen war indes auch als Hinweis darauf zu verstehen, dass sich die Landesregierung bei der Verwendung von Steuergeldern zugunsten welfischer Besitzungen eher zurückhalten möchte.

          „Das ist absolut frei erfunden, völliger Quatsch“

          Die vom Erbprinzen veranlasste Aufarbeitung der braunen Verwicklungen der Familie sind vor diesem Hintergrund zu verstehen. Sie dienen der politischen Landschaftspflege in ihrem einstigen Herrschaftsgebiet. Die Welfen sind auf das Wohlwollen der Öffentlichkeit angewiesen. Derzeit werden, streng vertraulich, Verhandlungen über die Zukunft der Marienburg zwischen der Landesregierung und dem Haus Hannover geführt. Diese Bemühungen könnten durch einen Artikel der „Bunten“ in der vergangenen Woche einen herben Dämpfer an sensibler Stelle erhalten haben. Unter dem Titel „Heiß begehrt: Briefkästen in Panama!“ berichtete die Zeitschrift über das Firmengeflecht rund um die Marienburg. Ausgangspunkt ist die EAC GmbH, die die Immobilie verwaltet und deren Gesellschafter die Mutter des Erbprinzen sowie eine „Dreamworks Management Ltd.“ mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln sind. Gemanagt wird die EAC GmbH von der „Zenith Trust ref.“, die in Liechtenstein an der Adresse des „Industrie- und Finanzkontors“ gemeldet ist. Dieses Kontor – und daraus leitet die „Bunte“ eine Verbindung nach Panama ab – soll wiederum eng mit der in die Schlagzeilen geratenen Kanzlei Mossack Fonseca zusammenarbeiten.

          Ernst August von Hannover Jr. schaut aus einem Fenster des Schloss Marienburg.
          Ernst August von Hannover Jr. schaut aus einem Fenster des Schloss Marienburg. : Bild: Daniel Pilar

          Erbprinz Ernst August dementiert energisch, dass das Haus Hannover Verbindungen irgendeiner Art nach Panama unterhält. Er habe das nach Erscheinen des Artikels intensiv prüfen lassen. „Das ist absolut frei erfunden, völliger Quatsch“, beteuert er. Auch diene das Firmenkonstrukt nicht der Umgehung von Steuerpflichten. „Das Konstrukt bietet überhaupt keine Steuervorteile – unter keinen Umständen, selbst bei einem Riesenprofit nicht.“ Wobei sich die Frage derzeit gar nicht stelle, weil die EAC GmbH seit vielen Jahren Verluste anhäufe.

          Distanz zum Leben des Vaters

          Warum dann aber dieses Firmenkonstrukt? Der Erbprinz erklärt, dass er selbst nicht ganz glücklich darüber sei. „Ich bin jetzt bereit, die innerfamiliären Beziehungen zu beschreiben“, sagt er. Der Grund für die Einrichtung des Firmengeflechts sei gewesen, dass sein Bruder, insbesondere aber sein Vater ihren Einfluss auf die Geschäftstätigkeit über die „Dreamworks Management Ltd.“ anonym ausüben wollten. Sein Vater habe sich damit gegenüber der Öffentlichkeit weiter abschotten wollen. Der Sohn muss nun mit dieser Konstruktion leben, obwohl die Schlagzeilen seine Arbeit konterkarieren. Firmen auf den Britischen Jungferninseln, selbst wenn sie legalen Zwecken dienen, dürften in der Öffentlichkeit weiter das Bild eines Adelsgeschlechts zementieren, das die innere Bindung zu seiner Heimatregion verloren hat.

          Diesem Eindruck kann der Erbprinz trotz mancher Bemühungen bisher kaum etwas entgegensetzen. Vom einstigen Jetset-Lebensstil seines Vaters hat er sich zwar glaubwürdig abgegrenzt. Doch die Frage, was aus seiner Sicht die angemessene Rolle für einen Adeligen seines Ranges ist, lässt er bis auf weiteres offen. So steht er zwischen den Zwängen, den wirtschaftlichen, den familiären, den politischen, und scheint vor allem den daraus resultierenden Zwiespalt zu spüren.

          Weitere Themen

          Die nächste Generation Sixt

          Scherbaums Börse : Die nächste Generation Sixt

          Familienunternehmen bereitet der Generationenwechsel oft Probleme. Durch den Rückzug des Patriarchen Erich Sixt bekommt die Autovermietung künftig zwei Ko-Chefs. Was bedeutet das für die Aktionäre und den Wandel zum Mobilitätsdienstleister der Zukunft?

          Topmeldungen

          Meghan und Harry bei Oprah : Sie zünden die Bombe

          Meghan Markle und Prinz Harry setzen ihre Trennung vom britischen Königshaus groß in Szene. Das Interview mit Oprah Winfrey ist der Gipfel. Ein Royals-Experte befürchtet schon einen „Atomschlag“ gegen die Windsors.
          Bremen: Heimat der Stadtmusikanten und Sitz der  Greensill Bank.

          Das Greensill-Drama : Zinswetten auf Kosten aller

          Internetportale wie Weltsparen haben das Geld ihrer Kunden an die angeschlagene Greensill Bank vermittelt. Nutzen sie die Einlagensicherung für ihre Zwecke aus?
          Zielen auf den eigenen Kommandeur: KSK-Soldaten, die den Verlust von „Stolz und Ehre“ beklagen

          KSK-Kommandeur Kreitmayr : Der General im Feuer

          Markus Kreitmayr kommandiert und reformiert das KSK der Bundeswehr. Manche loben ihn, andere äußern anonym ihre Wut über den Brigadegeneral.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.