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Deutscher Adel : Was macht der Prinz heute?

„Das ist absolut frei erfunden, völliger Quatsch“

Die vom Erbprinzen veranlasste Aufarbeitung der braunen Verwicklungen der Familie sind vor diesem Hintergrund zu verstehen. Sie dienen der politischen Landschaftspflege in ihrem einstigen Herrschaftsgebiet. Die Welfen sind auf das Wohlwollen der Öffentlichkeit angewiesen. Derzeit werden, streng vertraulich, Verhandlungen über die Zukunft der Marienburg zwischen der Landesregierung und dem Haus Hannover geführt. Diese Bemühungen könnten durch einen Artikel der „Bunten“ in der vergangenen Woche einen herben Dämpfer an sensibler Stelle erhalten haben. Unter dem Titel „Heiß begehrt: Briefkästen in Panama!“ berichtete die Zeitschrift über das Firmengeflecht rund um die Marienburg. Ausgangspunkt ist die EAC GmbH, die die Immobilie verwaltet und deren Gesellschafter die Mutter des Erbprinzen sowie eine „Dreamworks Management Ltd.“ mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln sind. Gemanagt wird die EAC GmbH von der „Zenith Trust ref.“, die in Liechtenstein an der Adresse des „Industrie- und Finanzkontors“ gemeldet ist. Dieses Kontor – und daraus leitet die „Bunte“ eine Verbindung nach Panama ab – soll wiederum eng mit der in die Schlagzeilen geratenen Kanzlei Mossack Fonseca zusammenarbeiten.

Ernst August von Hannover Jr. schaut aus einem Fenster des Schloss Marienburg.
Ernst August von Hannover Jr. schaut aus einem Fenster des Schloss Marienburg. : Bild: Daniel Pilar

Erbprinz Ernst August dementiert energisch, dass das Haus Hannover Verbindungen irgendeiner Art nach Panama unterhält. Er habe das nach Erscheinen des Artikels intensiv prüfen lassen. „Das ist absolut frei erfunden, völliger Quatsch“, beteuert er. Auch diene das Firmenkonstrukt nicht der Umgehung von Steuerpflichten. „Das Konstrukt bietet überhaupt keine Steuervorteile – unter keinen Umständen, selbst bei einem Riesenprofit nicht.“ Wobei sich die Frage derzeit gar nicht stelle, weil die EAC GmbH seit vielen Jahren Verluste anhäufe.

Distanz zum Leben des Vaters

Warum dann aber dieses Firmenkonstrukt? Der Erbprinz erklärt, dass er selbst nicht ganz glücklich darüber sei. „Ich bin jetzt bereit, die innerfamiliären Beziehungen zu beschreiben“, sagt er. Der Grund für die Einrichtung des Firmengeflechts sei gewesen, dass sein Bruder, insbesondere aber sein Vater ihren Einfluss auf die Geschäftstätigkeit über die „Dreamworks Management Ltd.“ anonym ausüben wollten. Sein Vater habe sich damit gegenüber der Öffentlichkeit weiter abschotten wollen. Der Sohn muss nun mit dieser Konstruktion leben, obwohl die Schlagzeilen seine Arbeit konterkarieren. Firmen auf den Britischen Jungferninseln, selbst wenn sie legalen Zwecken dienen, dürften in der Öffentlichkeit weiter das Bild eines Adelsgeschlechts zementieren, das die innere Bindung zu seiner Heimatregion verloren hat.

Diesem Eindruck kann der Erbprinz trotz mancher Bemühungen bisher kaum etwas entgegensetzen. Vom einstigen Jetset-Lebensstil seines Vaters hat er sich zwar glaubwürdig abgegrenzt. Doch die Frage, was aus seiner Sicht die angemessene Rolle für einen Adeligen seines Ranges ist, lässt er bis auf weiteres offen. So steht er zwischen den Zwängen, den wirtschaftlichen, den familiären, den politischen, und scheint vor allem den daraus resultierenden Zwiespalt zu spüren.

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