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Emanzipation und Hausarbeit : So haben wir das nicht gewollt

Trotz Emanzipation: In vielen Partnerschaften herrscht ein altes Rollenverständnis. Bild: dpa

Sie putzt, kauft ein und organisiert. Er macht nichts: So sieht der Alltag vieler Paare heute noch aus, obwohl die fünfziger Jahre lang vorbei sind. Dahinter steckt auch eine alte Strategie der Männer.

          15 Min.

          Die Gespräche fingen in der Teeküche an. Wenn wir über unseren Alltag redeten. Wie der Tag gestern war, was die Kinder so machen. Oft erzählte eine von uns, was der Mann mal wieder getan hatte – oder eben nicht. Die Spülmaschine nicht ausgeräumt, einen Geburtstag vergessen. Oder dass er, statt Wäsche zusammenzulegen, auf dem iPad daddelt. Dass er nicht einkauft. Oder einkauft, aber den Einkaufszettel vergisst. Oder nur die Hälfte von dem mitbringt, was auf dem Einkaufszettel steht. Wir erzählten uns Geschichten. Und wir lachten. Oft. Viele Teeküchenbesuche lang. Der unfähige Mann – so ist er halt.

          Anke Schipp
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
          Lucia Schmidt
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch dann sprachen wir mit anderen Frauen, Kolleginnen, Freundinnen und kamen ins Grübeln. Es waren Frauen im Alter zwischen 25 und 50 Jahren, erfolgreich in guten Jobs, emanzipiert, selbstbewusst. Und es stellte sich heraus: Egal welches Alter, ob verheiratet, liiert, mit Kindern, ohne Kinder – fast jede kennt das Thema. Jede konnte uns ein Erlebnis dazu erzählen. Und irgendwann, nachdem wir zahllose solcher Geschichten gehört hatten, verging uns das Lachen. Denn der Alltag von Frauen und Männern in Deutschland birgt offenbar eine bittere Wahrheit: Von Gleichberechtigung sind wir im Jahr 2018 noch weit entfernt.

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