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Die Sonne lacht dann doch etwas breiter als die jungen Sänger: Rolf und seine Freunde bei einem Auftritt 1987 Bild: order@fotex.de

Rolf Zuckowski : Er schafft das schon

Die Welt kann er nicht heilen, aber Hoffnung geben doch: Ein Treffen mit Rolf Zuckowski, dessen Kinderlieder noch heute gesungen werden.

          9 Min.

          Geh an einem Sommertag hinunter in den Park, in Hanau, vorbei an dem Café, in dem die Gäste heute alle draußen sitzen und ihren Kaffee mit Eiswürfeln trinken, frag einen Mann, der sich auskennt, nach dem Weg – er bringt dich natürlich selbst hin. Lass dich hineinführen in die Martin-Luther-Anlage mit Pflegeheim, Hospiz und betreutem Wohnen, zum Veranstaltungsraum, dort machst du halt und schaust dich um: graue Haare weit und breit. Setz dich vorsichtig auf einen der wackligen grauen Plastikstühle (von denen im Laufe der Veranstaltung gleich drei kaputtbrechen), und schau nach vorn: Hinter einem Klavier hat sich ein kleiner Chor versammelt, alle halten Noten und Text bereit. Und auf der Bühne sitzen zwei Männer, die ebenfalls graue Haare haben. Der eine ist der Inselmaler Anselm, dessen Bilder ausgestellt werden. Der andere ist Rolf Zuckowski.

          Johanna Dürrholz
          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Hört man sich ein bisschen um, wird schnell klar, dass selbst die allermeisten Millennials und Generation-X-ler diesen Namen kennen: Rolf Zuckowski. Sehen sie zum Beispiel auf einem Schreibtisch sein Buch, bleiben gestandene Redakteurinnen in ihren Dreißigern stehen, kreischen begeistert und stimmen Songzeilen à la „Du da, im Raaaadio!“ an. Zuckowski hat sie durch ihre Kindheit getragen, beim Plätzchenbacken begleitet, Autofahrten verkürzt und Verkehrsregeln erklärt. Später dann, mit elf, zwölf, wurde es irgendwann peinlich, wenn man ihn noch hörte, die Kinder wurden älter (und gemeiner), emanzipierten sich von „Rolf und seinen Freunden“ – bis viele ihn als Erwachsene schließlich doch wieder rauskramten, für die eigenen Kinder. Zuckowski-Songs waren oft Extrem-Ohrwürmer, die viele noch heute auswendig können („Mein Platz im Auto ist hinten – hinten!“). Und sie taten niemandem weh. Höchstens vielleicht den Eltern, die die Kassetten rauf und runter mithören mussten.

          Es ist einer dieser schwülen Sommertage, an denen die Leute sagen: Früher war es im Sommer nicht so heiß, im Juni doch nicht! Rolf Zuckowski trägt trotzdem ein langärmliges Hemd und eine leichte Weste darüber, die Ärmel hat er schon hochgekrempelt. Die Diakonin Kerstin Slowik hat die Bilder für die Ausstellung ausgesucht und sich überlegt, dass Zuckowskis Texte gut dazu passen würden. Sie fragte an, und Zuckowski stellte sein geistiges Eigentum zur Verfügung, unentgeltlich. Seither wandert die Ausstellung „Gemeinsam unterwegs“, in der es um „Leben und Endlichkeit“ geht, von Heim zu Heim, und Zuckowski kommt zu den Ausstellungseröffnungen.

          Rolf Zuckowski sieht sich weniger als Kinderliedermacher denn als Chansonnier.
          Rolf Zuckowski sieht sich weniger als Kinderliedermacher denn als Chansonnier. : Bild: Marcus Kaufhold

          So was macht er gerne, für einen Nachmittag in ein Altenheim fahren, für die Menschen singen, mit den Pflegerinnen singen, nach Lust und Laune einen Song beginnen, den sowieso alle kennen. Am Eingang steht dann das Zitat aus seinem Song, nach dem die Ausstellung benannt ist: „Wir sind gemeinsam unterwegs / Auf einer Reise durch die Zeit / Wir steuern unser kleines Schiff / Im großen Meer der Ewigkeit“. Als er einmal den Tabaluga-Song („Irgendwo tief in mir bin ich ein Kind geblieben . . .“) anstimmt, fällt der Chor ein. „Schön, dass ihr das macht. Danke!“, sagt Zuckowski.

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