https://www.faz.net/-gum-85ict

Warnung vor „Schwulenfieber“ : Russische Partei entwirft „Hetero-Flagge“

„Eine echte Familie“: Die neue Flagge von „Einiges Russland“ Bild: Einiges Russland/Moscow.er.ru

Die Regierungspartei „Einiges Russland“ will mit einer Flagge für Heterosexuelle traditionelle Werte schützen. Die Reaktion folgt prompt.

          1 Min.

          Vater, Mutter und drei Kinder sind doch die einzig wahre Familie - zumindest wenn es nach der in Russland regierenden Partei „Einiges Russland“ geht. Auf einem Fest für den jährlichen „Tag der Familie, Liebe und Treue“, der 2008 vom damaligen Ministerpräsidenten und Parteiführer Wladimir Putin ausgerufen wurde, stellten Parteimitglieder am Mittwoch eine Flagge extra für Heterosexuelle vor. Der Moment war günstig gewählt, schließlich dient der Feiertag als Werbeveranstaltung dafür, dass das russische Volk nicht nur genügend Kinder bekommt, sondern der Nachwuchs auch in einem funktionierenden Haushalt, also bei Vater und Mutter aufwächst.

          Jonas Jansen
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Einige Wochen nachdem der Oberste Gerichtshof in den Vereinigten Staaten die Ehe für alle legalisiert hat, zeigt Russland abermals, welche Position das Land gegenüber Homosexuellen einnimmt. Immer wieder macht Russland Schlagzeilen mit der Benachteiligung von Homosexuellen, manche werden sogar verfolgt und verprügelt. Schwul oder lesbisch zu sein ist zwar nicht illegal, aber zumindest mit Kindern darf man nicht über das Thema reden, das wurde im Jahr 2013 per Gesetz verordnet.

          Warnung vor dem „Schwulenfieber“

          Die Idee zu der Flagge pro Heterosexualität hatte nach Informationen von russischen Medien der Kopf der Moskauer Parteizentrale, Alexey Lisovenko. „Das ist unsere Antwort auf die gleichgeschlechtliche Ehe, auf die Verspottung des Konzepts der Familie. Wir müssen vor dem Schwulenfieber warnen und unsere traditionellen Werte unseres Landes verteidigen“, sagte Lisovenko der russischen Zeitung Izvestia.

          In einem Beitrag auf Facebook schrieb Lisovenko, dass sich die Flagge an der französischen Bewegung „La Manif Pour Tous“ orientiert, die sich ebenfalls für die traditionelle und gegen die gleichgeschlechtliche Ehe einsetzt. Tatsächlich sieht die Flagge der Bewegung fast gleich aus, die russische Flagge zeigt jedoch ein Kind mehr.

          Im Internet tauchten freilich gleich Alternativen zu der Hetero-Flagge auf: Einige malten die Familie kurzerhand in Regenbogenfarben an.

          Und ein finnischer Twitteraccount, der sich vor allem mit dem Kreml beschäftigt, machte per Bildbearbeitung aus Vater und Mutter einfach zwei Väter und zwei Mütter.

          Weitere Themen

          Doppeltes Babyglück im Duisburger Zoo

          Zwei Tiger geboren : Doppeltes Babyglück im Duisburger Zoo

          Das Sibirische Tiger-Weibchen „Dasha“ hat im Duisburger Zoo zwei Junge auf die Welt gebracht. Bereits Anfang Mai seien die Jungtiere geboren. Mittlerweile absolvierten sie bereits erste Gehversuche.

          Vier Tote bei Unfall auf A3

          Bei Regensburg : Vier Tote bei Unfall auf A3

          Bei einem Unfall auf der A3 bei Regensburg sind vier Menschen ums Leben gekommen. Die Autobahn in Richtung Regensburg wurde total gesperrt.

          Topmeldungen

          Objekt des Kulturkampfes von Liberalen und Konservativen: Schüler unterschiedlicher Hautfarbe in Großbritannien

          Britische Debatte um Weißsein : Wer ist hier benachteiligt?

          Der Bildungsausschuss des britischen Unterhauses rechnet mit dem Begriff des „white privilege“ ab. Benachteiligt seien weiße Arbeiterkinder in den Schulen. Aktivisten werfen den Konservativen Kulturkampf vor.
          Das Wahlplakat der Grünen

          #Allesistdrin : Die schöne Welt mit Lastenrad

          Ein Wahlplakat der Grünen zeigt eine vierköpfige Familie, die mit einem Lastenfahrrad durchs Grüne fährt. Und es zeigt ein Problem, das die Partei in ihrer Ansprache hat.

          Münchens OB zu UEFA-Ablehnung : „Ich finde es beschämend“

          München wollte das Stadion zum EM-Spiel gegen Ungarn als Regenbogen erstrahlen lassen. Das lehnt die UEFA ab. Die Empörung ist groß. Nun sucht der Oberbürgermeister die Konfrontation – auch mit dem DFB.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.