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Enkel von KZ-Überlebender : „Ich will sie und ihre Geschichte ehren“

Judy Meisel wurde 1929 in Litauen geboren. Als die Deutschen 1941 das Land besetzten, musste sie mit ihrer Familie in ein Getto für Juden ziehen. Als die Rote Armee näherrückte, wurde das Getto geräumt und Meisel mit Schwester und Mutter in das KZ Stutthof deportiert; ihre Mutter wurde dort in der Gaskammer getötet. 1945 gelang Meisel und ihrer Schwester die Flucht. Bild: privat

Die Großmutter von Ben Cohen hat das KZ Stutthof überlebt und war Nebenklägerin im Prozess gegen einen früheren SS-Wachmann. Der Enkel spricht im Interview über das aktuelle Urteil und die Erinnerung an den Holocaust.

          5 Min.

          Herr Cohen, Ihre Großmutter Judy Meisel hat das Konzentrationslager Stutthof überlebt, im Prozess gegen den früheren SS-Wachmann Bruno Dey war sie Nebenklägerin. Sie haben den Anfang des Prozesses in Hamburg besucht, weil sie es nicht mehr konnte. Am Donnerstag wurde Dey der Beihilfe des Mordes in 5232 Fällen für schuldig befunden, er hat eine Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung erhalten. Sie waren als Familie im amerikanischen Bundesstaat Minnesota zusammen, als das Urteil fiel. Wie bewerten Sie es?

          Matthias Wyssuwa

          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          Im Namen meiner Großmutter und unserer Familie kann ich sagen, dass dieses Urteil eine starke Botschaft sendet, dass kein Wachmann in keinem Lager seine Verantwortung für das, was passiert ist, leugnen kann. Leider wurden die meisten Täter des Holocaust nie strafrechtlich verfolgt, und so fühlt sich das heute eher wie eine Art symbolische Gerechtigkeit an als wie wahre. Das Wichtigste für uns ist aber, dass diese schrecklichen Dinge nie wieder passieren sollten und dass die Welt darüber aufgeklärt wird, dass auch scheinbar normale Menschen Teil des schrecklichsten Übels sein können.

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