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Betreuung in den Ferien : Wie gut sind Feriencamps?

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Am nächsten Tag stand eine Wanderung auf dem Programm. Die Route war für zwanzigjährige Profi-Sportler ein Witz, für kleine Jungs aber eine Herausforderung. Die Kleinsten wurden am Ende getragen, auf der Rückfahrt im Regionalzug schliefen alle vor Erschöpfung ein. Ob der Fünfjährige in der Woche seine Spieltechnik verbessert hat, weiß ich nicht. Selbstbewusstsein und Durchhaltevermögen hat er auf jeden Fall gewonnen.

Judith Lembke

Supereasy

Ein Sommer-Englischcamp, draußen, aber in derselben Stadt, in dem unsere Söhne (11 und 12) ihre absehbar nicht überwältigenden Englischnoten aufbessern könnten? Noch dazu mit Mittagessen, Freizeitaktivitäten am Nachmittag und ein wenig Campusatmosphäre gratis dazu, denn das Ganze fand auf dem Gelände der Frankfurter Universität statt. Splendid idea, dachten meine Freundin und ich. Aber viel gelernt haben die beiden Jungs dort nicht. Wir dafür um so mehr: dass man Bewertungen nicht glauben darf, wenn sie immer oben stehen und durchweg Erfolg verkünden. „Die Kids lernen spielerisch sehr schnell die englische Sprache“, hieß es da.

Schon die Anmutung am ersten Tag war seltsam: Morgens und zum Abschied mussten alle Kinder ein Lied singen, wie man es sonst von amerikanischen GIs vom Warmlaufen kennt. Gesprochen wurde unter den Kindern entweder Deutsch (klar!) oder hörbar muttersprachliches Englisch. Als Betreuer traten ein paar junge Leute an, die offenbar Studenten (welcher Fächer?) waren, jedenfalls vermutlich keine Englischlehrer. In den „Unterricht“ selbst hatten die Eltern dann natürlich keinen Einblick mehr, doch unsere Jungen winkten ab: „Supereasy, konnt ich alles“, und: „War aber nur ‘ne halbe Stunde oder so!“ Zum Mittagessen in der Unimensa durften sie dann nur das aussuchen, was die Betreuer ihnen sagten („Die durften natürlich auch alles andere nehmen!“), und genug Wasser war, trotz Hitze, nachmittags nicht mehr verfügbar.

Noch ein Wort zu den Spiel- und Sportgeräten: Die waren nach Aussagen unserer Jungs zu klein, zum Teil kaputt und nicht in ausreichender Zahl vorhanden. Wer also eine englischsprachige Kinderaufbewahrung möchte, wäre hier vielleicht gerade richtig, allen anderen sei empfohlen, viel genauer hinzusehen als wir. Sonst stellt er sich am Ende vielleicht auch die Frage: „Was heißt ,Flop‘ eigentlich auf Englisch?“

Susanne Kusicke

Spiele am Strand

Mein Sohn war im vergangenen Jahr für zwei Wochen in Rom; hier ist der Reisebericht des damals 16-jährigen: „Wir sind mit dem Bus nach Rom gefahren, über Nacht. Als ich in den Bus einstieg, dachte ich schon gleich: Die Leute hier sind nicht so wie ich, nicht so cool. Die trugen Sachen, die so aussahen, als hätte ihre Mutter sie ihnen gekauft: Dreiviertelhosen, karierte Hemden und so. Für diese Reise entschieden hatten wir uns, weil die ältere Schwester meines Freundes schon mal mit dem gleichen Veranstalter verreist war, und ihr hatte es gut gefallen. Ich fand es auch gut, bloß die Betreuer haben tierisch genervt. Die haben die Regeln voll ernstgenommen und uns immer angemacht und als nervig abgestempelt. Zum Beispiel, wenn alle sitzen sollten und ich noch stand, war das schlimm. Oder wenn ich ein Video gemacht habe und da zufällig ein Betreuer drauf war, dann musste ich das sofort löschen. Und wenn sie mich mit einem Bier in der Hand gesehen haben, haben sie es mir sofort weggenommen, obwohl ich schon 16 war. Ab ein Uhr sollten wir schlafen, haben wir auch gemacht. Dann kamen die Betreuer immer um 1.15 Uhr rein, um zu kontrollieren, und haben uns wieder aufgeweckt. In der Reisebeschreibung hatte außerdem gestanden, es gebe zwar ein Programm, aber man müsse daran nicht teilnehmen. In Wirklichkeit musste man aber doch, weil die Betreuer einen abgestempelt haben, wenn man nicht hinging. Da musste man dann total kindische Spiele machen, wie zum Beispiel sich alphabetisch aufstellen, um sich gegenseitig kennenzulernen.

Unser Tagesablauf war so: Kurz vor dem Frühstück, gegen 9.30 Uhr, aufstehen, frühstücken, danach zurück in den Bungalow und weiterschlafen oder Karten spielen. Mittags essen und dann weiter im Bungalow oder auf der Terrasse sitzen und irgendwann anfangen, Bier zu trinken. An vier Tagen haben wir Ausflüge gemacht: zweimal nach Rom, einmal an den Strand und einmal in einen Aquapark. Ich würde die Reise nicht noch mal machen, weil ich die meisten anderen Teilnehmer zu jung fand.“

mel.

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