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Verfassungsfeindliches Symbol : Ermittlungen nach Rap-Veranstaltung in Frankfurt

Ganz rechts ist auf diesem Screenshot der Mann mit dem T-Shirt mit IS-Symbolik zu sehen. Bild: Screenshot/Youtube/Einigkeit & Rap & Freiheit

Ein T-Shirt mit dem Symbol der Terrororganisation „Islamischer Staat“ war auf der Bühne einer Rap-Veranstaltung in Frankfurt zu sehen. Die Organisatoren distanzieren sich spät – und werden auch für eine andere Aktion kritisiert.

          In Frankfurt wird gegen einen Mann ermittelt, der bei einer Rap-Veranstaltung in der „Batschkapp“ auf der Bühne ein T-Shirt getragen hat, auf dem das Symbol des sogenannten „Islamischen Staats“ (IS) zu sehen war. „Die Staatsanwaltschaft Frankfurt wird die Strafbarkeit abschließend beurteilen. Der Verdacht des Verwendens von verfassungsfeindlichen Symbolen ist aber aufgrund der öffentlichen Darstellung durchaus gegeben“, schrieb die Pressestelle der Polizei laut einem Bericht der Internetplattform „Vice“.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Aufmerksam auf den Vorfall hatte der Journalist Hubertus Koch auf seinem Youtube-Kanal „Einigkeit & Rap & Freiheit“ gemacht – einen Monat nach der Veranstaltung Anfang Februar. Er veröffentlichte eine Ansage an die Organisatoren der Veranstaltungsreihe „TopTier Takeover“, bei der Battle-Rapper in verschiedenen Städten gegeneinander antreten: „Das ist hier eine rote Linie, die überschritten wurde und da gibt es kein Pardon“, sagte Koch. Dann zeigte er Ausschnitte aus Videos, auf denen der Mann mit dem T-Shirt und einer Kamera in der Hand auf der Bühne zu sehen ist.

          Die Veranstalter reagierten mit einem Video-Statement darauf, in dem sie sich von dem „externen Fotografen“ distanzierten, eine Anzeige gegen ihn und das Löschen der Videos von der Veranstaltung ankündigten. Das T-Shirt sei ihnen nicht aufgefallen, das Symbol hätte niemand erkannt. „Ich bin echt erschüttert, dass da Leute draußen sind, die glauben, dass wir so etwas supporten“, sagte einer der Veranstalter. 

          Weniger überrascht davon, dass in der Rap-Szene solche Symbole offen zur Schau gestellt werden, zeigt sich der Rapper Ben Salomo im Gespräch mit FAZ.NET: „In den Kommentaren unter den Videos haben viele Fans dieses Logo noch relativiert: Das sei ja nur das islamische Glaubensbekenntnis, hieß es oft – obwohl es in der ganzen Symbolik wirklich genau so aussieht wie auf den IS-Fahnen.“ Es sei auch bei weitem nicht der erste Vorfall dieser Art.

          In seinem kürzlich erschienenen Buch „Ben Salomo bedeutet Sohn des Friedens“ hat der Rapper viele Beispiele für antisemitische und islamistische Entgleisungen von Rappern gesammelt. „Nie vergessen werde ich, wie 2006 in Kreuzberg nach mir am 1. Mai der Rapper Deso Dogg auf die Bühne gekommen ist und die grün-gelbe Hisbollah-Flagge mit der Kalaschnikow darauf auspackte und dafür gefeiert wurde. Das ist eine Terrororganisation, aber niemand ist eingeschritten. Später wurde Deso Dogg dann ja ein berühmter IS-Terrorist“, sagt Salomo.

          Die IS-Flagge in einem Propaganda-Video der Terroristen

          Zu der Veranstaltung „TopTier Takeover“, auf der es jetzt zu dem Vorfall mit dem T-Shirt kam, hat Ben Salomo einen persönlichen Bezug: Sie ist aus seinem Format „Rap am Mittwoch“ hervorgegangen, von dem er sich im vergangenen Jahr zurückgezogen hatte – weil er den Antisemitismus in der Szene als jüdischer Rapper nicht mehr hinnehmen wollte.

          Durch die Ereignisse in Frankfurt sieht er sich in seiner Kritik bestätigt. „Es hat mich aber schon vorher sehr gewundert, dass meine Nachfolger eine Kooperation mit Kollegah eingegangen sind, der immer wieder mit antisemitischen Verschwörungstheorien auffällt. Dadurch haben sie sich fragwürdig positioniert.“ Es sei viel wichtiger, sich von solchen Leuten zu distanzieren, die eine enorme Reichweite und großen Einfluss haben. „Das traut sich in der Szene aber niemand. Und ich unterscheide nicht mehr zwischen geistigen Brandstiftern und Mitläufern.“

          Der Mann mit dem IS-T-Shirt sieht sich laut einem ziemlich wirren Schreiben, das auch auf dem Youtube-Kanal „Einigkeit & Rap & Freiheit“ veröffentlicht wurde, nicht als Brandstifter – sondern als Künstler. Er behauptet, dass er mit dem T-Shirt eine Diskussion über die Verrohung im Battle-Rap anstoßen wollte. Ben Salomo glaubt nicht, dass sich durch den Vorfall irgendwas ändern wird: „Teile der Rap-Szene haben seit Jahren ein schweres Problem mit Islamismus und Antisemitismus. Leider trauen sich in der Szene zu wenige, sich dem öffentlich entgegenzustellen.“

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