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Königreich vor der Hochzeit : Welchen Titel bekommt Meghan eigentlich?

  • -Aktualisiert am

Schnell noch ein Selfie mit dem wächsernen Ehepaar, bevor dieses zur Hochzeit entschwindet. Bild: Reuters

Die Royals haben eigentlich nicht viel zu sagen – aber ihre Titel sind sprechend. Ein Glossar des britischen Adels vor der Hochzeit des Jahres.

          Am Samstag heiratet Prinz Henry die Amerikanerin Meghan Markle. Auf dem Theaterspielplan der britischen Monarchie, auf dem so oft Tragödien (Diana), Tragikomödien (Prinz Charles) und Historienspiele (Königin Elisabeth II.) stehen, ist also endlich mal wieder ein Lustspiel zu finden. Aber auch dazu gehören teils 1000 Jahre alte Traditionen – und viele Adelstitel, deren deutsche Entsprechungen uns fremd geworden sind.

          An der Spitze der englischen Adelspyramide stehen King und Queen – beides uralte germanische Wörter, Titel und Ämter. Bezeichnenderweise gibt es den König, den „cyning“, in dieser Bedeutung schon seit altenglischer Zeit, während der weibliche Herrscher, die „cwen“, etwas brauchte, um sich von der ursprünglichen allgemeinen Bedeutung „Frau“ zur speziellen „Königin“ zu mausern.

          Doch bereits in Nachbarschaft von King und Queen finden sich französische Bezeichnungen: Prince und Princess allgemein (männliche und weibliche Mitglieder der Königsfamilie), Prince of Wales (Thronfolger), der Prince Consort (Prinzgemahl; von französisch „consort“, also Partner / Partnerin), die Queen Dowager (Königinwitwe; von französisch „douage“, das ist der Besitz, der der Witwe zusteht).

          Wilhelm der Eroberer ändert das System

          Viele britische Adlige sind Träger mehrerer Titel. So hat Prince William aus politischen Gründen gar drei Adelstitel, die auf drei Teile des United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland hinweisen und deren sperrige Phonetik dem Kontinentaleuropäer nur schwer über die Lippen geht: Duke of Cambridge (für England), Earl of Strathearn (für Schottland), Baron Carrickfergus (für Nordirland). Rätselhafterweise ist William also zugleich Duke (Herzog), Earl (Graf) und Baron (Freiherr). Der vierte Teil des Königreichs, Wales, taucht nicht in diesen Titeln auf, sondern im Prince of Wales, dem seit dem 14. Jahrhundert verliehenen Titel für den Thronfolger, der William ja noch nicht ist und sein Vater, Prince Charles, seit über einem halben Jahrhundert immer noch sein muss. Diesem stehen im Übrigen insgesamt 16 Titel zu – darunter der Ritter des Höchst Ehrenwerten Distelordens.

          Grundsätzlich ist die Unterscheidung von Nobility (Hochadel) und Gentry (niederem Adel). Unter King und Queen tummeln sich zahlreiche Träger von Adelstiteln, die zum Teil bis in die Zeit von Wilhelm dem Eroberer zurückreichen. Dieser hatte ja nach der Eroberung Englands 1066 das Land feudalstaatlich umorganisiert, den Grund und Boden der angelsächsischen Eigentümer enteignet und ihn als Lehen an seine Gefolgsleute vergeben. Grundlage dieser gewaltigen Umverteilung war das Domesday Book (etwa 1090), eine Art Grundbuch.

          Diese ersten Adligen wurden englisch „knights“ oder – in England war Französisch bis ins 13. Jahrhundert die vorherrschende Sprache des Hofes und der Verwaltung – „barons“ genannt. Beide Bezeichnungen wurden im Lauf der Zeit aufgewertet. Ursprünglich war der altenglische „cneoht“ (wie im Althochdeutschen der „kneht“) ein Knecht oder Diener. Erst im feudalen System wurde seit dem zwölften Jahrhundert der „kniht“ zu einem Lehnsmann und Angehörigen des niederen Adels – ungefähr dem deutschen Ritter, dem französischen „chevalier“ oder dem italienischen „cavaliere“ entsprechend. Heute wird der Knight mit „Sir“ und Vornamen angeredet – also „Sir Simon“, und nicht, wie ahnungslose Ausländer oft meinen, „Sir Rattle“.

          Der Unterschied zwischen Baron und Baronet

          Der Knight ist der rangniedrigste Titel des niederen Adels geblieben, ist nicht erblich und wird sehr oft an verdiente Bürgerliche vergeben, auch an Sportler wie David Beckham oder Musiker wie Mick Jagger und Joe Cocker, alias Sir David, Sir Mick und Sir Joe. Als Ehrentitel ist er in seiner Häufigkeit dem deutschen Honorarprofessor vergleichbar, der seit längerem inflationär vergeben wird.

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