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Ernst August von Hannover : Der große Prinz

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Was du auch noch ererbt: Schloss Marienburg bei Hannover.
Was du auch noch ererbt: Schloss Marienburg bei Hannover. : Bild: look-foto

Beim Bremer Tabak-Collegium im Wolfenbütteler Schloss, das einst der Familie gehörte, wird er nicht nur als einziger Gast von den Rednern begrüßt. Von den urrepublikanischen Bremern wird er auch mit „Königliche Hoheit“ angesprochen, was ihn im Stillen amüsieren mag. Vorgaben macht er ohnehin nicht, er ist angelsächsisch geprägt und begabt mit einem schnellen britischen Witz. So scheint er sich wohler als bei manch offiziellen Gelegenheiten zu fühlen, wenn er in einem linken Jugendzentrum in Hannover, der Glocksee, spätnachts einer Rock-Band zuhört, die unter ihrem Namensschild mit einem Satz seinen Familiennamen persifliert: „Hangover Rock Explosion“. Auch mag er die Kunstwerke des hannoverschen Künstlers und Kunstkurators Harro Schmidt, der im ebenso linksalternativen Kulturzentrum Faust seit 20 Jahren einen Ernst-August-Zyklus mit mehr als 100 Kunstwerken schafft. Die Werke ranken sich um die Reiterstatue des letzten Welfenkönigs Ernst August, seines Urururgroßvaters, vor dem Hauptbahnhof von Hannover.

Der Sohn will das Bild der Welfenfamilie verbessern

Dem Prinzen war lieb, dass bislang wenige in seinem Umfeld seinen familiären Hintergrund kannten. Stets lief er unter „Ernst Hannover“: in der Deutschen Schule in London, seiner Heimatstadt, in der er weiterhin die Hälfte der Zeit lebt und arbeitet; im Malvern College in Worcestershire, wo er im Internat war, wie sein jüngerer Bruder Christian, der ebenfalls im Ausland, in Dubai, arbeitet; beim Studium der Geschichte und der Volkswirtschaft in New York; bei seiner Arbeit für Investmentbanken in Bahrein und in London. Nur einmal fanden seine Mitstudenten das heraus. Als er ein Jahr lang in Florenz studierte, sah eine Kommilitonin einen Bericht in einer Modezeitschrift über die künftigen Chefs der großen europäischen Adelshäuser mit seinem Foto. Das verbreitete sich rasch auf dem Campus. Man amüsierte sich - und ließ ihn wieder in Ruhe.

Der Erbprinz ist klug genug, Themen aus der Öffentlichkeit herauszuhalten, die den Boulevard am meisten interessieren. Einige Auftritte seines Vaters Ernst August vor gut einem Jahrzehnt beschäftigten die Medien und beschädigten das Bild der Welfenfamilie. Der Sohn ist dabei, das durch sein Auftreten zu ändern. Dazu kann er schon deshalb wenig sagen, weil er im Ausland aufwuchs und die deutschen Berichte kaum verfolgte. Die Brüder Ernst August junior und Christian haben gute, teils enge Beziehungen zu ihren Halb- und Stiefgeschwistern in Monaco. Noch stärker gilt die Diskretion, wenn es um seine ebenso kluge wie weltläufige Freundin geht: Das habe in der Öffentlichkeit nichts zu suchen. Auch da spricht Ernst August aus Erfahrung: Vor sieben Jahren überschlugen sich die Zeitschriften, weil er mit zwei Töchtern bekannter Modefamilien gesehen wurde.

Traditionen seiner Region und seiner Familie wahren

Dem Prinzen war es immer wichtig, im Ausland Erfahrungen zu sammeln und andere Arbeitsmethoden kennenzulernen. So war er einer von nur zwei „Westlern“ in einer islamischen Investmentbank in Bahrein. Dort lernte er Arabisch; die Fertigkeit hat er mittlerweile verloren. Ernst August scheute sich bei Ferienarbeiten in einer chinesischen Millionenstadt nahe Schanghai oder in einem Camp in Botswana nicht davor, Handarbeit zu verrichten. Afrika liegt ihm. Er war in Westafrika ebenso wie im Süden, in Kenia und vor kurzem in Äthiopien, wo er einen Freund beim Aufbau eines Unternehmens beriet. Beraten steht im Mittelpunkt seiner Arbeit auch für die Investmentbank in London. Dort hat er sich auf die Finanzierung kleinerer Bergbau- und Technologieunternehmen in Schwellenländern spezialisiert.

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