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Freundschaft : Wir fangen neu an

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So schnell löst sich die Verbindung nicht: Auch sieben Jahre nach dem vorzeitigen „Beziehungsende“ sind Freundinnen weiter vertraut miteinander. Bild: Isabel Klett

Sie war meine beste Freundin. Plötzlich wollte sie es nicht mehr sein. Sieben Jahre später melde ich mich. Und wir versuchen es noch einmal von vorne.

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          Meine beste Freundin lernte ich zu Beginn des Studiums kennen, in einem Englischseminar. Sie fiel mir auf, weil sie auf eine coole Art hübsch war. Als ich sie das erste Mal sah, trug sie eine Latzhose und war in Begleitung eines gut aussehenden Kommilitonen, der ebenfalls schulterlange blonde Locken hatte. Schnell hatten sie im Semester den Spitznamen "die Zwillinge". Ich bewunderte sie für ihre Coolness und Unbekümmertheit.

          Nach und nach freundeten wir uns an. Sie lebte in einer Wohngemeinschaft mit vier anderen Studentinnen. Die fünf waren eine eingeschworene Gemeinschaft. Daher war ich überrascht über ihr Interesse an mir. Ich hatte vermutet, ihr niemals so nah sein zu können wie ihre Mitbewohnerinnen. Bei ihnen war immer etwas los: nächtelange Gespräche am Küchentisch, wilde Partys, Männer. Ich lebte in einem katholischen Studentenwohnheim und wäre gern auch dort eingezogen.

          Unsere Freundschaft wurde intensiver. Aber das Gefühl, dass sie meine beste Freundin war, hatte ich erst gegen Ende des Studiums. Da wusste ich selbst besser, was ich von einer Frauenfreundschaft erwartete. Mit meiner besten Freundin wollte ich mich ohne jedes Tabu über alle Gedanken und Gefühle austauschen, außerdem sollte sie so unternehmungslustig und extrovertiert sein wie ich. Keine meiner Freundinnen erfüllte diese Kriterien so gut wie sie. Ob sie in mir auch ihre beste Freundin sah, habe ich sie nie gefragt. Mir reichte es, dass es sich für mich so anfühlte. Vielleicht hatte ich sogar Angst vor ihrer Antwort.

          Erste Liebe wird an beste Freundin vermittelt

          Nach dem Studium hatten wir zufällig beide unseren ersten Job in der gleichen Stadt. Jede baute sich schnell einen neuen Freundeskreis auf. Aber weil wir uns länger kannten, schweißte uns das noch mehr zusammen. Als ich heiratete, war sie Single. Ich setzte sie an der Hochzeitstafel neben meine erste große Liebe - einen wunderbaren Mann, mit dem sie heute zwei Töchter hat.

          Unsere Männer und unsere Kinder fanden ebenfalls Gefallen aneinander. Obwohl wir nun an unterschiedlichen Enden Deutschlands wohnten, fuhren wir einmal im Jahr alle miteinander in den Urlaub, und auch das war wunderbar. Ich dachte, dass das alles für immer so bleiben würde.

          Aber vor sieben Jahren, nachdem wir 20 Jahre lang befreundet gewesen waren, sagte sie mir nach einem gemeinsamen Italienurlaub in einem Telefonat, dass sie nicht mehr meine Freundin sein wollte. Ich war wie vom Blitz getroffen. "Warum?" Sie antwortete, sie habe das Gefühl, unsere Freundschaft sei mir nicht mehr wichtig. Ich widersprach. Sie blieb dabei. Ich kämpfte um sie. Sie blieb hart. Nach endlosem Hin und Her legten wir auf. Ich war fassungslos. Nach einigen Wochen schrieb ich ihr einen langen Brief. Ich hoffte, sie umzustimmen. Doch sie blieb bei ihrem Entschluss. Und so fand ich mich nach einer langen Phase der Trauer damit ab, dass ich sie verloren hatte.

          Wenn ich nun neuen Bekannten von ihr erzählte, bezeichnete ich sie, mit einer Mischung aus Selbstmitleid und Wut, als "meine beste Freundin, die nicht mehr meine Freundin sein wollte". Ansonsten versuchte ich, sie zu vergessen.

          Männerfreundschaft bleibt vom Vorfall unberührt

          Das alles hielt unsere Männer nicht davon ab, weiterhin miteinander in den Urlaub zu fahren. Jahr für Jahr verabredeten sie sich zum Rennradfahren, jeweils eine ganze Woche lang. Einmal machten mein Mann, die Kinder und ich zufällig Urlaub in der gleichen Gegend wie meine Freundin und ihre Familie, und so verabredeten sich unsere Männer zu einem Tagesausflug, während wir Frauen mit unseren Kindern zurückblieben, nur etwa eine Autostunde voneinander entfernt. Ich fragte mich, was ich meiner Freundin angetan hatte, dass sie so unversöhnlich war. Eine Antwort fand ich nicht.

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