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Nationalpark in Peru : Goldgräber im Garten Eden

  • -Aktualisiert am

Artenreich: Fluss und Regenwald im Amazonasbecken im Nordosten Perus Bild: Daniel Rosengren

Im Nordosten Perus soll ein riesiger Nationalpark entstehen. Doch zahlreiche Einheimische lehnen das Projekt ab. Sie sehen ihre Zukunft durch das Naturschutzgebiet gefährdet.

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          Die Interessengemeinschaft der indigenen Völker im Amazonasbecken fährt schweres Geschütz auf. „Diktatorisches Vorgehen und Neokolonialismus“ wirft ihr Vorstand der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, dem peruanischen Institut für Gemeinwohl und der für Schutzgebiete in Peru zuständigen Behörde vor. Diese drei Organisationen unterstützen im Amazonasbecken im Nordosten Perus die Entwicklung des Nationalparks „Yaguas“, der mit 8700 Quadratkilometern fast halb so groß wie Sachsen wäre. Und das gegen den heftigen Widerstand von sechs Indianer-Gemeinden dieser Region, aus der auch der Generalkoordinator der Interessengemeinschaft Coica, Edwin Vasquez, stammt. Der Schutz der Natur wendet sich demnach gegen die Interessen der dort lebenden Menschen.

          Falsch ist diese Behauptung für die sechs Dörfer zwar nicht, die ganze Wahrheit aber spiegelt sie auch nicht wider. „Wir möchten, dass die Regierung dort so schnell wie möglich einen Nationalpark einrichtet“, sagt Benjamin Rodriguez Grandez im Namen von 45 Gemeinden der Region. Ähnliches fordert auch Liz Chicaje Churay, die Präsidentin einer Vereinigung von 16 weiteren Gemeinden in diesem Gebiet. Und Rodriguez schiebt auch gleich den Grund für die Forderung nach einem Nationalpark nach: „Dort vermehren sich die Pflanzen und Tiere, die unseren Vorfahren schon immer den Lebensunterhalt garantierten.“

          Außerordentlich hohe biologische Vielfalt

          Naturwissenschaftler bestätigen der Region eine außerordentlich hohe biologische Vielfalt. Dort leben zum Beispiel mindestens 337 Arten von Fischen, die damit einen Landesrekord für Peru aufstellen. „Auch andere wichtige Tierarten von Seekühen und Flussdelphinen über Riesenotter und Mohrenkaiman bis hin zum Jaguar, Ozelot und dem Großen Ameisenbären prägen die Natur im Einzugsgebiet des Yaguas-Flusses“, sagt der für Peru zuständige Direktor der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF), Hauke Hoops, in Cusco. Peru hatte also gute Gründe, auf ausdrücklichen Wunsch der angrenzenden Gemeinden dieses Gebiet am 26. Juli 2011 vorläufig unter Schutz zu stellen.

          Wie aber soll die Yaguas-Region dauerhaft geschützt werden? Zu dieser Frage hat die peruanische Naturschutzbehörde Sernanp die 29 Gemeinden konsultiert, die am Rande dieses unbewohnten Gebietes leben. Das Ergebnis war eindeutig: 23 Orte wünschen einen Nationalpark. Abgelehnt wird er gerade einmal von den sechs Gemeinden, die stattdessen ein kommunales Schutzgebiet bevorzugen. Von dem von der indigenen Dachorganisation Coica behaupteten diktatorischen Vorgehen ist da wenig zu spüren.

          Zumindest in einem Teil des Schutzgebietes sollen die traditionellen Nutzungsmethoden der Indianer weiter erlaubt bleiben. Dazu gehören zum Beispiel die Jagd und der Fischfang, bei dem die Indianer manchmal ziemlich dicke Beute an Land ziehen, lebt in den Gewässern doch mit dem Arapaima ein Fisch, der mehr als zwei Meter lang und weit über 100 Kilogramm schwer werden kann und der auf dem Speiseplan der Einheimischen eine wichtige Rolle spielt. Zur entfernten Verwandtschaft dieser Art gehören die Arowanas. Diese Raubfische sind in Südostasien bei erfahrenen Besitzern von Aquarien sehr beliebt, weil sie einer verwandten asiatischen Art ähneln, die dort als Glücksbringer gelten und sehr selten geworden sind. Die Indianer fangen daher die Jungfische und exportieren sie lebend nach Asien. Inzwischen erkundigen sich die Dörfler bei den Naturschützern bereits nach den besten nachhaltigen Verfahren, mit denen diese Tiere in Schutzgebieten genutzt werden können.

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