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Schauspielerin Briana Alegria : Einmal Hollywood und zurück

„Was ist für mich wichtig?“: Briana Alegria in Berlin Bild: Daniel Pilar

Die Geschichte klingt nach „La La Land“, nach Traum und nach Klischee: Eine deutsche Schauspielerin versucht sich in Hollywood – und kommt dann nach Deutschland zurück. Ein Abschied.

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          Kommt ein Schauspieler in Berlin zum Casting: „Abgefuckte Turnschuhe, kein Make-up“, sagt Briana Alegria. Kommt ein Schauspieler in Los Angeles zum Casting: „Ganz anders zurechtgemacht, der Rolle entsprechend gekleidet. Gemachte Brüste und Lippen gehören in der Stadt auch dazu.“

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Briana Alegria kennt beide Welten. In Berlin ist sie auch mal Briana Herrenknecht. In L.A. kennt man sie als Briana Alegria – der Künstlername ist ihr zweiter Vorname, ihre Mutter kommt aus Kolumbien, ihr Vater ist Martin Herrenknecht, der Gründer und Vorstandsvorsitzende der Herrenknecht AG, des Weltmarktführers für Tunnelvortriebstechnik.

          Drei Jahre war Briana Alegria ausschließlich Briana Alegria. In Los Angeles begann sie ihre Schauspielkarriere. Die Geschichte klingt für andere so sehr nach Traum wie nach Klischee: Deutsche Jungschauspielerin versucht sich in Hollywood. Eine Geschichte, die in dieser Art trotzdem so gut wie niemand erlebt, erleben darf. Und die für denjenigen, der sich dazu entschließt, vor allem Mut kostet.

          „Das mit der Miss-Wahl würde ich nicht noch mal machen“

          Gleich nach dem Studium an der renommierten Lee-Strasberg-Schule in New York zog sie nach Los Angeles. Briana Alegria hat neben Zac Efron in „We Are Your Friends” getanzt. Sie hat an einer der vielen Miss-Wahlen in der Stadt teilgenommen - einem Konzept, das es in dieser Vielfalt wirklich nur in Amerika geben kann, hinter dem am Ende aber der nette Michael Ohoven aus Deutschland stand. „Absurd“, sagt Alegria an diesem Winterabend an einem Cafetisch im Berliner Privatclub Soho House. „Gibt es nur dort.“

          Hier hatten wir uns vor genau einem Jahr schon mal getroffen, um mit ihr über ihr Leben als Jungschauspielerin in Los Angeles zu sprechen. Seitdem haben sie im Soho House umgeräumt und die riesigen gemütlichen Sofas weggestellt. Auch Briana Alegria hat seitdem umgeräumt. In ihrem Leben.

          „Das mit der Miss-Wahl würde ich zum Beispiel nicht noch mal machen. Aber ich würde es, wäre ich in der Situation von damals, wieder machen. Für die ersten Erfahrungen war es eine tolle Möglichkeit.“ Wieder und noch mal würde Alegria in jedem Fall in einer Serie wie „Homeland“ auftreten. Acht Stunden verbrachte sie am Set, als Teil einer Tischgesellschaft bei einem jüdischen Pessach-Dinner. Die Szenen, in denen sie zu sehen ist, sind Teil der letzten Staffel, die in Berlin gedreht wurde. Ein cooler Moment für jeden Jungschauspieler, zudem auch noch in Berlin.

          „Wie weit komme ich? Wie lange bin ich bereit zu kämpfen?“

          Alegria war damals gerade in der Stadt. Mit einem Bein hier, mit dem anderen dort, so sah ihr Leben lange Zeit aus. Sie hat die Entscheidung für den einen oder den anderen Ort eine Weile hinausgezögert, vor gut drei Monaten war es dann so weit. „Ich habe mich in der Zeit oft gefragt: Wie weit komme ich? Wie lange bin ich bereit zu kämpfen? Und dann irgendwann: Woher komme ich eigentlich? Was ist für mich wichtig?“

          Sie wuchs im Schwarzwald auf, in ihren Augen früher ein sterbenslangweiliges Fleckchen Erde. Mit dem Rest von Deutschland sah es nicht viel besser aus - als junger Mensch glaubt man ja oft, sich mit den eigenen Interessen besser fernab von zu Hause entfalten zu können. Neulich war Briana Alegria in Los Angeles auf der Post. „Die Postfächer waren krumm und schief. So etwas gäbe es in Deutschland nicht.“ Noch nicht mal auf der Post in Berlin. „Dort ist alles gerade, zack, zack. Vielleicht kann man solche Kleinigkeiten erst schätzen lernen, wenn man Vergleichswerte aus dem Ausland hat.“

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