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Entschuldigung von Campino : „Weil wir nun mal schon alle einen sitzen hatten ...“

  • -Aktualisiert am

Campino: Wieder im Trockenen? Bild: dpa

Die Dresdner Bäder GmbH hat Campino nach einem nächtlichen Freibadbesuch wegen Hausfriedensbruchs angezeigt. Jetzt entschuldigt sich der Tote Hosen-Sänger in einem Brief – und macht ein Angebot.

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          Wer hat in seiner Jugend nicht schon mal der Versuchung nachgegeben, nachts über den Zaun eines Freibads zu klettern, auf das Schwimmerbecken zuzutaumeln, sich noch im Taumeln die Kleider vom Leib zu reißen und dann den von einigen Bieren und vielen Küssen heißen Kopf abzukühlen?

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          So ähnlich hat das jüngst auch Tote-Hosen-Sänger Campino nach einem Konzert in Dresden gemacht. Ein Foto davon wurde unter anderem auf der Facebook-Seite der Band veröffentlicht, es zeigt, dass er sogar eine Badehose anhatte und ein Handtuch auf dem Kopf. In den guten alten Zeiten hätte man sich vielleicht mitgefreut oder mit dem Kopf geschüttelt oder mit den Schultern gezuckt.

          Heute, wo laut Markus Söder „das Vertrauen in den Rechtsstaat tief erschüttert“ und man selbst beim Baden nicht mehr sicher ist (vgl. Gauland), äußert sich sogar der Chef der Bädergesellschaft Düsseldorf, wo die Band herkommt, kritisch: „Man kann nicht ein Vorbild für Jugendliche sein und dann eine solche Aktion starten.“ Um die Wogen im Freibad und außerhalb zu glätten haben die Toten Hosen nun einen Brief an die unmittelbar Betroffenen geschrieben, der FAZ.NET vorliegt:

          Liebe Mitarbeiter vom Georg-Arnhold-Bad und der Dresdner Bäder GmbH,

          wir waren ja am Samstag für einen Tag lang Eure Nachbarn, weil unser Backstagebereich direkt an Eure Anlage grenzte. Wir hatten also die ganze Zeit Euer einladendes Schwimmbad vor Augen, konnten aber unserer Begeisterung nicht durch einen Besuch Ausdruck verleihen, weil wir ja bis spät in die Nacht beschäftigt waren. Als wir dann endlich Zeit hatten, aber das Bad leider schon geschlossen war, hatten wir uns eigentlich fest vorgenommen, zu warten bis Ihr wieder öffnet.

          Leider hat unser Tourmanager uns daran erinnert, dass wir noch in derselben Nacht nach Berlin fahren müssten. Doch was wäre eine Reise nach Dresden wert, ohne einen Ausflug in Euer schönes Spaßbad gemacht zu haben? Und weil wir nun mal schon alle einen sitzen hatten, haben wir der Versuchung nachgegeben, Eurer Anlage eine Visite abzustatten. Wir wurden nicht enttäuscht.

          Um mit dem weitverbreiteten Klischee aufzuräumen, dass man als Rockmusiker nur mit eigener Yacht oder mindestens im eigenen Pool schwimmen geht, war es uns wichtig, mit einem Foto zu unterstreichen, dass man als Mitglied der Toten Hosen immer noch auf das öffentliche Freibad angewiesen ist und das nicht bereuen muss.

          Kleine Anmerkung am Rande: Uns ist bei dem nächtlichen Ausflug aufgefallen, dass z.B. die Startblöcke leichte Verschleißerscheinungen hatten und so wollen wir gerne mit einer kleinen Spende von 5000 Euro mögliche Erneuerungsmaßnahmen an dieser und anderer Stelle unterstützen. Gerne würden wir damit auch die noch ausstehenden Eintrittsgelder von unseren Begleiterinnen und Begleitern in dieser Nacht begleichen. Wir bitten um Vergebung, freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen und werden uns bemühen, die Öffnungszeiten einzuhalten.

          Campino und Die Toten Hosen

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