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Merkels Landung ohne Funk : „Das Hauptproblem hat der Fluglotse“

Bild: dpa

Am Donnerstagabend fallen bei einem Regierungsflieger alle Funksysteme aus, Merkel landet in Köln/Bonn statt Buenos Aires. Ein Pilot erklärt, worauf es bei so einer Landung ankommt und welche Rolle der volle Tank spielt.

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          Herr Starke, wie oft kommen solche Ausfälle des Kommunikationssystems vor?

          Julia Anton

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Dass ein Funksystem ausfällt, passiert eher selten. Es ist allerdings schwer zu sagen, wie oft das jährlich passiert. Für gewöhnlich haben Flugzeuge immer zwei bis drei Funksysteme an Bord. Wenn eines ausfällt, nutzt man das zweite. Ein solcher Totalausfall ist aber wirklich eine Seltenheit.

          Welche Möglichkeiten bleiben dem Piloten bei einem Totalausfall?

          Das hängt immer von der Ausstattung des Flugzeuges ab. Die Crew der Konrad Adenauer konnte wohl über ein Satellitentelefon die Flugsicherung erreichen. Das haben allerdings nicht alle Flugzeuge installiert. Wenn da wirklich alle Funkgeräte ausfallen, dann gibt es auch keine Möglichkeit mehr, mit dem Fluglotsen zu kommunizieren.

          Was wäre also der nächste Schritt?

          Flugzeuge haben einen Transponder, also ein Radarantwortgerät, das immer wieder Signale an die Flugsicherung schickt und beispielsweise Position und Flughöhe übermittelt. In diesen Transponder kann man verschiedene Codes eingeben, in diesem Fall „7600“. Das signalisiert dem Lotsen, dass ich nicht mehr funken kann. Dann gibt es festgelegte Verfahren: Entweder fliege ich zum Zielort weiter, ich kehre zum Startflughafen zurück oder steuere einen Flughafen in der Nähe an.

          Wolfgang Starke ist seit mehr als 13 Jahren als Pilot tätig. Zudem ist der Kapitän seit sechs Jahren Ausbilder. Starke engagiert sich als Vorsitzender im Beirat bei der Vereinigung Cockpit e.V.

          Wie verläuft der weitere Flug ohne Kommunikation?

          Erstmal hat die Kommunikation auf das Fliegen an sich überhaupt keinen Einfluss. Das Flugzeug fliegt nach wie vor wunderbar. Problematisch wird es eher, wenn ich in einem dicht beflogenen Luftraum wie in Europa unterwegs bin. Für mich als Pilot ist das aber weniger dramatisch, das Hauptproblem hat dann der Lotse. Er kann mir nicht mehr sagen, wo ich lang fliegen soll, sondern muss den Radarschirm kontrollieren und mir den Weg frei räumen. Und weil ich ihm nicht sagen kann, was ich tun werde, muss er mir einen sehr großen Teil des Luftraums vorsorglich frei räumen.

          Welche Schwierigkeiten gibt es bei der Landung?

          Ich muss natürlich viel aufmerksamer sein als sonst und selbst sehen: Ist die Landebahn frei? Kann ich da landen, wie ist der Wind? Das sind alles Informationen, die mir sonst der Lotse per Funk mitteilt und mir auch die Landebahn frei gibt. Das muss ich ohne Funk alles selbst kontrollieren.

          Üben Sie solche Situationen in der Ausbildung?

          Der Funkausfall wird in jährlichen Auffrischungskursen trainiert, damit Piloten wissen, was dann zu tun ist. Darüber hinaus haben wir die ganzen Handbücher auch in elektrischer Form an Bord und können nochmal nachlesen, was genau gemacht werden muss. Vom Fliegerischen her bleibt die Landung aber gleich.

          Ein zusätzliches Problem bei dem Kanzlerinnenflugzeug war der volle Tank bei der Landung. Was ist da zu beachten?

          Das maximale Landegewicht von Flugzeugen ist in der Regel niedriger als das maximale Startgewicht. Gerade bei Langstreckenflügen geht man natürlich davon aus, dass eine entsprechende Menge Kerosin bis zur Landung verbrannt wurde. Wenn ich gleich wieder umdrehe, bin ich natürlich zu schwer. Dann macht man eine sogenannte Overweight-Landung. Prinzipiell kann ein Flugzeug auch landen, wenn es zu schwer ist. Man braucht dann aber eine längere Landebahn. Die benötigte Landstrecke kann ich mit dem Computer im Cockpit berechnen. Außerdem werden die Bremsen stärker belastet, weil das zusätzlich Gewicht abgebremst werden muss.

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