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Englisch-Kenntnisse : I understand only railway station!

  • -Aktualisiert am

Echt aufmerksam: Schüler in Somalia folgen dem Englisch-Unterricht Bild: dpa

Not so good: Die Deutschen fallen im internationalen Vergleich der Englisch-Kenntnisse zurück. Besser machen es die Bewohner kleinerer Länder: Sie lernen ambitionierter. Die Spitzenreiter kommen aus Skandinavien.

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          „Equal goes it loose.“ Also: Gleich geht es los! Es ist zwar erwiesen, dass der einstige Bundespräsident Heinrich Lübke dies nicht gesagt hat, als er mit Elisabeth II. auf den Start eines Pferderennens wartete. Doch Zeitgenossen trauten ihm, dem Staatsoberhaupt mit den ausgewiesen miserablen Englisch-Kenntnissen, diesen Satz durchaus zu. Und so fand er trotzdem Eingang ins kollektive Gedächtnis. Als „Lübke-Englisch“ bezeichnet man noch immer jene Versuche der Deutschen, sich Wort für Wort durch die Weltsprache zu hangeln und zu haspeln. Im Geschäftsleben oder am Urlaubsort lässt sich das ja häufig beobachten. „I only understand railway station!“ Also: Ich verstehe nur Bahnhof!

          Bei einer Studie des Sprachschulen-Anbieters „Education First“ (EF), in der Englischkenntnisse auf der ganzen Welt verglichen werden, schneiden die Deutschen zumindest solide ab. Lübke war einmal. Für den am Dienstag veröffentlichten dritten English Proficiency Index wurden demnach Testergebnisse von insgesamt 750.000 Erwachsenen aus 60 Ländern ausgewertet. Für die Analyse der Entwicklung des Sprachniveaus von 2007 bis 2012 wurden Testdaten von mehr als fünf Millionen Erwachsenen in aller Welt ausgewertet. Auf Rang 14 (58,47 Punkte) landen die Deutschen im oberen Mittelfeld. „Das sind also mittlere Englischkenntnisse“, sagt Niklas Kukat, der Geschäftsführer von EF in Deutschland. „Damit sollten wir uns als Reise- und Exportweltmeister nicht zufrieden geben.“ Zumal Deutschland trotz einer etwas höheren Punktzahl im Vergleich zum Vorjahr (plus 1,83) von Rang neun auf 14 abgerutscht ist. Soll heißen: Die Englischkenntnisse der Deutschen haben sich leicht verbessert – die einiger anderer Länder aber noch mehr. Also doch nicht: „Nobody can us reach the water.“ – Niemand kann uns das Wasser reichen.

          Frankreich ist Europas Schlusslicht

          Denn die führenden Schweden (68,69 Punkte), Norweger, Niederländer, Esten, ja auch unsere Nachbarn Polen (plus 7,08 auf 62,25) und Österreich (plus 4,08 auf 62,66) sind uns voraus. Die Autoren der Studie heben hervor, dass vor allem die Bewohner kleinerer Länder ambitionierter Englisch lernen für eine mögliche internationale Karriere. Unter den Aufsteigern im Ranking befinden sich auch einige der europäischen Krisenländer. Besonders Ungarn hat sich mit einer Steigerung von 9,1 Punkten hervorgetan. Dieser Trend erkläre sich dadurch, dass viele junge Menschen für einen Job ihre Heimat verlassen wollen oder müssen und dafür engagierter die Business-Sprache Englisch pauken. Das gilt auch für die sogenannten BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China), die einen Schritt nach vorne gemacht haben. „Die Nachfrage nach Englisch steigt weltweit“, sagt Kukat. „Und unsere wichtigen Handelspartner tun offensichtlich mehr als wir. Dieser Trend ist deutlich zu erkennen.“

          Mit Lübke-Englisch kommt man in der globalisierten Welt nicht weit, dachten auch jene mehr als 15.000 Deutsche, die 2012 den Einstufungstest des Schweizer Unternehmens absolvierten. Das waren laut Kukat freilich Personen, „die schon motiviert oder interessiert daran waren, Englisch zu lernen. Sonst hätten sie nicht an dem Test im Internet oder an unseren Sprachschulen teilgenommen.“ Die Ergebnisse bildeten demnach nicht die Englisch-Kenntnisse der gesamten Bevölkerung ab. Niemand muss also „foxdevilswild“ werden – fuchsteufelswild.

          Besonders beim Blick auf Frankreich. Die Franzosen fühlen sich ja bekanntlich eher beleidigt als herausgefordert bei der Frage: „Do you speak English?“ Die Quittung: Frankreich ist im Ländervergleich auf Platz 35 Schlusslicht unter den europäischen Staaten. Besonders schwach schneiden vor allem Länder im Mittleren Osten und Nordafrika ab. Irak ist nach der Studie mit 38,16 Punkten das Land mit den geringsten Englischkenntnissen. Doch auch hierzulande ist offenbar noch viel zu tun, bis wir sagen können: „Our English is so good that makes us nobody so quickly after.“ Also: Unser Englisch ist so gut, das macht uns keiner so schnell nach.

          Der Englisch-Einstufungstest von EF findet sich im Internet unter  www.ef.de/epis

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