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Ernst August von Hannover : Der große Prinz

  • -Aktualisiert am

Was du ererbt: Ernst August von Hannover betrachtet die Leibnizsche Rechenmaschine. Bild: Daniel Pilar

Erbprinz Ernst August von Hannover lebte und arbeitete in London und Bahrein, Botswana und New York. Nun will er die Traditionen der Welfen pflegen - aber nicht nur.

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          Der Beginn war ungewöhnlich genug. Ein mittlerweile 29 Jahre alter hochaufgeschossener Mann, der bis dahin nie mehr als zwei Tage am Stück in seiner Heimatstadt war, kam im Februar, zur schlimmsten Kältewelle, zum ersten Mal etwas länger in die Stadt, die seinen Familiennamen trägt. Bislang hatte er sich aus der Öffentlichkeit zurückgehalten, lebte und arbeitete in London und Bahrein, Botswana und New York. Seine Muttersprache ist Englisch. Wenig später überschlugen sich die Lokalzeitungen und druckten sein Foto auf der Titelseite. Der Ministerpräsident des Bundeslandes besuchte und empfing ihn, der alte wie der wohl künftige Oberbürgermeister der Landeshauptstadt bemühten sich um ihn.

          An die Aufmerksamkeit muss sich Ernst August Erbprinz von Hannover erst gewöhnen. Nun muss er Grußworte sprechen statt im Fußballstadion neben einem Freund aus Schultagen zu sitzen. (Bei Fulham hat er eine Dauerkarte, nun nähert er sich Hannover 96 an.) Der künftige Chef des ältesten Adelshauses in Europa, laut Pass auch „Königlicher Prinz von Großbritannien und Irland“, tritt also die Flucht nach vorn an - und berichtet hier zum ersten Mal öffentlich von seinen Plänen.

          Von seiner Arbeit will er leben

          In den vergangenen Jahren war der Prinz von Hannover immer wieder einmal in Hannover oder auf der Marienburg nahe seiner Geburtsstadt Hildesheim. Wann immer seine Arbeit für eine Investmentbank in London ihm einen Tag Freiraum gab, setzte er sich morgens ins Flugzeug nach Hannover und kehrte abends zurück. Hier kümmerte er sich um die deutschen Besitzungen seiner Familie, die sein Vater ihm 2004 übertragen hat: Land und Forst in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, die Marienburg und das Fürstenhaus in Herrenhausen.

          Im Übrigen stürzt er sich in seine Arbeit. Von ihr will er leben. Denn das Ererbte dient ohnehin überwiegend dem Erhalt des Ererbten (eine Burg ist teuer), und zur Unterstützung der weitläufigen Familie. Erst im Laufe des vergangenen Jahres wurde ihm in Gesprächen und bei Besuchen klar, wie stark die Anhänglichkeit vieler in der Region an die welfische Tradition und auch an die Familie ist - viel stärker vermutlich als in manch anderen Landstrichen, die von alten Fürstenfamilien geprägt sind. Die Menschen scheinen es zu bedauern, dass die Familie seit Jahrzehnten abwesend ist.

          So will Prinz Ernst August nun eine Verantwortung übernehmen, die ihm bis jetzt kaum ersichtlich war. So läuft er etwa stundenlang an der Seite des Ministerpräsidenten David McAllister, des hannoverschen Oberbürgermeisters Stephan Weil und dessen mutmaßlichen Nachfolgers Stefan Schostok an der Spitze des Ausmarsches zum größten Schützenfest der Welt und meidet jede Äußerung, die als Parteinahme gedeutet werden könnte. Gelegentlich kommt er zu Abendessen des Billardclubs in Hannover, des wohl ältesten deutschen Herrenclubs.

          Angelsächsische Begabung und schneller britischer Witz

          Traditionell ist der Chef des Welfenhauses, also sein mit Prinzessin Caroline von Monaco verheirateter Vater Ernst August, dessen Schutzherr. Zu einer Gedenkfeier der Staatskanzlei für einen seiner Vorfahren sprechen der Ministerpräsident und er ein Grußwort - sechs britische Könige einschließlich Königin Viktoria, vier mit dem Namen Georg, kommen aus dem Haus Hannover. Beim Empfang zum Geburtstag Königin Elisabeths II. in Hannover kommen gleich mehrere seiner Verwandten. Wenn McAllister ihn auf seiner Sommertour oder am Filmset einer australischen Fernsehserie auf der Marienburg besucht, begleitet von Kameras, führt der Gastgeber ihn auf den Turm. Die Aufmerksamkeit hilft, die neogotische Burg zu einem beliebten Ausflugsziel zu machen.

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