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Tierliebe : Dieses Känguru hat nun eine Menschen-Mama

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Echte Tierliebe: Heike Grebe und „ihr Baby“ Mary Bild: dpa

Die Mutter eines Känguru-Babys stirbt, doch eine Ersatz-Mutter ist schnell gefunden. Für eine Tierfilmerin im Sauerland bedeutet das Augenringe, neue Kopfkissen und viel kuscheln.

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          Wenn Mary nachts quengelt, greift Heike Grebe in den Babyschlafsack, der direkt neben ihrem Kopf über dem Bett baumelt. Ja, die 30-Jährige aus Medebach hängt „ihr Baby“ zum Schlafen auf: Sie ist Pflegemutter eines kleinen Wallaby-Weibchens. Marys Mutter lebte in einem privaten Känguru-Gehege im Nachbarort Hallenberg und starb vor drei Wochen. Sie hatte etwas Falsches gefressen. „Nun kümmere ich mich um Mary“, sagt Grebe und blickt in das Gesicht, das neugierig aus der Baby-Trage vor ihrem Bauch lugt.

          „Die Tochter des Besitzers wusste, dass ich schon mal Eichhörnchen groß gezogen habe“, sagt Grebe. So sei sie ins Spiel gekommen. „Tierlieb wie ich bin, habe ich zwischen Tür und Angel zugesagt, als ich gefragt wurde.“ Aber sie habe unterschätzt, wie anstrengend das ist: „Die ersten Tage habe ich mich gefühlt wie eine wirkliche Mutti: Ich hatte Schlafentzug und tiefe Augenringe.“

          Marys „Beutel“

          Denn Mary will immer bei ihr und möglichst „im Beutel“ sein. Als Ersatz hat Grebe einen alten Kissenbezug verkleinert und zur Känguru-Kinderstube umfunktioniert. Dass Känguru-Babys in Kissenbezüge umziehen müssen, kommt häufiger vor: Etwa im Tierpark im thüringischen Gotha, wo seit Monaten ein mittlerweile sechs Monate altes Känguru mit der Flasche aufgezogen und von den Pflegern vor dem Bauch getragen wird.

          Auch wenn die Bauchtrage der Lieblingsplatz der fünf Monate alten Mary ist: „Mittlerweile kann ich sie auch mal allein draußen lassen oder im Zimmer in einer Tasche aufhängen“, sagt Grebe. „Hauptsache, sie hört mich.“ Zwischendurch lasse sie ihren Zögling auch mal durchs Zimmer hüpfen. „Da sind alle Kabel weggepackt und alles ist Känguru-sicher gemacht.“ Denn manchmal habe das Tier seine turbulenten Minuten.

          Im ganzen Dorf bekannt

          Im Medebacher Dorf Deifeld ist Mary der Star. „Wenn ich mal ohne sie draußen bin, sind die Leute immer enttäuscht“, berichtet die Pflegemutter. Dabei hat sich das Hochsauerland in den vergangenen zwei Jahren in ein regelrechtes „Outback“ verwandelt: Neben den Tieren zweier Hobby-Züchter gab es bereits mehrfach frei laufende „Skippys“, die für Schlagzeilen sorgten.

          Die Herkunft von „Skippy 1“ und „Skippy 2“ konnte nach Auskunft der Polizei noch immer nicht geklärt werden. Vor einigen Wochen gab es abermals Meldungen über frei laufende Kängurus. An einer Bushaltestelle in Marsberg wurde ein Tier überfahren, ein zweites eingefangen. Diese Wallabys waren zuvor bei einem Züchter über den Zaun gehüpft.

          Marys Zukunft wird hoffentlich weniger aufregend: Bei ihrer menschlichen Ersatzmutter, die auch beruflich als Filmemacherin mit wilden Tieren zu tun hat, bleibt sie voraussichtlich nur noch einige Wochen. Dann soll sie langsam an ihre Artgenossen im Gehege in Hallenberg gewöhnt werden. Das ist nach Auskunft von Experten kein Problem: Im Tierpark Gotha habe man mit der Eingliederung von weiblichen Handaufzuchten bisher nur gute Erfahrungen gemacht.

          Apfelstückchen, geriebene Möhre und frische Löwenzahnblätter

          Noch aber ist es nicht so weit. Die 1,3 Kilogramm schwere Mary will regelmäßig die Flasche. „Die spezielle Känguru-Aufzuchtmilch wurde aus Amerika eingeschifft“, sagt Grebe. Nach Auskunft des Zoos in Krefeld, wo es schon mehrfach Handaufzuchten gab, ist das Beschaffen der Ersatzmilch eine der Schwierigkeiten.

          „Bei anderen Tieren können wir schon mal auf Milch von anderen Tieren ausweichen. Kängurus vertragen die nicht“, sagt eine Zoo-Sprecherin. Marys Speiseplan ist schon ein bisschen erweitert: Zusätzlich zur Milch gibt es schon Apfelstückchen, geriebene Möhre oder frische Löwenzahnblätter aus dem Garten.

          Aber vor allem muss Heike Grebe mit ihrem Schützling kuscheln. Immerhin schlafe „die Handvoll Känguru“ mittlerweile sechs Stunden durch. „Da komme ich auch etwas mehr zur Ruhe.“ Die Zeit mit Mary sieht Grebe auch als Trainingsprogramm, falls sie selbst mal ein Kind haben sollte. „Das ist ein guter Testlauf“, sagt sie und lacht, während sich der kleine Kopf noch weiter aus dem Beutel reckt und Mary ihrer Leihmutter zärtlich den Hals leckt.

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