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Bitte um Asyl : Neue Heimat in Israel

Seltenes Privileg: Payam Feili ist in Israel aufgenommen worden, hier schaut er über Tel Aviv. Bild: AP

Ein homosexueller iranischer Dichter bittet um Asyl: In seiner Heimat verlor er Arbeit und Freunde – in Israel lernt er jetzt Hebräisch und hofft auf die Toleranz der Regierung.

          Sein Visum gilt nur bis Oktober. Doch Payam Feili ist gekommen, um zu bleiben. „Ich weiß, dass es nicht leicht wird, aber ich wollte immer in Israel leben“, sagt der 30 Jahre alte Dichter aus Teheran. Payam Feili lernt jetzt erst Hebräisch. Aber seit er im Dezember in Israel landete, fühlt er sich dort zu Hause – viel mehr als in Iran, von wo der schwule Schriftsteller im vergangenen Jahr zunächst in die Türkei geflohen war.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          An seinem Hals ließ er sich nach der Ankunft einen kleinen Davidstern tätowieren – „um mich an das Land zu erinnern, das ich mag“. Schon als Junge habe er sich für Israel, den Holocaust und die Tora interessiert, berichtet Feili während eines Treffens mit ausländischen Journalisten in Jerusalem. Seine Fingernägel hat er blau-grau lackiert, er trägt einen Ring mit einem großen türkisfarbenen Stein.

          Nur 160 Flüchtlinge seit 1948

          Für sein Visum brauchte er in Israel prominente politische Fürsprecher. Der Innenminister und die Kulturministerin setzten sich für ihn ein, denn eigentlich kann man mit einem iranischen Pass nicht nach Israel reisen. Wenig später stellte er einen Asylantrag in dem Land, das iranische Mullahs aus Verachtung nicht einmal bei seinem Namen nennen, sondern als „zionistisches Gebilde“ beschimpfen, dessen baldige Vernichtung sie ankündigen.

          Das israelische Asylrecht ist restriktiv. Seit der Staatsgründung 1948 gewährte Israel nur gut 160 Flüchtlingen Asyl. Doch Payam Feili ist zuversichtlich, dass er in Israel bleiben, leben und schreiben kann, wie er es möchte. Dabei könnte ihm helfen, dass israelische Politiker gern darauf hinweisen, wie liberal und tolerant ihr im Ausland oft heftig kritisiertes Land im Vergleich zu den islamistischen Regimen in der Region ist.

          Nach Teheran kann Payam Feili nicht mehr zurück. Immer stärker war der Druck auf ihn gewachsen, bis er schließlich ausreiste. Nur das erste seiner insgesamt neun Bücher konnte in Iran erscheinen, auch wenn das Kulturministerium Teile davon zensierte. Die Liebe zwischen Männern, wegen der in der Islamischen Republik die Todesstrafe verhängt werden kann, ist sein wichtigstes Thema.

          44 Tage in einem Container eingesperrt

          Der Dichter verlor seine Arbeit in einem Verlag. „Ich fühlte mich isoliert“, erinnert er sich. Seine Freunde gingen ihm aus dem Weg. Sie hatten Angst, dass sie Schwierigkeiten bekommen, wenn sie den Kontakt aufrechterhielten. Am Ende warfen ihm die Revolutionsgarden vor, er und andere „unmoralische Leute“ arbeiteten mit israelischer Unterstützung an einem Umsturz. Er fürchtete, dass man ihn einsperrte. So wie es schon einmal geschah.

          Aber davon spricht er nicht gern: Kaum hatte er vor zwei Jahren in Teheran den Vertrag für die Übersetzung seines Buches „I Will Grow, I Will Bear Fruit ... Figs“ unterschrieben, wurde er festgenommen. 44 Tage war er ohne Anklage und mit verbundenen Augen in einem Container eingesperrt, wie das internationale PEN-Zentrum berichtete. Die Liebesgeschichte zweier iranischer Soldaten während des Krieges zwischen Iran und dem Irak ist bis heute nur im Ausland erschienen.

          An der Atmosphäre in Iran ist nach seiner Ansicht nicht nur das Regime schuld. „Die Gesellschaft tut sich schwer, den anderen zu tolerieren, wie er ist“ – ein weiterer Grund, weshalb er sein Land verlassen hat, um in Israel zu leben, wo seine Liebesgeschichte mittlerweile auf Hebräisch erschienen ist. Feili erwartet nicht, dass die Wahlen in seiner Heimat am vergangenen Wochenende etwas ändern werden, bei denen die Moderaten und Reformer erfolgreich waren. „Das war nur eine Show“, sagt der Schriftsteller. „Die Menschen hatten keine wirkliche Wahl.“

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