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Erfinder von „Shaun das Schaf“ : „Wir versuchen nur, lustig zu sein“

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Seine Fans sitzen in deutschen Wohnzimmern ebenso wie im englischen Königshaus: „Shaun das Schaf“, in Deutschland zu sehen im KiKA und im Rahmen der „Sendung mit der Maus“. Bild: WDR/Aardman Animations Ltd./Luke

„Shaun das Schaf“ ist eine jener Fernsehserien für Kinder, vor denen auch Erwachsene verdächtig lange sitzen bleiben. Trickfilmer Richard Goleszowski über die Liebe seiner Figur fürs Abenteuer, den „geistreichen“ Humor der Deutschen und das Image von Schafen.

          Mr. Goleszowski, wir wollen über Ihre Figur „Shaun das Schaf“ reden. Wenn er ein Mensch wäre, wie würden Sie ihn beschreiben?

          Man könnte sagen, er ist eine Figur, die die Aufregung sucht. Wenn er einen Knopf sieht, auf dem steht: „Bitte nicht drücken!“, ist er jemand, der ziemlich sicher drückt.

          Meine sieben Jahre alte Tochter, die Shauns Abenteuer mit Hingabe verfolgt, bat mich, Sie zu fragen, wie alt Shaun eigentlich ist?

          Wir stellen ihn uns als einen zehn bis zwölf Jahre alten Jungen vor. Jedenfalls passt das zu der Art, wie er sich verhält.

          Von Montag an sendet der Kika eine neue Staffel von „Shaun das Schaf“. Was erwartet uns?

          Die Figuren wachsen immer mehr zu einer Familie zusammen. Es gibt ja den Boss, das ist der Bauer, dann den Schäferhund Bitzer, der ist so etwas wie ein Produktionsmanager ist. Dann die Schafe als Arbeiter.

          Aber Shaun ist immer noch Shaun, smart, gewitzt, einfallsreich?

          Ja, wir verändern ein bisschen die Beziehungen zueinander, aber Shaun ist natürlich immer noch der Mittelpunkt.

          Er ist der smarteste auf dem Bauernhof, smarter als der Bauer und smarter als der Wachhund. Warum will er eigentlich nicht vom Hof fliehen?

          Für ihn ist das alles wie eine Familie, er ist ja noch jung. Er hält sich an die Strukturen, so wie wir alle ja Strukturen mögen.

          Er respektiert also bei allem Unfug die Autoritäten?

          Ja, das ist typisch für einen Jungen seines Alters.

          Die Clips haben viele Referenzen, zum Beispiel zu Filmen wie „Rocky“. Verstehen das Kinder überhaupt?

          Es ist so lange okay, solange keine Lücke für die Kinder innerhalb der Geschichte entsteht. Wenn es Eltern verstehen und Kinder nicht, sie sich aber trotzdem darüber amüsieren, geht das. Die „Rocky“-Szene, in der das dicke Schaf Shirley von Shaun trainiert wird, boxt und den Schrotthaufen erklimmt, ist immer noch ziemlich lustig, auch wenn man „Rocky“ nicht kennt. Eine meiner liebsten Clips ist „Happy Birthday Timmy“. Es ist ein Kindergeburtstag, aber am Ende ist es auch eine Elternparty, in der Eltern sich treffen, zusammen trinken und ihre Kinder einfach ignorieren. Viele Eltern finden sich darin wieder.

          Solche Szenen sind vermutlich der Grund, warum die Serie auch bei Eltern so erfolgreich ist. Ich schaue Shaun jedenfalls fast genauso gerne wie meine Tochter.

          Das liegt vermutlich daran, dass wir schon immer Filme gemacht haben, die sich nicht explizit an Kinder richten; wir versuchen einfach nur, lustig zu sein. Wir finden gut, worüber wir selbst lachen. Das war auch bei Wallace & Gromit so. Wir wollten damit nie Kinder erreichen, eigentlich wollten wir uns nur selbst zum Lachen bringen. Und das macht wohl auch den Erfolg aus.

          Sind Ihre eigenen Kinder auch Fans von der Serie?

          Jetzt sind sie ein bisschen alt, meine Tochter ist 14 und mein Sohn 13 Jahre alt. Aber sie sind immer noch begeistert. Ich bekomme viele Reaktionen von Kindern, die mich nach Zeichnungen fragen oder so, auch aus Deutschland. Einmal schickte mir eine Frau, ich glaube aus Bayern, Fotos von ihrer Hochzeit. Die stand komplett unter dem Motto „Shaun das Schaf“.

          Shaun das Schaf ist längst mehr als eine Trickfilmfigur, es ist eine Marke mit Merchandising-Produkten. Was halten Sie davon?

          Ja, das ist heute wichtig, die Produktion ist sehr teuer, und irgendwie muss das Geld wieder reinkommen.

          Wie lange dauert es, einen siebenminütigen Clip zu produzieren?

          Das ist schwer zu sagen, weil wir nie einen Clip am Stück produzieren, wir drehen meistens fünf Stück zur gleichen Zeit. Mit 16 Trickfilmern dauert es vielleicht etwa eine Woche. Das klingt nicht viel, aber das, was Monate dauert, ist das Storyboard zu schreiben und die Figuren zu präparieren. Denn alles muss fertig sein, bevor wir drehen.

          Ist es Ihnen schon mal passiert, dass Sie eine Szene geschrieben haben, die dann zu kompliziert war?

          Manchmal haben wir schon Ideen, die uns in Schwierigkeiten bringen, obwohl wir alles gut vorbereiten und in Zeichnungen ausprobiert hatten. In der letzten Staffel kaufte sich der Bauer mal einen Drachenflieger und wollte damit über dem Bauernhof herumschweben. Ich dachte damals, wir können ihn damit vor einem Blue Screen filmen und danach in den Bauernhof montieren. Aber am Ende war es so kompliziert, dass es wahrscheinlich die bisher teuerste Szene überhaupt war.

          Der Bauer beim Drachenfliegen, Shaun auf dem Skateboard, Bitzer am Billardtisch: Woher nehmen Sie Ihre Inspirationen?

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