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Elle Fanning im Interview : „Wer andere beleidigt, muss zur Rechenschaft gezogen werden“

  • -Aktualisiert am

„Normalerweise trage ich nie Schwarz“: Elle Fanning mit Salma Hayek auf der Premiere von „The Roads Not Taken“ im Februar Bild: AP

Die Schauspielerin Elle Fanning ist 22 Jahre alt – und steht schon seit zwei Jahrzehnten vor der Kamera. Ein Interview über ihr Leben als Kinderdarstellerin, ihre Rolle als Stil-Ikone und den Druck, den soziale Medien auf junge Frauen ausüben.

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          Frau Fanning, Sie sind 22 Jahre alt und stehen schon zwei Jahrzehnte vor der Kamera. An welchen Tagen fühlen Sie sich wie die Veteranin auf dem Filmset?

          Vor kurzem ist etwas sehr Seltsames passiert. Ich war nicht die jüngste Kollegin am Set. Da waren diese Kinderdarsteller mit ihren Müttern, und mir wurde plötzlich bewusst: Das war vor ein paar Jahren mein Leben. Zwischendurch wurden sie von einem Lehrer unterrichtet, damit sie den Stoff in der Schule nicht verpassen. Das kenne ich nur zu gut. Ich fühlte mich nicht plötzlich alt. Aber schräg war es schon. Ich war doch immer die Jüngste.

          Wenn Sie Ihre alten Filme sehen, haben Sie ein gutes oder ein schlechtes Gefühl?

          Es ist mir manchmal ein bisschen peinlich, wie ich damals aussah oder wie ich bestimmte Dinge gespielt habe. Trotzdem ist es schön. Wenn ich einmal Kinder habe, können sie ihre Mutter in diesen Filmen sehen, die vollständige Dokumentation meiner Kindheit und Jugend. Wer kann seinen Kindern schon so etwas zeigen? Ich gehöre nicht zu den Kollegen, die sagen, sie könnten es nicht ertragen, sich auf der Leinwand zu sehen. Ich kann meine Filme gar nicht oft genug sehen.

          Zu Beginn war das alles wahrscheinlich ein Spiel für Sie. Wann wurde daraus ein ernsthafter Job?

          Ich habe den Job immer ernst genommen. Solange ich denken kann, wollte ich so professionell wie möglich sein. Trotzdem hat es mir Spaß gemacht. Meine Schwester Dakota und ich haben uns zu Hause ständig verkleidet und Theater gespielt. Sie sollten mal unsere privaten Filme sehen. Ich wusste immer, wo die Kamera war, und produzierte mich in jeder Sekunde. Ein besseres Leben als an einem Filmset kann es für mich nicht geben. Ich bin wie gemacht dafür. Die Wende kam mit dem Film „Phoebe im Wunderland“. Ich war neun Jahre alt und wurde für die Rolle eines Mädchens mit Tourette-Syndrom besetzt.

          Stil-Ikone für junge Frauen: Elle Fanning
          Stil-Ikone für junge Frauen: Elle Fanning : Bild: EPA

          Das war Ihnen zum ersten Mal fremd?

          Vorher war ich immer die „Tochter“ oder „Schwester“. Plötzlich gab es wirklich etwas zu spielen, das ich nicht kannte und ich nicht war. Vorher hieß es: Sei einfach du selbst, sei natürlich. Und: Schau nicht in die Kamera. Jetzt musste ich mir eine Rolle erarbeiten und spürte die Verantwortung, es richtig machen zu wollen. Auf einmal wusste ich: Wenn ich mich anstrenge, dann ist das ein Beruf fürs Leben.

          Das klingt ungewöhnlich diszipliniert für eine Neunjährige.

          Diszipliniert war ich immer. Ich stamme aus einer Familie von Sportlern. Vor großen, wichtigen Szenen fühle ich mich wie eine Athletin vor dem Wettkampf. Du musst mental vorbereitet sein. Vor der Kamera passiert nichts einfach so.

          In den vergangenen Jahren sind Sie zur Stil-Ikone für junge Frauen geworden.

          Für viele Kollegen ist der rote Teppich ein notwendiges Übel. Ich liebe solche Auftritte. Das hat mit Sicherheit mit meiner Liebe zu Mode und allem, was damit zusammenhängt, zu tun. Es ist mir völlig egal, was die Leute über mein Outfit sagen.

          Die Kommentare auf den Social-Media-Kanälen perlen an Ihnen ab?

          Für viele Mädchen und junge Frauen ist das ein enormer Druck. Ich kann auch nicht behaupten, dass es mich völlig kalt lässt. Einige Kommentare sind unmöglich und unter der Gürtellinie. Sie einfach nicht mehr zu lesen, kann aber nicht die Lösung sein. Menschen, die andere auf diesen Kanälen beleidigen, müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Ich bin nach dem Motto erzogen worden: Wenn du nichts Nettes zu sagen hast, dann behalte es für dich.

          Auf der Weltpremiere von „Wege des Lebens – The Roads Not Taken“ trugen Sie Schwarz. Warum?

          Modisch gesehen war das für mich eine große Sache. Normalerweise trage ich nie Schwarz. Am Ende trug das ganze Ensemble Schwarz, zur Freude unserer Regisseurin Sally Potter. Es entsprach ihrem Sinn für Ästhetik. Für mich repräsentierte mein Outfit den alten Glamour Hollywoods.

          Gab es für Sie jemals eine Alternative zum Filmgeschäft?

          Zur Schauspielerei? Um Himmels Willen, nein! Ich müsste schon gezwungen sein, damit aufzuhören, wenn man mich als Schauspielerin nicht mehr will. Aber selbst dann würde ich weiter im Filmgeschäft arbeiten. Ich will irgendwann Regie führen. Und ich habe schon angefangen, als Produzentin zu arbeiten.

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