https://www.faz.net/-gum-8fycs

Deutscher Adel : Was macht der Prinz heute?

Ein schwieriges Erbe für den Erbprinzen, auch in finanzieller Hinsicht. Aus den verbliebenen Besitztümern muss nicht nur der Erhalt historischer Gemäuer bestritten werden, der Erbprinz muss auch zum Unterhalt seiner weitläufigen Verwandtschaft beitragen. Wie es um die innerfamiliären Beziehungen der Welfen atmosphärisch wie finanziell bestellt ist, dazu möchte der Erbprinz sich nicht öffentlich auslassen. Die Beziehung zum Vater beschreibt er nur mit den dürren Worten: „Völlig in Ordnung.“ Den bunten Blättern möchte er keinen Stoff für Schlagzeilen bieten.

Prachtbau mit hohen Heizkosten: Schloss Marienburg.
Prachtbau mit hohen Heizkosten: Schloss Marienburg. : Bild: dpa

In den vergangenen Jahren hat der Erbprinz gleichwohl verstärkt den Weg in die Öffentlichkeit gesucht. Ernst August junior, der unter seinem dichten Schopf bis heute in manchen Momenten ein wenig schüchtern wirkt, möchte aus dem Schatten des Vaters heraustreten und den Welfen in ihrem Stammland wieder zu mehr Ansehen verhelfen. Bei gesellschaftlichen Anlässen in Hannover ist der hochgewachsene junge Mann mittlerweile regelmäßiger Gast. Die Sprache war anfänglich ein großes Hindernis, doch das Deutsch des Erbprinzen hat sich in den vergangenen Jahren erheblich verbessert. Ab und an muss Ernst August allerdings noch nach der passenden Vokabel suchen. „Ich bin kein Sprachmensch, das weiß ich“, sagt er. „Es ist sogar so, dass sich mein Englisch verschlechtert hat, seit ich Deutsch spreche.“

Pendeln zwischen London und Hannover

Mit solcher Bescheidenheit und Distanz zu sich selbst kommt der Welfe gut an in Niedersachsen. Bis hinauf zum Ministerpräsidenten wird gewürdigt, mit welch angenehmer Zurückhaltung der Erbprinz auftritt. Seinem Vater wurde der Satz zugeschrieben, die Welfen seien nicht adelig – sie hätten geadelt. Solche großspurigen Äußerungen dürfte man von Sohn niemals vernehmen. „Ich wache nicht morgens auf und frage mich: Was macht der Prinz heute?“, erklärt Ernst August bei einer Tasse Kaffee im holzgetäfelten Besprechungsraum. Über die fortwährende Bedeutsamkeit der Welfen im einstigen Königreich Hannover sei er sich erst allmählich klargeworden: „Allein schon die Anrede ist ein Riesenthema.“ Bis heute wird der Erbprinz von manchen in Niedersachsen als „Königliche Hoheit“ angesprochen. Andere sind von solchen Fragen der Etikette vor allem verunsichert. Auch der Erbprinz selbst rechnet sich zu dieser Gruppe. „In England war ich einfach nur ‚Ernst‘.“

Der Erbprinz wirkt daher auch nicht wie jemand, der einem die Frage, was Adel eigentlich ist, beantworten könnte. „Meine Mutter ist nicht adelig, meine Freundin ist nicht adelig.“ Auch zur Jagd hat er ein sichtlich distanziertes Verhältnis. Auf eine solche Frage, die man einem Bürgerlichen kaum stellen würde, blickt er nach unten und schüttelt ratlos sein dichtes Haar: „Ich bin kein großer Jäger.“ Viel lieber beschäftigt er sich mit Büchern zu historischen Fragen. Über solche Lektüre hat er auch mehr Gefallen an seinen neuen Aufgaben in Deutschland gefunden. Die verästelte Geschichte der Welfen, über die sein Onkel Prinz Heinrich so farbig zu berichten weiß wie wohl kein Zweiter, hat es auch dem Erbprinzen angetan: „Ich hätte nie gedacht, dass es so spannend ist.“ Nur eine Antwort auf die Frage, wie sich der welfische Erbprinz im Jahr 2016 definieren soll, hat er offenbar noch nicht gefunden. „Ich bin in einer Zwischenphase meines Lebens, in der ich immer hin- und herreise.“

Weitere Themen

Die nächste Generation Sixt

Scherbaums Börse : Die nächste Generation Sixt

Familienunternehmen bereitet der Generationenwechsel oft Probleme. Durch den Rückzug des Patriarchen Erich Sixt bekommt die Autovermietung künftig zwei Ko-Chefs. Was bedeutet das für die Aktionäre und den Wandel zum Mobilitätsdienstleister der Zukunft?

Topmeldungen

Meghan und Harry : Rassismus und Eifersucht hinter Palastmauern

Meghan und Harry berichten erstmals über ihr gemeinsames Leben bei Hofe. Im Interview mit Oprah Winfrey geht es um ihre Kritik am System – und um die Suizidgedanken der Herzogin.
Ab ins Gartencenter: In mehreren Bundesländern sind sie wieder geöffnet.

Corona-Lockerungen : Der Wettbewerb ums Öffnen hat begonnen

Endlich hat auch in Deutschland jeder einen Anreiz, gegen das Virus zu kämpfen, denn der harte Lockdown wird gelockert. Die Folgen treffen alle konkret vor Ort. Gut so.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.