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Ein Name als Marke: Karl von Habsburg ist Enkel des letzten österreichischen Kaisers. Bild: Imago

Enkel von Karl I. im Interview : „Das war eine Zäsur“

Bis 1918 herrschte Kaiser Karl I. über Österreich-Ungarn – dann musste er endgültig das Land verlassen. Ein Interview mit seinem Enkel Karl von Habsburg über das Ende der Adelsprivilegien.

          2 Min.

          Erzherzog Karl, vor hundert Jahren musste Ihr Großvater, der bis 1918 als Kaiser Karl I. über Österreich-Ungarn geherrscht hat, endgültig das Land verlassen. Die Regierung stellte ihm das Ultimatum: Förmlich abdanken, interniert werden oder ins Exil gehen. Am 24. März 1919 überquerte er mit seiner Frau Zita und seinem Sohn, Ihrem Vater Otto, die Grenze zur Schweiz. Abgesehen von der historischen Bedeutung, was bedeutete das für Ihre Familie?

          Stephan Löwenstein
          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Das war eine unglaubliche Zäsur. Aber es ist auch beachtlich, was die Familie später daraus gemacht hat. Es verfestigte die Überzeugung, dass eine europäische Einigung notwendig ist, für die mein Vater zeit seines Lebens gearbeitet hat. Der Grundgedanke ist das Konzept der Reichsidee – ein Begriff, der in keine andere Sprache übersetzbar ist – als einer eingeschränkten übernationalen Rechtsordnung. Die Einschränkungen würden man heute als Subsidiarität bezeichnen. Kaiser Franz Joseph I. hat das einmal so ausgedrückt, dass es seine Aufgabe sei, seine Völker vor ihren Regierungen zu beschützen.

          Vom Schweizer Exil aus hat der vormalige Kaiser Karl zweimal erfolglos versucht, zumindest in Ungarn wieder auf den Thron zu gelangen.

          Um das zu verstehen, muss man sehen, welches Selbstverständnis er hatte. Er betrachtete sich als Monarch von Gottes Gnaden. Das bedeutete, dass er diese Aufgabe von höherer Stelle erhalten hatte und sie nicht einfach von sich aus ablegen konnte. Er konnte nur, wie er es auch getan hat, auf jeden Anteil an den Regierungsgeschäften verzichten, aber nicht auf den Thron.

          Finden Sie es insofern verständlich, dass die Republik mit dem Habsburgergesetz jeden Angehörigen der Familie ins Exil verbannte, der nicht ausdrücklich auf den Thron verzichtete?

          Es war vielen Vertretern in der 1. Republik klar, dass er viel Popularität hatte. Damit hatte es sicherlich zu tun, dass der damalige sozialdemokratische Staatskanzler Karl Renner sein Versprechen glatt gebrochen hat, mit dem er meinen Großvater zum Verzicht auf jeden Anteil an den Regierungsgeschäften bewogen hatte. Er hatte versprochen, das Volk über die Regierungsform bestimmen zu lassen.

          Ihr Vater Otto von Habsburg durfte erst 1966 nach einer Verzichtserklärung wieder einreisen, Ihre Großmutter Zita sogar erst 1982. Während die österreichischen Sozialdemokraten die Wiedereinreise Ottos erbittert bekämpft hatten, heißt es, dass die Erlaubnis für Zita durch den damaligen Parteiführer Bruno Kreisky selbst eingefädelt wurde.

          Das ist nicht nur eine Anekdote, das ist historisch belegt. Kreisky wusste genau, dass er sich damit große Sympathie erwerben konnte. Er ließ ein Verfassungsgutachten erstellen, das zu dem Ergebnis kam, dass sie gar nicht Mitglied des Hauses Habsburg sei, weil sie als geborene Prinzessin von Bourbon-Parma eingeheiratet war. Deswegen galt das Habsburgergesetz für sie auf einmal nicht mehr.

          Sie sind wegen eines anderen Gesetzes in einen Rechtsstreit mit Österreich geraten: das Adelsaufhebungsgesetz. Sie wurden verurteilt, weil Ihre Website www.karlvonhabsburg.at das Adelsprädikat „von“ enthält, aber es wurde keine Strafe verhängt. Warum führen Sie diesen Streit?

          Mein Vater war als „Otto von Habsburg“ bekannt. Das ist zu einer Marke geworden, die eine gewisse Rolle spielt, vor allem international. So firmiere ich auch, wenn ich mich zum Beispiel international für Nichtregierungsorganisationen betätige. Außerdem ist eine Website kein „gesellschaftlicher Umgang“, wie ihn das Adelsaufhebungsgesetz verbietet, und es ist ein „World Wide Web“ und nicht ein „Austrian Web“. Ich gehe davon aus, dass das Verfahren in die nächste Instanz geht. Grundsätzlich finde ich die Sache vor allem unterhaltsam: Haben wir gar keine anderen Probleme?

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