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Tipps für die Model-Karriere : „Man darf nicht hungern“

Warten, stehen, schweigen – auch das gehört zum Alltag eines Models, wie hier bei der Schau von Giambattista Valli in Paris. Bild: AP

Während Frankreichs Politik Magermodels vom Laufsteg verbannen will, träumen hierzulande Tausende von Mädchen davon, die zweite Heidi Klum zu werden. Was sie und ihre Eltern beachten müssen, verrät Verena Koll, Autorin des Buches „Erfolgreich als Model“.

          Frau Koll, 63 Prozent der Neun- bis Elfjährigen wollen ins Showbusiness, dazu zählt auch die Modewelt. Warum ist Modeln eigentlich ein Traumberuf?

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bei den meisten Mädchen geht es um den Wunsch der Anerkennung, gerade in der Facebook-Welt, wo es um möglichst viele “Likes“ geht und darum, von den anderen wahrgenommen zu werden. Da ist eine Sendung wie „Germany’s Next Topmodel“ auch ein Weg, sich darzustellen und gesehen zu werden.

          Das heißt, bei vielen verwächst sich der Traum wieder?

          Ja, oft werden bei Mädchen später andere Werte wichtig.

          Viele haben den Traum, aber nicht das Potential. Was sind die Grundvoraussetzungen, um überhaupt eine Chance zu haben?

          Das ist unterschiedlich, je nachdem, bei welcher Agentur man sich bewerben möchte.

          Aber wenn man 1,62 Meter groß ist, wird es schwer, oder?

          Dann kann man es für gewöhnlich lassen, es sei denn, man hat ein tolles Gesicht und tolle Kurven und würde als Wäschemodel unterkommen. Bei diesen Jobs spielt die Größe keine so große Rolle. Normalerweise muss aber ein Model mindestens 1,75 Meter sein. 

          Angenommen, ein Mädchen ist 1,80 groß, hat ein gut geschnittenes Gesicht, will Model werden, ist aber noch minderjährig. Was raten Sie den Eltern?

          Erst mal gucken, was das Kind wirklich will: Geht es um Aufmerksamkeit, kann ein guter Weg sein, bei einer Miss-Wahl mitzumachen, wo man den Laufsteg und das Sichpräsentieren schon mal miterlebt. Und die Mädchen dann vielleicht erkennen: Das ist nicht das Richtige für mich. Wenn es aber wirklich ihr Berufswunsch ist, sollte man eine gute Agentur suchen, die dazu rät, dass das Kind auf jeden Fall die Schule fertigmacht.

          Woran erkennt man denn eine seriöse Agentur?

          Das Erste ist schon mal, dass es sie einfach geben muss. Im Internet gibt es viele Agenturen, die nur eine Homepage haben und wie eine Briefkastenfirma funktionieren. Die möchten schnelles Geld machen, indem sie Vorkasse für irgendwelche Fotos fordern oder für Vermittlungen, die nie passieren. Wenn es eine seriöse Agentur ist, besteht sie zum Beispiel darauf, dass die Eltern bei dem ersten Gespräch mit dabei sind. Ihnen wird dann erklärt, wie das Geschäft läuft und ob man das Modeln am Anfang in den Schulferien machen kann.

          Viele Eltern machen sich Gedanken über die Gesundheit und haben Angst: Wenn mein Kind Model wird, fängt es an zu hungern.

          Ganz wichtig ist es, den Mädchen klarzumachen, dass man gesund sein muss, um den Beruf ausüben zu können. Man darf nicht hungern, man muss fit sein, weil es ein wirklich anstrengender Job ist. Deshalb ist es wichtig, sich gesund zu ernähren.

          Ein Kinderpsychologe sagt im Buch, dass Modelcastingshows gefährlich sind, weil sie zu narzisstischen Kränkungen führen, wenn man wegen seines Aussehens abgelehnt wird. Trifft das nicht auf den Beruf grundsätzlich zu?

          Man muss lernen, damit umzugehen. Man darf das, was über einen gesagt wird, nicht persönlich nehmen. Es geht ja nicht um die Person, sondern nur um die Äußerlichkeiten. Es geht um das, was sie darstellen, und Models stellen ja immer was anderes dar, je nachdem, was der Kunde haben möchte.

          Models, die vor der Schau von Charlotte Ronson warten. Bilderstrecke

          Der Psychologe sagt auch: „Mittelmaß macht glücklich.“ Heißt das, man muss die Mädchen vor allzu großen Erwartungen warnen?

          Das ist schon deshalb schlau, weil die Laufstegjobs nur ein kleiner Teil sind. Die meisten Models verdienen ihr Geld mit Werbe- und Katalogjobs. Die ganz große Karriere machen die wenigsten. Und die sind meistens nicht geplant, sie basieren auf Zufall, wie bei Julia Stegner, die auf dem Oktoberfest entdeckt worden ist, oder bei Toni Garrn, die beim Public Viewing in Hamburg entdeckt wurde.

          Schadet ein Auftritt bei „Germany’s Next Topmodel“?

          Für Kandidatinnen, die nicht das Potential zum Modeln haben, kann es hilfreich sein, weil sie eine gewisse Prominenz erfahren haben, die im Bewusstsein des Kunden verankert ist. Diejenigen aber, die wirklich das Potential haben, würden auch so ihren Weg finden, sagt der Modelagent Peyman Amin. Das Wichtigste ist, dass die Kandidatinnen nicht billig rüberkommen, weil das für manche Designer ein Ausschlusskriterium ist - und das vorzeitige Ende einer Modelkarriere bedeuten kann.

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